Assamstadt

40 Jahre Musikkapelle Assamstadt Mit einem bunten Konzert, welches das Publikum begeisterte, und vielen Episoden wurde in die Historie geblickt

Das rege Vereinsleben gekonnt in Szene gesetzt

Archivartikel

Ein halbes Jahr hatten sich die Aktiven der Musikkapelle nur auf diesen Abend vorbereitet. Mit einem Konzert wollten sie ihren 40. Geburtstag begehen.

Assamstadt. Die Zuschauer empfing eine liebevoll geschmückte Asmundhalle. Chronologisch führte eine Bildergeschichte auf Stellwänden durch die Musikgeschichte der Gemeinde – angefangen beim ersten Foto der Assamstadter Musikanten 1923 bis hin zum letzten Vorspielnachmittag. Dazwischen durften sich die Besucher einen Einblick ins Vereinsleben verschaffen: legendäre Auftritte, Ausflüge, Saisonabschlussfest „Happy Pommes“, Fahrradtouren, Schlachtschüsselessen, Kinderferienprogramm. Schaufensterpuppen trugen sämtliche Uniformen und Anzugsordnungen, die es gegeben hat. Sogar die alte Trommel der Gruppe „Edelweiß“ war ausgestellt. Sie war nach Jahrzehnten wieder in den Besitz der Musikkapelle zurückgekehrt, wo sie seit Jahren im Vereinsraum hängt.

Wer sich nun wundert, dass die Musikkapelle erst den 40. Geburtstag begeht, wurde aufgeklärt. Natürlich gab es bereits vor dem Gründungstag im Oktober 1978 eine Kapelle. Sie war jedoch in die Feuerwehr integriert. Unter Leitung ihres Dirigenten Peter Ruppert begann das Konzert mit dem Stück „Toccata in d-moll“ von Bach. Das klassisch für Kirchenorgel geschriebene Stück wurde in einer ausdrucksstarken Version für Blasorchester und E-Instrumente aufgeführt.

Rückblick mit Zeitstrahl

Die Moderatoren erklärten den Ablauf des musikalischen Abends anhand eines Zeitstrahls ab Beginn des Musizierens in Assamstadt bis heute. Wurden die Blasinstrumente in der Frühzeit aus der Kirche verbannt, sind sie dort heute ein gerngesehener Gast, um etwa Familiengottesdienste zu umrahmen.

Sogleich folgte ein Stilbruch mit dem Nummer-1-Hit „Rivers of Babylon“ von 1978, dem Gründungsjahr des eingetragenen Vereins.

Thilo Göbel und Manuel Stang führten gekonnt durch den Abend. Immer wieder sorgten sie für Lacher.

Eine Bilderkollage, die im Hintergrund lief, ließ das Publikum oft lauthals auflachen. Schnappschüsse aus Kindertagen und dem Vereinsleben wurden gekonnt in Szene gesetzt.

„Über 7 Brücken“, „Crazy little thing“ von Queen oder ein Medley der Band Pur erinnerte an die 80er Jahre. Aber auch die traditionelle Volksmusik kam nicht zu kurz. Mit den Stücken „Unsere Schönste“, „Böhmischer Traum“, „Sportpalast Polka“ und Apres-Ski-Hit „Dem Land Tirol die Treue“ kamen Fans der puren Blasmusik auf ihre Kosten.

Über die Musik in Assamstadt

Roman Stauch blickte vor die Zeit der Kapelle als eingetragener Verein zurück und hielt einen Rückblick über die Musik in Assamstadt. Die Vorsitzende Sylvia Deißler übernahm das Mikro ab 1978, als die Musikkapelle sich von der Feuerwehr abspaltete und sich als eingetragener Verein selbständig machte. Mit kleinen Anekdoten erinnerte sie an die verschiedensten vereinsgeschichtlich wichtigsten Daten.

Bei Bill Ramseys „Zuckerpuppe“, „Pigalle“ oder „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ wippten die Füße im Publikum und so mancher wünschte sich eine Tanzfläche zum schwofen.

Mit „Rock you like a hurricane“ von den Scorpions erinnerten die Moderatoren an die Zeit, als in der Musikkapelle auch die elektrischen Instrumente Einzug hielten. War man bis Anfang der 90er Jahre nur mit Blasinstrumenten unterwegs, fanden elektrische Gitarre, Bass und Keyboard in diesem Jahrzehnt den Weg in die Kapelle.

Nach der Pause eröffneten die Musikanten mit einem zehnminütigen Musical-Medley von Andrew Lloyd Webber die zweite Hälfte des Abends. Bürgermeister Joachim Döffinger ließ es sich nicht nehmen, der Musikkapelle in diesem Rahmen für ihr ehrenamtliches Engagement zu danken. Er überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde sowie eine Urkunde, die einen Ehrenplatz im Vereinsraum der Kapelle findet.

Familientradition

Mit dem Stück „Friend like me“ aus dem Musical Aladdin wurden Bernadette und Ludwig Leuser auf die Bühne gebeten. Sie bewirtschaften in Familientradition das Gasthaus „Zum Straußen“. Hier fanden bereits in den Anfängen der Musik- und Feuerwehrkapelle die Proben statt. Bis heute verbindet eine enge Freundschaft Verein und Wirtsleute, so ist es nicht verwunderlich, dass sich die Musiker nach jeder Probe dort noch zum Ausklang einfinden.

Ludwig Leuser erzählte von seinem Traum, den er vor Jahren hatte, wonach die Gasse hinter dem Wirtshaus und die dort renovierte Scheune für ein großes Vereinsfest die optimale Kulisse wäre. Zur gleichen Zeit waren die Musikanten auf der Suche nach einem neuen Konzept für ein Vereinsfest. Mit der Anfrage, die Gasse mit den Örtlichkeiten des Gasthauses zum 25. Geburtstag in ein Sommernachtsfest zu verwandeln, traf man ins Schwarze. Das Gassenfest war geboren.

Weiterer Höhepunkt

Ein weiterer musikalischer Höhepunkt war das irische „Simple Gifts“ – bekannt aus den legendären Tanzaufführungen „Lord oft he dance“ des Michael Flatley. Hier musste das Publikum bangen, ob die Musiker ihre Finger nach den rasanten Notenläufen wieder entwirren könnten. Natürlich gab es auch Hände zu schütteln, Ehrungen auszusprechen sowie Danke zu sagen. Allen voran galt dies den bis heute aktiv im Verein verbliebenen Musikern Arnold Nied, Herbert Deißler und Theo Scherer, der mit Ablauf des Jahres bereits 50 Jahre aktiv als Musiker der Kapelle die Treue hält. Ein Lob richtete der zweite Vorsitzende Roman Stauch auch an die Vereinsvorsitzende Sylvia Deißler, die dieses Amt nun schon seit 18 Jahre bekleidet.

Mit dem Hit „SOS“ wurde das Publikum an die Abba-Mania der 70er und 80er erinnerte, die heute dem Helene-Fischer-Fieber gewichen ist. Mit einem Medley deren größter Hits wurde das Publikum zum Mitsingen animiert.

Moderne Würze bekam der Abend mit den Stück „Let me entertain you“ von Robbi Williams, was den Musikern beim Proben schon so viel Freude bereitet hatte, dass Dirigent Peter Ruppert vorab forderte, jeder möge am Konzert doch nur halb so laut in sein Instrument blasen.

Auch dem verstorbenen Udo Jürgens, von dem die Musiker viele Lieder im Repertoire haben, wurde mit dem „Ehrenwerten Haus“ gedacht.

Ehrendirigent Hartmut Imhof durfte nicht fehlen. Er hatte dem Verein über 20 Jahre als Dirigent und zuvor als aktiver Musik zur Seite gestanden. Im Sommer 2012 verabschiedete er sich in den Musikerruhestand. Thilo Göbel erinnerte sich an die Zeit, als James Last die Proben der Assamstadter dominierte: „Happy Polka 1 - 3“, „Mit James im Happy Sound“, „Fliegermarsch“. Um an diese Zeit zu erinnern, hatten die Musiker die „Sportpalast“-Polka aus dem Archiv gekramt und den Ehrendirigenten gebeten, das Stück nochmals zu leiten. Den Abschluss bildeten vier Strophen der Hymne des „Badner Land“.

Lang, aber nicht langweilig

Nach dreieinhalb Stunden war das Ende erreicht. „Lang, aber nie langweilig“, so reagierte das Publikum. „Wer nicht dort war, hat was verpasst“, war die einstimmige Meinung.

Die Spendentuba wurde von den Besuchern rege gefüllt, was dem Vereinsleben zugutekommt, denn auch die Ausbildung der 15 Nachwuchsmusiker will gesichert sein. Insgesamt unterstützen den Verein momentan 44 Aktive und 103 passive Mitglieder. sydei