Bad Mergentheim

Kurseelsorge Neues Veranstaltungsformat „Caféhaus-Plaudereien“ mit Pfarrerin Angelika Segl-Johannsen / Gertrud Zelinsky zu Gast

Aus der Not zu schreiben begonnen

Bad Mergentheim.Unter dem Titel „Caféhaus-Plaudereien“ wurde für Bürger und Kurgäste vom Kurpfarramt ein neues Veranstaltungsformat begründet. Im „Café Amadeus“ des Kurparks empfängt Kurpfarrerin Angelika Segl-Johannsen interessante Gäste zu einer Talkrunde: Menschen, die etwas zu erzählen haben, weil deren Leben eine unerwartete Wendung genommen hat.

Gast der ersten Veranstaltung war die Niederstettener Autorin Gertrud Zelinsky, die im Gespräch mit Pfarrerin Segl über Wendepunkte in ihrem Leben berichtete.

Nach einem eher unspektakulären Berufs- und Familienleben begann sie mit 50 Jahren – eigentlich aus der Not heraus – zu schreiben. Ihr Erstlingswerk „Kein Grund zur Panik“ beschäftigte sich mit den Wechseljahren. Weitere Bücher folgten: Erzählungen über Alltagsbegebenheiten, Impressionen und Gedanken, jeweils mit einem hohen autobiografischen Anteil.

Ein Grundmuster darin dürfte eine Zuversicht sein, die auch durch Krankheiten und Krisensituationen trägt. Durch Nachfragen animiert, bekamen die zahlreich erschienenen Besucher einen tieferen Einblick in Zelinskys Leben: ihre oberschwäbische Heimat, ihren familiären Hintergrund, ihre Auseinandersetzung mit der Institution Kirche, Krankheiten und Genesung oder ihre gewachsene Verwurzelung mit dem jetzigen Wohnort Niederstetten.

Dabei wurden oft überraschende Wendungen sichtbar. So hatte sie früher eine Katzenphobie, inzwischen hat sie sich zu einer Katzenliebhaberin entwickelt.

Obwohl nun, im Alter von 82 Jahren, Lesereisen oder Ehrenämter aufgegeben wurden („Mein Leben ist nicht mehr so getaktet“), arbeitet Gertrud Zelinsky schriftstellerisch weiter. Das passt zu ihrem Slogan, nicht zu sagen: „Wir werden immer älter“, sondern positiv zu erkennen: „Wir leben immer länger!“

Die Zuhörerschaft im Café Amadeus, überwiegend weiblich, erhielt einen Eindruck, was die Leserinnen Zelinskys so schätzen: ihren Optimismus, ihre Verbundenheit mit der Natur, ihre Direktheit.

Aber auch der Schreibstil ist leicht zugänglich. Die Autorin verriet, dass sie so schreibe, als würde sie einer Freundin etwas mündlich erzählen. In diesen Erzählfluss werden Sätze eingewoben, die durchaus als kleine Aphorismen zu schätzen sind („Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit“).

Nach dem Dialog mit der Gastgeberin stand die Autorin für weitere Nachfragen aus dem Publikum zur Verfügung. Umrahmt wurde diese gelungene Auftaktveranstaltung von mehreren Musikeinlagen des Kurorchester-Ensembles Hungarica. Zu den Nachfolgeterminen am 15. Juli und 16. September , jeweils um 19.30 Uhr im Café Amadeus, werden wieder interessante Persönlichkeiten kommen. uhe