Ahorn

Informationsabend Deutsche Bahn plant Lärmschutzmaßnahmen entlang der Schienen in Eubigheim

Drei Meter hohe Mauer bringt Abhilfe

Die Deutsche Bahn bietet den Anliegern an der Strecke Möglichkeiten zum Lärmschutz. Bei einem Informationsabend wurde das Thema erläutert.

Ahorn. Die Ergebnisse des schalltechnischen Gutachtens stellten Ingenieure der Deutsche Bahn Netz AG und ein Schallgutachter am vergangenen Mittwoch im Lernhaus Ahorn vor. Außerdem schlugen sie mögliche Maßnahmen an der Bahnstrecke und an den betroffenen Häusern vor, um die Einwohner vor zu hohem Lärm durch den Zugverkehr zu schützen. Bürgermeister Elmar Haas hieß die Projektleiter Sabine Weiler und Julian Hellwig aus Karlsruhe, den Schallgutachter Martin Reichert und die Bürger willkommen.

In einer Präsentation erläuterte Julian Hellwig das vom Bundesverkehrsministerium mit 150 Millionen Euro geförderte Lärmsanierungsprogramm der DB Netz AG. Förderfähig seien Häuser, die vor dem 1. April 1974 erbaut wurden und einen Schallpegel von über 57 dB (A) durch den Zugverkehr aufwiesen. Für Gewerbegebiete gelte ein Höchstwert von 62 dB (A). Der Wert des Schalls wurde beim schalltechnischen Gutachten nicht gemessen, sondern errechnet. Außerdem werde die Kosten-Nutzen-Rechnung bei geförderten Maßnahmen vorgenommen, um nur wirtschaftlich sinnvolle Projekte umzusetzen.

Da für Eubigheim eine geförderte Lärmschutzwand möglich sei, zeigte Hellwig anhand von Bildern, wie Schallschutzwände aufgebaut sind. Die Wand reiche bis zu drei Meter über die Schienenkante hinaus und habe einen Mindestabstand von 3,30 Metern zu den Schienen. Die bahnzugewandte Seite der Mauer habe Löcher, um den Schall zu absorbieren. Innerhalb der aus Stahl gefertigten Mauer liege eine isolierte Schalldämmwolle.

Im Bereich des Bahnsteigs sei eine teiltransparente Mauer möglich. „Eine Lärmschutzwand liegt im Bereich der aktiven Maßnahmen, die gefördert werden“, so Hellwig.

Es werden aber auch passive Maßnahmen mit bis zu 75 Prozent gefördert. Dazu zählen schallisolierte Fenster und Rollläden, sowie Dachdämmung und der Einbau von Schalldämmlüftern. Diese dienen der Frischluftzufuhr bei geschlossenen Fenstern. Jedoch werden nur Schlafräume, Wohn- und Esszimmer bei den passiven Maßnahmen gefördert. Bis zu 100 Häuser könnten so in Eubigheim verbesserten Lärmschutz erwarten.

Der Schallexperte Martin Reichert stellte die Ergebnisse der schalltechnischen Untersuchung vor. Anhand von Karten der Gemeinde an der Bahnstrecke wurde festgestellt, dass Hohenstadt nicht am Lärmsanierungsprogramm teilnehmen könne. Nur Eubigheim und Obereubigheim seien betroffen von zu hohen Schallpegeln. Bis zu 70 dB (A) Lärm habe man dort errechnet.

Die Karten sind derzeit im Rathaus der Gemeinde einsehbar. Dabei ist zu erkennen, welche Gebäude Anspruch auf aktive oder passive Lärmschutzmaßnahmen haben. Die Schlossstraße, die Bahnhofsstraße, das Wohngebiet um die Kirnaustraße sowie die Neidelsbacher Straße und die Straße „Am Bahndamm“ seien betroffen, ebenso Häuser in Obereubigheim.

Sabine Weiler erläuterte die konkreten Vorschläge der DB Netze AG zur Lärmsanierung in Eubigheim. Eine 655 Meter lange und drei Meter hohe Schallschutzmauer ab Schienenoberkante könnte im Ort nahezu 100 Haushalten einen ausreichenden Lärmschutz bieten. Nach Errichtung der Mauer seien nur noch 21 Wohneinheiten Schall ausgesetzt, der über dem festgesetzten Wert von 57 dB (A) liege. Deren Lärmsituation könnte jedoch durch passive Lärmschutzmaßnahmen verbessert werden.

Keine Lärmschutzmauer können die Bewohner nördlich des Bahnübergangs in Richtung Neidelsbach sowie die Obereubigheimer aus Kostengründen erwarten.

Die Anwohnerin Christel Rotter fragte daraufhin, ob eine mögliche Schallschutzmauer gegenüber ihres Grundstücks den Lärm reflektieren würde. Dies verneinte Weiler aufgrund der Löcher in der Mauer, die den Schall absorbieren würden. Über die Wartung einer Schallschutzmauer erkundigte sich Bürgermeister Elmar Haas im Anschluss. „Die Bahn rechnet mit einer Lebensdauer zwischen 25 und 40 Jahren. Falls einzelne Elemente defekt sind, können diese jederzeit ausgetauscht werden“, so Weiler.

Die Reaktionen der Bürger waren gemischt. Während sie sich mit einer Lärmschutzwand in Richtung Rosenberg anfreunden können, da Häuser nicht direkt an die vorgeschlagene Mauer reichen, können sich die Bürger an der engen Straße „Am Bahndamm“ eine drei Meter hohe Mauer direkt vor ihren Häusern nicht vorstellen.

„Wir brauchen die Wand nicht, wir sind den Zuglärm gewohnt“, erklärte eine Anwohnerin. Sie wolle nicht auf eine Wand schauen. Außerdem befürchtete sie die Verschlechterung von Lichtverhältnissen durch die Mauer.

Bürgermeister Haas schlug vor, die Schallpegel nochmals ohne die Mauer in Richtung Boxberg zu berechnen, um im Orts- und Gemeinderat eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Direkt an den Schienen könne man eine drei Meter hohe Latte provisorisch anbringen, um die Höhe der Schallschutzmauer zu simulieren, meinte er.

„Falls die Schallschutzmauer von der Gemeinde abgelehnt werden sollte, können die Bürger trotzdem die passiven Maßnahmen in Anspruch nehmen“, stellte Weiler klar. Dies sei in Boxberg der Fall gewesen. Auf eine Schallschutzmauer müsse die Gemeinde wegen Planungs- und Bauphasen bis zu fünf Jahre warten. Erst dann könnten auch die passiven Maßnahmen ergriffen werden. Bei Ablehnung einer Lärmschutzmauer könnten die passiven Schritte jedoch sofort vorgenommen werden.

Elmar Haas versprach, die Bürger in die Entscheidung weitestgehend mit einzubeziehen. „Der Ortschaftsrat muss aber letztendlich mit dem Gemeinderat zusammen entscheiden“, so Haas.