Bad Mergentheim

Jazz im Schloss Am Samstag, 3. November, um 20 Uhr mit dem „Anke Helfrich & Angelika Niescier-Duo“ / Vom Publikum gefeiert

Atemberaubend spannend

Archivartikel

„Jazz im Schloss“ zum Vierten: Nachdem 2016 zwei Legenden zu Gast waren – Archie Shepp und Reggie Workman – , geht es nun direkt zu zwei prägenden Musikerinnen der Gegenwart.

Bad Mergentheim. Die Pianistin Anke Helfrich und die Altsaxophonistin Angelika Niescier, beide mit zahlreichen Preisen geehrt und von der Kritik gefeiert, zählen zu den herausragenden Musikerinnen und Komponistinnen der zeitgenössischen Szene. Als Leader in eigenen Bands sowie als Solistinnen in den Ensembles bekannter Kollegen konnte man sie in den letzten Jahren erleben.

Im Zusammenspiel der beiden entsteht eine geradezu atemraubende Spannung: Die Interpretation ihrer eigenen Stücke in minimalistischer Duo-Konstellation ist voller Überraschungen, dynamisch und ideenreich, überbordend und temperamentvoll. Am Samstag, 3. November, um 20 Uhr sind die beiden hautnah bei „Jazz im Schloss“ im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim zu erleben.

Anke Helfrich, die in Namibia und Weinheim aufwuchs, studierte in Hilversum sowie bei Kenny Barron und Larry Goldings in New York. Sie arbeitete u.a. mit Mark Turner, Roy Hargrove, Johnny Griffin, Tim Hagens und Nils Wogram. Stilistisch bewegt sie sich souverän zwischen Modern Jazz und Avantgarde, ihr Gespür für harmonische Spannungen und für rhythmische Komplexität, ihr melodischer Ideenreichtum zeugen zugleich von großem Traditionsbewusstsein.

Und wie man auf ihrem grandiosen Album „Dedication“ (2015) hören kann, hat sie neben einer distinkten ästhetischen auch eine von Offenheit und Toleranz geprägte politische Haltung.

Ebenso wie Helfrich hat sich auch Angelika Niescier in den vergangenen Jahren in die erste Riege nicht nur des deutschen, sondern des internationalen Jazz gespielt: In Stettin geboren, kam sie als Kind nach Deutschland, studierte an der Folkwanghochschule in Essen und spielte früh in eigenen Ensembles. Sie arbeitete u.a. mit Steve Swallow, Jim Black und Joachim Kühn. Für Aufsehen sorgte sie mit ihrem New Yorker Trio, dem Chris Tordini und Tyshawn Sorey angehören.

An ihrem Album „NYC Five“ wirkte entscheidend Florian Weber mit, der vor drei Jahren zusammen mit Lee Konitz zu Gast in Bad Mergentheim war. 2017 wurde die experimentierfreudige Angelika Niescier mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet.

Man sieht also: Ein Gipfeltreffen zweier bemerkenswerter Improvisatorinnen, ein Zusammentreffen von enormer Ausdruckskraft, radikaler Wucht, betörender Vielschichtigkeit. Man darf sich freuen. jis