Bad Mergentheim

Eiserne Hochzeit Christa und Günter Helmbold leben seit 1956 in Bad Mergentheim

65 Jahre gemeinsamer Weg

Bad Mergentheim.Das seltene Fest der eisernen Hochzeit feierten am gestrigen Mittwoch Christa und Günter Helmbold aus Bad Mergentheim. Bei guter Gesundheit konnte das Jubelpaar diesen Tag im Kreise ihrer Familie feiern.

Der gemeinsame Weg, so Günter Helmbold im Gespräch mit unserer Zeitung, war mit vielen Hürden und Stolpersteinen, aber auch mit Glück und Zuversicht bedeckt. Angefangen hat dieser Weg vor 65 Jahren am 4. Juli 1953 in der St. Andreaskirche in Eisleben (der Geburststadt des Jubelpaars), jener Kirche, in der Martin Luther vor seinem Tod die letzte Predigt hielt. 1955 fiel nach reiflicher Überlegung die Entscheidung, die DDR zu verlassen. Zunächst machte sich Günter Helmobld über Berlin auf den Weg, 14 Tage später folgte seine Frau Christa.

Erstes Ziel nach der Flucht war zunächst Markgröningen, mittel- und wohnungslos starten die beiden dort in ein neues Leben, den Unterhalt hierzu verdienten sie sich bei der Firma Salamander als Hilfsarbeiter. Der gelernte Kaufmann und Buchhalter fand jedoch schnell in Bad Mergentheim bei der Firma Elektro-Bopp eine neue Anstellung im Büro, nach einiger Zeit folgte der Wechsel zu Kranbau-Linke, wo sich Günter Helmbold schnell, mit Hilfe von Fernstudien als Kranbau-Ingenieur, zum Betriebsleiter emporarbeitete. 1974 wechselte er als kaufmännischer Leiter und Prokurist zur Firma Otto Carle.

Auch Christa Helmbold war von Beginn der Ehe an berufstätig: Obwohl sie einst in der DDR den Beruf der Krankenschwester erlernte, war sie im Westen hauptsächlich in der Gastronomie tätig – und das trotz ihrer beiden Kinder, die sie neben ihrer Arbeit liebevoll großzog. „Wir mussten uns von Anfang an alleine durchbeißen“, so Günter Helmbold, „aber es hat alles trotzdem wunderbar funktioniert“. Mittlerweile ist die Familie um zwei Enkel und sogar einen Urenkel angewachsen.

Neben seinem Beruf als Buchhalter bekleidete Günter Helmbold zahlreiche Ehrenämter: So war er 17 Jahre Präsident des 1. FC Igersheim, 15 Jahre Sitzungspräsident der „Lustigen Gesellen“ Bad Mergentheim und 39 Jahre Kreisschatzmeister der FDP Main-Tauber.

Seit 1992 dürfen die beiden Jubilare ihren wohlverdienten Ruhestand genießen, wobei Ruhestand bei Günter Helmbold eher unangebracht ist: Neben seiner kleinen grünen Idylle hinter dem Haus, in dem er Äpfel, Aprikosen, Stachelbeeren, Kirschen, Pfirsiche und Erdbeeren anbaut, beschäftigt er sich in seinem fortgeschrittenen Alter immer noch mit der neuen Technik: Mit einem Tablet hält er sich geistig frisch. Ein Ziel hat er jedoch noch: Er möchte seinen Urenkel, der im vergangenen Jahr auf die Welt kam, noch in die Schule begleiten: „Solange muss ich noch durchhalten!“

Oberbürgermeister Udo Glatthaar gratulierte dem Jubelpaar im Namen der Landesregierung und der Stadtverwaltung zur eisernen Hochzeit und überbrachte seine persönlichen Glückwünsche. Unsere Zeitung schließt sich diesen guten Wünschen an. bas