Bad Mergentheim

„Liberales Forum“ Prof. Dr. Wolfgang Tittor referierte zum Thema „Was ist liberal, wo steht die FDP“

Auch Freiheit hat ihre Grenzen

Neunkirchen.Im Rahmen des „liberalen Forums“ fand eine Vortragsveranstaltung im Landgasthaus Rummler statt. Das Thema war „Was ist liberal, wo steht die FDP?“. Referiert hat das Mitglied des Ortsverbandes, Prof. Dr. Wolfgang Tittor, der zunächst die historische Entwicklung beleuchtete. Eine liberale Verfasstheit kenne man, bezogen auf die politische Historie, erst seit relativ kurzer Zeit. Die Begriffe entnehme man zwar der lateinischen Sprache und in der griechisch-klassischen Polis habe es sicher so etwas, wie eine liberale Gesellschaftsstruktur. Generell seien aber über Jahrhunderte, beziehungsweise Jahrtausende, obrigkeitliche Strukturen die Norm. Die Menschen waren eingebunden in ihren Stand und hatten nur wenig Spielraum für ein selbstbestimmtes Leben.

Gedanke setzte sich durch

Erst mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert und der französischen Revolution hätten sich in Europa allmählich „liberale“ Gedanken durchgesetzt – nicht immer ohne Blutvergießen, fügte Dr. Tittor hinzu. In Deutschland habe es – nach England und Frankreich – ziemlich lange gedauert. Die Weimarer Verfassung habe zwar allen Kriterien einer „liberalen“ Verfassung standgehalten. Aber sie habe die Macht der Feinde der liberalen Freiheitsrechte unterschätzt. Dazu im Gegensatz stehe die Verfassung der Bundesrepublik. Sie gewähre ein Maximum an individueller Freiheit und biete mehr Schutz gegen entgegengesetzte Bestrebungen. Aber Liberalismus heiße weder Beliebigkeit noch unendlicher Freiraum. Es gebe Grenzen der persönlichen Freiheit. Die höre dort auf, wo die Interessen anderer Menschen berührt sind. Viele Gesetze beschränkten unsere Freiheit ohne, dass man sich darüber beschwere. Auch gesellschaftliche Normen und Sitten, kodifiziert oder nicht kodifiziert, würden unseren Handlungsspielraum einengen. In der darauffolgenden lebhaften Diskussion kristallisierten sich mehrere Schwerpunkte heraus: Man war sich einig, dass eine „liberale“ Gesellschaft besser als jedes obrigkeitliche System in der Lage sei, Kreativität, Leistungsbereitschaft und Vielfalt zu entwickeln.

Dass dadurch auch soziale Auseinanderentwicklungen möglich seien, müsse hingenommen werden. Es sei daher für die Erhaltung einer freiheitlichen Verfassung von existenzieller Bedeutung, die – wechselnden – Bedrohungen der liberalen Verfassung rechtzeitig zu erkennen. fdp