Bad Mergentheim

Städtepartnerschaft Bad Mergentheimer Delegation besucht Digne-les-Bains / Fossilien und Lavendelkorso auf dem Programm / Austausch über Vergangenheit und Zukunft

Aus formalem Akt wurde gelebte Freundschaft

Vor gut 55 Jahren reiste die erste Bad Mergentheimer Delegation ins französische Digne-les-Bains. Nun hat sich wieder mal eine Gruppe in offizieller Funktion dorthin aufgemacht.

Bad Mergentheim/Digne-les-Bains. Die Bürgermeisterin der provenzalischen Stadt, Patricia Granet-Brunello, hatte zum traditionellen "Lavendelkorso" und einem Rahmenprogramm im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft eingeladen. Eine zehnköpfige Delegation um Oberbürgermeister Udo Glatthaar und Bernhard Gailing, den Gesamtvorsitzenden des Partnerschaftskomitees, war deshalb drei Tage lang in Digne-les-Bains unterwegs.

Historisch interessant

Die Verbindung ist historisch interessant, weil Bad Mergentheim und Digne-les-Bains ihre Partnerschaft bereits 1961 besiegelten - zwei Jahre vor dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, den Konrad Adenauer und Charles de Gaulle später unterzeichneten.

Wie die Verbundenheit die Menschen über Jahrzehnte geprägt hat, war eindrücklich zu erleben. So schildert Bernhard Gailing folgende Begegnung: "Ein älterer Herr, Jack Meurant, kam auf mich zu und erzählte, dass er sich an mich erinnere, denn er sei unter jenen Pfadfindern gewesen, die 1962 zum ersten Jugendaustausch zwischen Digne und Bad Mergentheim hier bei uns gewesen seien. Im Erlenbachtal hatten wir damals unser großes Zeltlager aufgeschlagen und Touren in die Umgebung unternommen."

Der Rundfunk hatte damals sogar einen Film über diese Begegnung gedreht - war sie doch eine der Ersten zwischen jungen Deutschen und Franzosen. Damit aber nicht genug: "Jack Meurant enteilte in einen Buchladen und kam mit einem von ihm geschriebenen Roman zurück, in dem er aus Begeisterung für unsere Stadt Passagen über sie und die Romantische Straße hat einfließen lassen", berichtet Bernhard Gailing.

Begegnungen wie diese zeigen, dass sich aus dem einst formalen Akt eine gelebte Freundschaft entwickelt hat - mit offiziellen Besuchen, Privatreisen zu persönlichen Kontakten, Gruppentreffen der Feuerwehren, Gesprächen auf Verwaltungsebene und Austauschprogrammen für Schüler. Vor Ort gab es unter anderem einen kleinen Rückblick auf die jüngsten gemeinsamen Aktionen - etwa das Projekt "Orangia", bei dem Kinder aus Bad Mergentheim, Digne und zwei weiteren Partnerstädten Bilder zu einer Geschichte gemalt haben. Daraus war eine internationale Ausstellung für das "grenzenlose" Heimattage-Programm und die Partnerstädte entstanden.

Austausch als gemeinsames Ziel

Oberbürgermeister Udo Glatthaar nutzte die Gespräche mit Amtskollegin Patricia Granet-Brunello, um den Schulaustausch als gemeinsames Ziel voranzubringen. "Zudem haben wir über die Vermittlung von europäischen Werten in den Schul- und Bildungssystemen gesprochen, weil beide Länder sich dem Problem der religiösen Radikalisierung vor allem junger Muslime gegenüber sehen", berichtet OB Glatthaar. Daneben ging es um die Wirtschaftsfördermöglichkeiten in den beiden Städten.

Lavendelmuseum besichtigt

Ausflüge führten in ein neues Lavendelmuseum und zu den großen, mehrere Millionen Jahre alten Fossilien-Vorkommen der Region. Den Lavendelkorso mit seinen farbenprächtigen Wagen sahen die Bad Mergentheimer als Ehrengäste.

Bei der Zusammenstellung der Delegation war darauf geachtet worden, dass vier Teilnehmer dabei waren, für die es der erste Besuch in Digne war, die aber in ihrem beruflichen und ehrenamtlichen Engagement mit kulturellen und wirtschaftlichen Themen zwischen den Partnerstädten befasst sind. stv