Bad Mergentheim

Eröffnungsturmblasen Stiftung der Fränkischen Nachrichten startet in die 64. Saison

Andächtige Stimmung zum Start

Archivartikel

Bei idealem Wetter ist das Turmblasen, eine Stiftung der Fränkischen Nachrichten, in die 64. Saison gestartet. Zahlreiche Zuhörer lauschten den teils getragenen, teils flotten Klängen der Stadtkapelle.

Bad Mergentheim. Erhaben schallten am Freitag „Der Mond ist aufgegangen“ beim Eröffnungsturmblasen über Bad Mergentheim. Im Wechsel spielten Bläser der Stadtkapelle im Schlossturm und auf dem Deutschordenplatz die bekannte Melodie von Johann Abraham Peter Schulz und das Publikum hörte andächtig zu. Mit diesen ersten Klängen aus der Höhe ging das Turmblasen, eine Stiftung der Fränkischen Nachrichten, in seine 64. Saison. 1954 war die liebgewonnene Tradition durch den damaligen Chefredakteur Fritz Behr ins Leben gerufen worden. Mindestens einmal im Monat spielt seitdem über Sommer ein Solotrompeter auf dem Turm. Beim Eröffnungsturmblasen lässt sogar ein Bläserquartett seine Instrumente aus der Höhe erschallen. In diesem Jahr bestand es aus Ruben Eras (Posaune), Dr. Bernhard Lange (Euphonium), dem seit 2014 als Solotrompeter wirkenden Maximilian Ortmeier und Uwe Kurz (ebenfalls Trompete).

Der Abend hatte mit einem Auftritt der Deutschorden-Compagnie und des Deutschmeister Spielmannszug in ihren der Zeit um 1760 nachempfundenen Uniformen begonnen. Nach dem Verlesen des Wachprotokolls und einem Salutschießen folgte der Einmarsch der Stadtkapelle.

Einstündiges Programm

Diese begann ihren Auftritt unter der Leitung von Hubert Holzner mit Rudolf Herzers Marsch „Hoch Heidecksburg“. Während des etwa einstündigen Programms präsentierten die Musiker eine anspruchsvolle Mischung von Stücken, die von getragenen Volksliedern über Walzer bis hin zu flottem Swing reichten.

Die schnelleren Stücke, wie etwa Werner Müllers „Blende auf“, wurden nur von der Stadtkapelle auf dem Deutschordenplatz vorgetragen. Dort ging Holzner auch auf aktuelle Bezüge ein, wie etwa bei einer Auswahl von Melodien aus dem Musical „West Side Story“. Dessen Komponist Leonard Bernstein wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.

Das Quartett auf dem Turm kam, im Wechsel mit den Bläsern auf dem Platz, vor allem bei getrageneren Stücken zum Einsatz. Meist spielten zuerst die Turmbläser, dann die Holzbläser auf dem Platz, dann wieder die Turmbläser und am Ende alle zusammen.

So vorgetragen wurde außer „Der Mond ist aufgegangen“ auch „Durchs Wiesental gang i jetzt na“ und „Wenn in Stiller Stunde“.

Immer wieder drehten sich die zwischen Turm und Stadtkapelle stehenden Zuhörer hin und her und versuchten, einen Blicke auf die gerade Spielenden zu erhaschen.

Die bedächtige Atmosphäre bei den ruhigeren Stücken wurde unter anderem dadurch deutlich, dass, obwohl sich alles im öffentlichen Raum abspielte, niemand redete. Vertreten waren im Publikum fast alle Altersklassen, vom Kind bis zum Senior. Sie alle verabschiedete die Stadtkapelle am Ende mit der passenden Zugabe „Guten Abend, gut’ Nacht“ von Johannes Brahms in eine milde Sommernacht.