Ahorn

Letztes Gastspiel Die MOS-kitos verabschiedeten sich mit ihrer Vorstellung in Eubigheim von ihrem Publikum

Schwerstarbeit für die Lachmuskeln

Eubigheim.Ein Herbst, der nahtlos in den Frühling übergeht, schafft optimale klima-(kterische) Voraussetzungen für die beiden Stechmücken Birgit Dietrich und Roswitha Scherer-Gehrig, die als das Kabarett-Duo "MOS-kitos" scharf, spitzzüngig und hintersinnig zum Angriff auf das banale Alltagsharakiri bliesen, teils mit kräftigen Seitenhieben auf das männliche Geschlecht.

Gewohnt bissig

Komödiantisch gut verpackt pickten sie mit ihren selbst geschriebenen Texten die Rosinen aus dem Banalitätenkuchen und versüßten sie für das erwartungsfrohe Publikum mit frechen Liedern, Gedichten, Witz und Ironie. So warnte Scherer-Gehrig gleich zu Beginn: "Wenn Ihr nicht mindestens zwei Gläser Sekt getrunken habt, könnt Ihr das Folgende nicht überstehen", denn gewohnt bissig ging es bei der Abschiedsvorstellung "Schluss mit Lustig" der bekannten Kabarett-Truppe schonungslos in medias res.

So zum Beispiel der Umgang mit den "Beinahe-Menschen-auf-vier-Füßen", besser bekannt als Haustiere, der mittlerweile skurrile Züge annimmt. Unerbittlich stach Dietrich zu, geißelte die Doppelmoral mancher Zeitgenossen, "selber will der Mensch Sterbehilfe, aber sein Haustier darf net sterben."

Ob die Katze bei der Dialyse oder das Huhn in der Notfallklinik, Dietrichs Pragmatismus ließ nur eine Lösung zu: "Ich bin ä Kind vom Land, früher hat en Hackklotz und ä Beil gelangt!" Auch der natürliche Umgang mit unseren Nahrungsmitteln beäugte sie kritisch, denn eine Schweinehälfte empfindet der Verbraucher als pervers, zehn Schnitzel für 4,99 Euro als wunderbar.

Pointenreich mit ausgefeilter Mimik und Gestik packte Scherer-Gehrig als ehrenamtliche Rentnerin mit den Hobbys Kinder, Küche, Kirche und Elternbeirat das Thema Altersarmut an.

Die Hobby-Mutter von einst muss sich quasi als Hobby-Oma um den "krankhaft selbstverliebten Nachwuchs" kümmern, denn die jungen Eltern sind der Rente und des Wohlstands wegen zum Arbeiten gezwungen, obwohl in der Shellstudie die Familie auf Platz 1 rangiert.

Die kaputte Birne in der Schlafzimmerlampe ließ manch männlichen Besucher schon innerlich aufstöhnen, denn allzu vertraut war ihm das von Dietrich in authentischem Dialekt vorgetragene Szenario. Von der nicht mehr in die alte Fassung passenden Ökoenergiesparlampe ging es über das Chaos im begehbaren Kleiderschrank bis hin zur Vollrenovierung des Hauses. Letztendlich war alles neu im Schlafgemach, außer dem Ehegatten.

Rotes Gewand, schwarzer Humor

Doch dieser setzte mit einem bestimmten "Jetzt ist aber Schluss mit Lustig" der verschwenderischen Gemahlin eine deutliche Grenze. Trotz verführerischem roten Gewand gestaltete sich der humoreske Chanson "Vincent kommt heute zum Essen" tief schwarz und äußerst makaber. Denn das "Nein" auf die Frage aller Fragen war inakzeptabel, das Pilzgericht unausweichlich, schließlich gab's Vincent zum Essen.

Und als ob das nicht schon genug wäre, setzte die Komödiantin noch einen gezielten Stich: "Den Rest vom Menü frier ich ein, Vincent wird noch lange bei mir sein!"

"Genauso ist es bei uns", kommentierte ein Zuschauer die Urlaubsvorbereitungen, die das Schlafzimmer vom Ruhepol in eine Markthalle verwandeln. Zielsicher traf Scherer-Gehrig den Nerv des weiblichen Publikums, als sie die passenden Schuhe als das größte Problem schlechthin bezeichnete. Zwei Wochen durchlebt sie die Hölle, während die Habseligkeiten ihres Mannes in ihre Handtasche passen würden. Überhaupt sprang angesichts der Nähe zum Publikum und der heimischen Atmosphäre der Funke früh über, und als Dietrich sich frivol zum Geburtstag von ihrem Mann neue Brüste, prall wie Apfelsinen, wünschte, gab's kein Halten mehr. Hochaktuell besangen die Kabarett-Granden Politiker in Bund und Welt und bedachten sie mit kräftigen Seitenhieben. Wenig Verständnis fand man für die gesellschaftliche Inakzeptanz getrennter Schlafzimmer. Wenn Liebende Nacht für Nacht zu "Kriegern" werden, wird die Symbolkraft des Ehebetts gnadenlos pervertiert.

Die von Dietrich plastisch geschilderten Alltagssituationen "Du schnarchst - ich schlaf doch net", waren dem Tränen lachenden Publikum allzu vertraut. Schwerstarbeit für die Lachmuskeln war Scherer-Gehrigs dezidierte Analyse der Klimakatastrophe. Kosten verschlingende Klimagipfel sind künftig überflüssig, denn "schuld sind wir Frauen zwischen 45 und 70, die wir unsere Hitze an die Atmosphäre abgeben." Mit viel Witz, Komik und schauspielerischem Talent berichtete sie von heißen Frauen, schlotternden Männern und kam zu dem Schluss, Gott könne nicht weiblich sein, "so einen Fehler hätte er nie begangen." Mit ihrem Balalaika-Orchestra lief Dietrich zur Hochform auf.

Zugabe gefordert

Klar, dass die MOS-kitos nicht ohne Zugabe von der Bühne kamen. Mit der gesanglichen Aufmunterung "Geh raus, mach dir klar, was du willst" gaben sie dem Publikum zum Abschluss ihren Bühnenkarriere einen klaren Auftrag mit auf den Weg. Dieses fühlte sich von dem Duo bestens verstanden, waren doch Sätze zu hören wie "Man hat sich überall ein Stück weit gefunden." Musikalisch hervorragend begleitet wurden das Duo von Marcus Dietrich am Klavier und Dr. Rainer Schulz am Tenorsaxophon. Der Förderverein des Lernhauses Ahorn ermöglichte mit der Organisation dieses Abends ein Sahnestückchen im Veranstaltungskalender Eubigheims.