Ahorn

„Frankenbahn für alle“ Bürgerinitiative hatte MdL Hermino Katzenstein (Bündnis 90/Die Grünen) zu Gast

Für Start mit der Regionalbahn plädiert

Archivartikel

Ahorn/Boxberg.Auf Einladung der Bürgerinitiative „Frankenbahn-für-alle“ hat sich der Landtagsabgeordnete Hermino Katzenstein auf den Weg nach Boxberg gemacht. Nicht nur, weil er passionierter Bahnfahrer ist, er ist auch Vorsitzender des Arbeitskreises Verkehr der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg. Bereits bei seiner Anreise musste er erfahren, welches Problem den Menschen zwischen Osterburken und Lauda „unter den Nägeln brennt“. Er hatte die Wahl, in Lauda oder Osterburken auszusteigen.

Die BI „Frankenbahn-für-alle“ suchte den Kontakt zu dem Politiker und Verkehrsexperten, um sich einerseits zu informieren und andererseits die Schwierigkeiten und Forderungen einer Region mitzuteilen, die nach ihren Angaben seit Jahrzehnten vom Bahnverkehr vernachlässigt wird. Da auch Interessierte aus Lauda-Königshofen am Gespräch teilnahmen, fiel die Entscheidung auf Lauda als Zielbahnhof.

Vom Auto auf die Schiene

Die Teilnehmer waren gekommen, um zu erfahren, welchen Platz die Region im „Zielkonzept 2025“ der Landesregierung hat, und wie das grün geleitete Verkehrsministerium dieses Konzept, noch aus Zeiten der ehemaligen grün-roten Landesregierung, verwirklichen will. Ein Konzept, das mehr Menschen vom Auto zum umweltfreundlichen Verkehrsmittel Bahn bringen will und dem der Gedanke eines landesweiten, stündlichen Fahrtaktes als Mobilitätsgarantie zugrunde liegt.

MdL Katzenstein stellte sich als wahrlich geduldiger Zuhörer heraus. Er wollte erfahren, wie die Vereinbarung der Landkreisverwaltungen mit dem Verkehrsministerium in der Bevölkerung „ankommt“. Wobei er nach deutlichen Wortmeldungen aber auch schnell auf die Kosten für dieses Vorhaben verwies und um Verständnis bat.

Bereits im Vorfeld der Demonstrationsfahrt vom 7. Juli hatte die BI auf erhebliche Schwachstellen des versprochenen Probebetriebs hingewiesen. Drei Jahre seien eine sehr kurze, wahrscheinlich zu kurz bemessene Zeitspanne für eine ehrliche Bedarfsermittlung. Weiter stellten die geforderten 500 täglichen Fahrten eine extrem hohe Hürde dar, so die BI. Lediglich drei aktive Haltestellen zwischen Osterburken und Lauda sollten dies erbringen. Nur an den Werktagen solle die Zugverbindung verfügbar sein. An den Wochenenden sollten Busse eingesetzt werden, die jedoch schwerlich den versprochenen Stundentakt gewährleisten können. Für den Transport von Fahrrädern müssten diese mit entsprechenden Anhängern ausgestattet werden. Über Anstrengungen für den erforderlichen Zubringerverkehr für die Bahnhalte sei nichts zu vernehmen, wurde weiter kritisiert.

MdL Katzenstein wurde auch über die Geschichte der ehemaligen Odenwaldbahn informiert. Vor über 30 Jahren erfolgte der Kahlschlag für den bis dahin täglich gepflegten Personennahverkehr auf dem Abschnitt Osterburken-Lauda. Seither wurden viele Bahnhöfe und Bahnsteige abgerissen. Kurz vor der Jahrtausendwende erfolgte eine zaghafte Wiederbelebung durch einige Zughalte in Rosenberg, Eubigheim und Wölchingen. „Was nützt dies aber, wenn man zwar morgens einsteigen kann, aber den ganzen Tag über und abends die Züge durchrauschen“, kritisierten die BI-Mitglieder.

Im Neckar-Odenwald-Kreis hatte man zur gleichen Zeit die von Mannheim-Heidelberg kommende S-Bahn erst bis Mosbach, dann auch bis Osterburken verlängert. 2003 ging sie in Betrieb. Bereits 2008 hatte sich die Zahl der Fahrgäste verdoppelt. Dies führte dort zum Wunsch einer Verlängerung bis Würzburg. Auch im Regionalverband Heilbronn-Franken und im Main-Tauber-Kreistag gab es Stimmen für die S-Bahn-Verlängerung bis Würzburg, vor allem durch den damaligen Boxberger Bürgermeister Horst Hollenbach.

„Das dazu in Auftrag gegebene Gutachten jedoch grenzte beim Fahrgastpotenzial das Oberzentrum Würzburg sowie den ganzen unterfränkischen Raum aus – und kam somit zu dem bekannt negativen Ergebnis“, wurde moniert.

Der Main-Tauber-Kreis setzte von nun an auf die Regionalbahn, die laut Gutachten einfacher und billiger machbar sei. Anfangen wollte man mit den Haltestellen Wölchingen und Königshofen, für die auch Gelder in die Haushalte gestellt wurden. 2013 setzte Stuttgart plötzlich andere Prioritäten: Regionalexpress, kein Regionalbahn-Ausbau. Der Bahnnahverkehr verkümmerte weiter.

Seit Dezember 2017 ist die Angelegenheit wieder in Bewegung geraten. Zunächst auf Betreiben des Neckar-Odenwald-Kreises, was in ein Bündnis von Main-Tauber und Neckar-Odenwald mit den Bahn-Anliegergemeinden als Allianz für die Frankenbahn) mündete. Weiter durch die Eisenbahn-Fachtagung in Lauda sowie Gespräche der beiden Landräte im Verkehrsministerium. Durch die Demonstrationen an den Bahnhöfen unter dem Banner „S-Bahn-Lückenschluss Osterburken-Würzburg“ wurde die breite Öffentlichkeit eingebunden (wir berichteten).

MdL Katzenstein zeigte Verständnis für den Wunsch einer durchgehenden S-Bahn-Verbindung bis Würzburg, schließlich sage man ihr höheren Komfort und Verlässlichkeit nach. Dies, zu Beginn ausschließliche Ziel der BI, würde jedoch zu einer wesentlich längeren Umsetzungszeit führen. Er plädiert deshalb für den Start mit der Regionalbahn, da bei entsprechender Nutzung dieses Nahverkehrsmittels die Option S-Bahn nicht verbaut sei.

Die Initiative „Frankenbahn-für-alle“ hat inzwischen ihre Ziele für den Nahverkehr konkretisiert, sie wurden MdL Katzenstein nach Stuttgart mitgegeben. Diese lauten: Lückenschluss der Bahnstrecke Osterburken-Würzburg im Stundentakt, einhergehend mit der Reaktivierung aller Bahnhalte sowie Anbindung der Nebenorte.

Einig war man sich über die Verantwortung der beiden Landkreise sowie der Kommunen für die dauerhafte Einrichtung dieses Bahnprojektes. Dazu gehörten die Einbindung des Schülerverkehrs genauso wie die Anbindung der Gewerbebetriebe an die Schiene. Auch die Reaktivierung aller ehemaligen Bahnhaltepunkte müsse Teil des Konzepts sei. Nicht zuletzt würde dadurch die Attrakivität der Region als Wohnort aufgewertet, war man sich sicher. Die Zentren Würzburg, Heilbronn, Mosbach, Mannheim sowie Heidelberg wären täglich, ohne die Stauzeiten auf den Autobahnen, erreichbar. Pendler und Studierende würden dieses Angebot sicherlich auch annehmen, wurde besprochen.

Abschließend bedankte sich MdL Katzenstein für das offene Gespräch, das auch für Politiker sehr wichtig sei. Er versprach, nach der Sommer pause entsprechende Lösungsansätze zu unterbreiten. Die BI dankte ihrerseits für die Wertschätzung, die er durch seinen Besuch entgegenbrachte. Ihr Ziel ist es, durch Gespräche mit weiteren Verkehrsexperten sowie Politikern ein ernstzunehmender Gesprächspartner ist und bleibt. bi