Assamstadt

"Land und Leute" Pferde sind die große Leidenschaft von Ina Leuser / Die 28-jährige Assamstadterin reitet mit ihrem Wallach "Salut" im Dressursport in der höchsten Klasse Grand Prix

Balance zwischen harter Arbeit und viel Spaß

Pferde sind die große Leidenschaft von Ina Leuser. Die 28-Jährige gehört zu jenen Menschen, die Beruf und Hobby unter einen Hut gebracht haben - und viel Spaß haben.

Assamstadt. Talent ist die besondere Anlage einer Person, auf einem bestimmten Gebiet mit einer besonderen Leistungsfähigkeit aufzuwarten. Ina Leuser ist damit zuhauf ausgestattet - und dankbar dafür, dies tagtäglich aus- und erleben zu dürfen.

Für die waschechte Assamstadterin liegt jedoch alles Glück dieser Erde beileibe nicht ausschließlich auf dem Rücken der Pferde. Seitdem sie nämlich den elterlichen Reitstall übernommen hat, weiß sie nur allzu zu gut, dass es auch abseits davon "viel zu tun gibt". Doch sie genieße es und bereue keinesfalls, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Denn ihr sei es gelungen, die richtige Balance zwischen harter Arbeit einerseits und Spaß andererseits zu schaffen, lässt die Pferdewirtin mit Schwerpunkt Reiten durchblicken.

Die Liebe zu den Huftieren wurde Ina Leuser gewissermaßen in die Wiege gelegt. Schließlich waren es ihre Eltern, die den Reitstall mit integrierter Reithalle am Ortsrand von Assamstadt, hier ist auch der örtliche Reit- und Fahrverein angesiedelt, viele Jahre betrieben haben, ehe sie die Anlage vor zwei Jahren in jüngere Hände übergaben. "Meine drei Brüder können sich alle im Sattel halten", lacht Ina Leuser, doch ganz so verrückt wie sie seien sie denn doch nicht.

"Salut" macht's möglich - dank ihres 15 Jahre alten Wallachs ist die 28-Jährige in den letzten Jahren in der Dressur die sportliche Erfolgsleiter Stück für Stück nach oben geklettert. Beide bilden im Rechteck ein starkes Tandem, das hervorragend harmoniert und es bis in die anspruchsvollste Klasse, den Grand Prix, geschafft hat - Sphären, in denen auch Topleute wie die Weltklassereiterinnen Uta Gräf und Dorothee Schneider aktiv sind und in denen Ina Leuser auch bereits mit einigen vorderen Plätzen aufgewartet hat.

Mit viel Ehrgeiz ausgestattet

Stillstand ist bekanntlich Rückschritt - wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Und deshalb gedenkt die Amazone überhaupt nicht, sich auf den bisher erreichten Lorbeeren auszuruhen. Vielmehr ist sie ehrgeizig genug, noch die Meisterprüfung in Angriff zu nehmen, um letztlich selbst ausbilden zu dürfen. So wie sie es erleben durfte unter den Fittichen ihrer Mentorin Ellen Bontje auf dem Hofgut Neuhof im hessischen Dreieich - eine Zeit, die sie extrem geprägt habe.

Für Ina Leuser liegt der Reiz, mit Pferden zu arbeiten, in der Vielfältigkeit des Berufsbildes. "Ich bin Trainerin, Ausbilderin, Therapeutin oder Pflegerin", sagt sie. Dies alles unter einen Hut zu bekommen, sei eine Kunst, die ihr berufliches Engagement so spannend und abwechslungsreich gestalte.

Bei Reitern wie Pferden gebe es jeweils vollkommen unterschiedliche Charaktere, die sich auf den unterschiedlichsten Anfangsleveln befänden. Hier gelte es, beide zu einer Einheit zusammenzuführen. Beim einen Paar dauere dies länger, beim anderen kürzer. "Sport- und Freizeitreiter sind in unserem Stall gleichermaßen bemüht, bestmöglich reiten zu lernen, um ihrem Partner Pferd das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten."

Was will der Reiter? Was will das Tier? Ist das Talent vorhanden, um miteinander überhaupt erfolgreich arbeiten zu können? Fragen über Fragen, die zunächst einmal erörtert sein wollen. "Hier sind viele Gespräche nötig, und auch der Begriff Geduld wird ganz groß geschrieben", sagt die Pferdeexpertin mit Bestimmtheit.

Was die Arbeit mit den Vierbeinern angehe, so sei kaum ein Tag wie der andere. Sie lasse viel Zeit, aber noch mehr Herzblut in ihre Tätigkeit einfließen. "Pferde sind sehr sensibel und verfügen über zahlreiche Emotionslagen", tut die 28-Jährige kund. Sie hätten außerdem ein äußerst feines Feeling und von ihnen käme so viel zurück, dass man es sich gar nicht leisten könne, ihnen oberflächlich und gleichgültig zu begegnen.

Mit Hingabe dabei

Sich mit Hingabe für die Vierbeiner, mehr als 40 davon sind im Assamstädter Reitstall untergebracht, zu engagieren, das ist für Ina Leuser mehr Berufung denn Beruf. Aber sie ist sich auch darüber im Klaren, dass es neben der Kür - die tägliche Arbeit mit den Pferden - auch einige Pflichten im Alltag gibt, die es zu bewältigen gilt. "Der Bürokram muss halt auch sein", grinst sie. Doch dies gehe ihr viel leichter von der Hand, wenn sie mit ihren Gedanken bei ihren wiehernden Lieblingen ist, von denen "Salut" natürlich in der Gunst ganz weit oben angesiedelt ist.

Bereits in ihrem recht jungen Alter verfügt die Pferdewirtin über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz, den sie gerne auf dem heimischen Hof weitervermittelt. Dieses große Wissen hat sich Ina Leuser aber nicht nur bei Ellen Bontje, olympische Silbermedaillengewinnerin mit dem niederländischen Dressur-Team 2000 in Sydney, angeeignet. "Auch ein dreimonatiges Stipendium bei Hubertus Schmidt auf dem Fleyenhof bei Etteln hat mir sehr viel geholfen", teilt Leuser mit. Verständlich, denn Hubertus Schmidt zählt zur Creme de la Creme im deutschen Dressursport, wie unter anderem Mannschaftsgold bei Olympia 2004 in Athen eindrucksvoll beweist. Sie habe sich sportlich weiterentwickelt und auf dem dortigen Betrieb sehr viel in Sachen effektiver Abläufe und Optimierung des Alltags lernen dürfen. "Eine Zeit, die ich keinesfalls missen möchte."

Die Arbeit geht nicht aus

"Nein, die Arbeit in unserem Stall wird mir nicht ausgehen", schmunzelt Ina Leuser. Sie blicke mit großem Optimismus in die Zukunft. Und mit der Hoffnung, zahlreiche Pferde zu "erkennen", die über großes Talent verfügten und es sportlich zu etwas bringen könnten. Wie es zum Beispiel bei der vierjährigen Stute "Saratoga" aus der Zucht ihres Vaters der Fall ist, die das Zeug dazu habe, in die Hufstapfen ihres derzeitigen Paradepferdes Salut zu treten. "Mit dem möchte ich noch zwei bis drei schöne Jahre im Dressurviereck erleben, um ihm dann einen guten Lebensabend bei uns zu schenken."

Die 28-Jährige hat als ebenso passable Springerreiterin gelernt, Hindernisse zu überwinden. Deswegen wird sie zielstrebig ihren weiteren Weg gehen - selbst wenn sich hierbei mal die eine oder andere Hürde in den Weg stellen sollte.