Assamstadt

Kabarett Rainer Schmidt war mit seinem aktuellen Programm „Däumchen drehen“ im Assamstadter Gemeindezentrum zu Gast

Schlagfertig, bisweilen nachdenklich

Archivartikel

Kabarettist Rainer Schmidt begeisterte im voll besetzten Gemeindezentrum St. Kilian mit seinem Bühnenprogramm „Däumchen drehen“ das Publikum.

Assamstadt. Aufgrund eines seltenen Gendefekts fehlen ihm beide Unterarme und sein rechter Unterschenkel ist etwa 25 Zentimeter kürzer. Als „unbetroffenster Betroffener“ begrüßte Schmidt die Gäste mit den Worten „Danke lieber Gott, dass ich nicht so langweilig aussehe, wie mein Publikum“.

Wild gestikulierend

Nachdem zuvor die Vorsitzende der kfd Assamstadt, Thea Hammel, die zahlreichen Gäste, „den schönsten Bürgermeister Baden-Württembergs“ und den Humoristen selbst willkommen geheißen hatte, erzählte Rainer Schmidt, wild gestikulierend, mit Schlagfertigkeit und Humor von der Dramatik seiner Geburt, von der Zeit in der Sonderschule und seinem Erwachsenwerden.

Lebhaft berichtete der Komiker von Situationen im Alltag und wie er der Unsicherheit anderer begegnet, in dem er zum Beispiel einmal im Monat im Kaufhof in Bonn, ohne Arme, nach Handschuhen verlange oder nach Nagellack frage. Bei den Zuschauern blieb bei diesen makabren Scherzen kein Auge trocken.

Publikum denkt nach

Mit Fragen, was eigentlich Behinderung bedeute, brachte der Kabarettist das Publikum zum Nachdenken und bezog es dadurch aktiv mit ein. Er stelle sich öfters die Frage, ob seine „normale“ Schwester nicht eher behindert sei als er selbst. Schmidt brachte mit seiner These „Wenn du gesund bist, wurdest du noch nicht oft genug untersucht“ alle wieder zum Lachen.

Laut Schmidt habe jeder Mensch seine Grenzen und natürlich sei er eingeschränkt, aber das gehe allen so.

Für ihn sei wichtig, mit den ihm gesetzten Grenzen und Fähigkeiten ein glückliches Leben zu führen. Mit seinen Hilfsmitteln, den „Hilfsmenschen“, leihe er sich oft einfach die Hände anderer. Das nachdenklich gewordene Publikum holte der evangelische Theologe gekonnt aus den „seelischen Nöten“, mit Sprüchen, wie: „Beim Kabarett schlafen weniger ein als wenn er von der Kanzel predigt und es gibt auch mehr Applaus.“

Am Ende gab der Pfarrer eine Kostprobe seines sportlichen Könnens als Tischtennisspieler (vierfacher Goldmedaillengewinner bei den Paralympics, mehrfacher Welt- und Europameister), bei der er den Kreisligaspieler Edgar Geißler besiegte.

Zum Thema „Inklusion“ meinte Schmidt, dass das schönste Gefühl für ihn sei, wenn seine Außergewöhnlichkeit für andere nicht mehr außergewöhnlich ist. Flapsig entließ er die begeisterten Zuschauer mit den Worten: „Ein Mensch ohne Macke, ist Kacke.“

Bei vielen Besuchern wird dieser unterhaltsame Abend sicherlich noch lange Zeit nachwirken und manche werden bewusster und dankbar schmunzelnd „ihre Däumchen drehen“. kawa/limö