Bad Mergentheim

Soziales „Aktuell sind 27 stationäre Einrichtungen für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf in Betrieb“ / Neue Standards

„Ausreichend Pflegeheimplätze im Kreis“

Der demografische Wandel schlägt sich nicht zuletzt auch in der Notwendigkeit von ausreichend Plätzen in Pflegeheimen nieder. Wir hakten dazu nach.

Bad Mergentheim/Weikersheim. Die allermeisten Menschen würden ihre letzten Jahre allzu gerne daheim in ihrer gewohnten Umgebung verbringen. Allzu oft klappt das leider nicht und der Umzug ins Pflegeheim steht an. Gibt es denn bei uns im Landkreis auch genügend Plätze? Diese Frage stellten wir verschiedenen Verantwortlichen.

„Gute Situation in der Kurstadt“

Oberbürgermeister Udo Glatthaar ist zufrieden mit dem derzeitigen Angebot: „In Bad Mergentheim sind wir froh, dass eine Reihe angesehener Senioren- und Pflegeheime den Bedarf sehr gut abdecken, gerade auch vor dem Hintergrund der schmerzhaften Schließung unseres städtischen Alten- und Pflegeheims im Jahr 2014. Zudem sehen wir eine starke Aufwertung der Einrichtungen bei verschiedenen Trägern, um die bauliche Gestaltung auf moderne Anforderungen zu bringen und damit die Lebensqualität der Bewohner weiter zu verbessern.“

Besonders erfreut ist der Rathaus-Chef, dass an vielen Stellen private Investoren und freie Träger soziale Verantwortung für die Stadt übernehmen. „Das unterstützen wir mit großer Dankbarkeit.“

Nicht nur in Bad Mergentheim ist die Lage entspannt. Auch die Stadt Weikersheim ist laut Aussagen von Pressesprecherin Astrid Hackenbeck „gut aufgestellt“ und „hält ein ausreichendes Angebot vor“. Eine schon bestehende Einrichtung verfügt über 52 Plätze und ein sich gerade im Bau befindliches Haus bietet dann Platz für eine Wohngruppe für zwölf Personen (für Demenzkranke), 15 Tagespflegeplätze und 33 betreute Wohnplätze/Wohnungen. Bürgermeister Klaus Kornberger meint dazu: „Das Vertrauen der verschiedenen Betreiber ist außergewöhnlich und zeigt die Attraktivität des Standorts.“

Auch Creglingen sei auf einem guten Weg, ist zu erfahren. Da das bereits bestehende Pflegeheim nicht mehr den neuen gesetzlichen Bestimmungen entspricht, habe man reagiert und ein neues Heim sei nun in Planung. Silvia Rösch-Wildermann von der Stadt Creglingen sagt: „Das Bebauungsplanverfahren läuft gerade.“ Und weiter weiß sie zu berichten, dass das neue Heim über 44 Plätze verfügen wird und der Bedarf dann damit gedeckt sei.

Landratsamt ist zufrieden

Im Landratsamt Main-Tauber-Kreis hat man die Zahlen für den Gesamtkreis. Pressesprecher Frank Mittnacht berichtet: „Aktuell sind 27 stationäre Einrichtungen für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf im Main-Tauber-Kreis in Betrieb. Die Bettenanzahl (Dauer-/ eingestreute Kurzzeitpflegeplätze) beläuft sich nach den vorliegenden Versorgungsverträgen auf 1662.“ Dabei gebe es eine breite Streuung, was die Größe der Heime angeht. So verfüge das kleinste Haus aktuell über 21, das größte Haus hingegen über 142 Pflegebetten laut den Versorgungsverträgen. Die Bettenkapazität insgesamt blieb dabei in den letzten Jahren in etwa gleich.

Er führt weiter aus: „Durch Schließung älterer Einrichtungen und Neueröffnungen, natürlich nach heutigem baulichem Standard, aber auch durch strukturelle Maßnahmen in den bestehenden Einrichtungen hat sich die Anzahl der Einzelzimmer in den Einrichtungen innerhalb der letzten vier Jahre um rund 100 erhöht.“

Veränderte Anforderungen

Durch die Anforderungen der Landesheimbauverordnung wird sich diese Entwicklung auch in den nächsten Jahren fortsetzen und die Doppelzimmer werden sukzessive abgebaut. Auch Schließungen von Einrichtungen werden beziehungsweise wurden vorgenommen, weil Raum- beziehungsweise Zimmerstrukturen nicht mehr den aktuellen Anforderungen einer zeitgemäßen stationären Pflege entsprechen, es werde, so heißt es, dennoch aber nicht zu einer Verringerung der Gesamtkapazität kommen.

Für die Zukunft sieht der Landkreis den Bedarf an stationären Pflegeplätzen, auch mit Blick auf die demografische Entwicklung, ungebrochen hoch. Abschließend sagt Frank Mittnacht: „Mit den bekannten Planungen für neue Pflegeheime beziehungsweise Ersatzbauten an den Standorten Creglingen, Igersheim, Bad Mergentheim, Külsheim und Tauberbischofsheim wird sich die Zahl der Pflegeplätze voraussichtlich insgesamt in der Tendenz erhöhen.“

Auch beim Ministerium für Soziales und Integration in Stuttgart gibt man sich zufrieden. Claudia Krüger, stellvertretende Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, nennt weitere Zahlen: „In vier Dauerpflegeeinrichtungen werden außerdem insgesamt sieben solitäre Kurzzeitpflegeplätze angeboten. Zusätzlich stehen aktuell in fünf Einrichtungen sowie in fünf solitär betriebenen Tagespflegeeinrichtungen 132 Tagespflegeplätze zur Verfügung. Es stehen drei Senioren-Wohngemeinschaften, zwei davon mit jeweils zwölf Plätzen, eine mit zehn Plätzen, zur Verfügung. Im Dezember 2015 lebten 5349 pflegebedürftige Menschen im Main-Tauber-Kreis.“

Sie nennt auch die künftigen Schwerpunkte für das Ministerium: „In Baden-Württemberg wurde, auch dank der Pflegeheimförderung von 1996 bis 2010, eine ausreichende Zahl an stationären Pflegeplätzen geschaffen. Durch das Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz von 2014 sind nun auch alternative, ambulant betreute Wohnformen stark im Kommen. Zur Unterstützung pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen fördert das Land nun verstärkt den Ausbau qualitativ hochwertiger Kurzzeitpflegeplätze in einem Aktionsbündnis mit allen Beteiligten. Das ganz wichtige Thema Tagespflege wird seit Jahren vom Ministerium für Soziales und Integration im Innovationsprogramm Pflege gefördert.“

Auch die Politik und die Krankenkassen sehen den Main-Tauber-Kreis bei der Anzahl der Plätze in Pflegeheimen auf einem guten Weg. Anfang Juli dieses Jahres trafen sich der bisherige Betreuungsabgeordnete der FDP für den Main-Tauber-Kreis, Dr. Friedrich Bullinger, und die Geschäftsführerin der AOK Heilbronn-Franken, Michaela Lierheimer, in Schwäbisch Hall. Konkret ging es um die Pflegesituation in den Landkreisen Schwäbisch Hall und im Main-Tauber-Kreis.

Der Landtagsabgeordnete hatte Ende vergangenen Jahres eine „kleine Anfrage“ an die Landesregierung gerichtet. So hatte er auch aktuelles Zahlenmaterial bei der Hand, als er die größte Pflegekasse der Region besuchte, um dort Erfahrungen auszutauschen und weitere Informationen zu bekommen.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes stellte sich 2015 im Main-Tauber-Kreis die Auslastung der Pflegeeinrichtungen wie folgt dar: Vollstationäre Pflege 89,5 Prozent, vollstationäre Dauerpflege 83,6 Prozent und Tagespflege 174,6 Prozent. Seitens der AOK heißt es dazu: „Die Rückmeldungen unserer Versicherten zeigen uns, dass die Bedarfe der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen aktuell auf einem guten Niveau bedient werden“, erläuterte Michaela Lierheimer.

Fachkräfte fehlen

Allerdings gibt es ein Problem, das beide, den Abgeordneten und die AOK-Geschäftsführerin, sehr beschäftigt: der Fachkräftemangel, der auch in unserer Region zu spüren sei. Einig ist man sich, dass die Pflegeberufe dringend noch mehr öffentliche Wertschätzung verdienen und dadurch die Attraktivität des Berufsbildes verbessert werde. Hier sieht die AOK-Geschäftsführerin Anzeichen für eine positive Entwicklung: „In den letzten Jahren hat die Zahl der Auszubildenden in der Branche leicht zugenommen. Diesen Trend müssen wir weiter fördern.“