Bad Mergentheim

Amtsgericht Bad Mergentheim Drei Männer aus Sachsen-Anhalt und Thüringen auf der Anklagebank / Verhandlung wird nächste Woche fortgesetzt

Bandendiebstahl und Verfolgungsjagd

Bandendiebstahl, Einbruch, Autoaufbruch, Fahren unter Drogeneinfluss, Straßenverkehrsgefährdung. Für eine Liste von Straftaten muss sich ein Trio vor dem Amtsgericht verantworten.

Bad Mergentheim. Auf den ersten Blick scheint die Sache klar zu sein, zumindest nach Überzeugung des Staatsanwalts: Drei Männer aus Halle und Eisenach, die schon einiges auf dem Kerbholz haben, machen letzten Oktober eine Spritztour in den Main-Tauber-Kreis: die Stiefmutter einer der Männer wohnt in Külsheim. Doch die Fahrt dient nicht dem Verwandtenbesuch.

Erst spähen sie das Café „Carpe Diem“ in Tauberbischofsheim als mögliches Einbruchsziel aus, brechen in Külsheim Autos auf und lassen dort und in Dörzbach diverse Nummernschilder mitgehen, um ihre Identität zu verschleiern.

Nachts dann schlagen sie an verschiedenen Orten zu. In besagtem Café in Tauberbischofsheim, wo sie unter anderem die Trinkgeldkassen der Bedienungen mit 800 Euro darin stehlen sowie bei der Firma „HDS Ventilatoren und Lüfter“ in Dörzbach. Bei der dortigen Bäckerei „Kirchenbäck“ bleibt es beim Einbruchsversuch, denn sie werden vom Inhaber gestört, der nachts zum Arbeiten kommt. Zufällig geraten sie dann am Bad Mergentheimer Herrenwiesel-Kreisel in Richtung Edelfingen in eine Verkehrskontrolle, der sie sich aber durch eine halsbrecherische und ausgedehnte Verfolgungsjagd mit der Polizei zu entziehen versuchen.

Bis zu fünf Streifenwagen von den Revieren Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim verfolgen das Trio auf seinem Fluchtweg nach Tauberbischofsheim und wieder zurück. Zwischenzeitlich fahren sie sogar in entgegengesetzer Richtung auf die A 81 auf, verlassen die Autobahn aber gleich wieder.

Auf einem Feldweg zwischen Unter- und Oberbalbach ist dann Schluss: als der Weg im Nichts endet, geben die Drei auf. Die Handschellen klicken. Seitdem sitzen die drei Männer, ein 35-jähriger Trockenbauer und Maler, ein 37-jähriger Arbeitsloser ohne Berufsausbildung und ein 29-jähriger Koch, allesamt ledig, in Haft. Am Montag mussten sie sich vor einem Bad Mergentheimer Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Susanne Friedl verantworten. Vor allem wegen schweren Bandendiebstahls und Einbruchs, aber auch wegen Diebstahls von Kennzeichen, Urkundenfälschung, Fahrens ohne Führerschein und ohne Haftpflichtversicherung, Fahrens unter Drogeneinfluss, Drogenbesitz, Straßenverkehrsgefährdung und einigem mehr. Am Freitag nächster Woche wird die am Montag begonnene Verhandlung fortgesetzt. Auch dadurch, dass es überhaupt noch einen Fortsetzungstermin gibt, wird deutlich: So einfach, wie sich der geschilderte Fall auf den ersten Blick anlässt, ist er nicht.

Denn die drei Männer sind nur teilgeständig und auch größtenteils nicht bereit, auszusagen. Sie geben zwar zu, Kennzeichen gestohlen zu haben und vor der Polizei geflüchtet zu sein – was ja auch augenscheinlich ist. Ursache hierfür sei allerdings die Drogenabhängigkeit, unter der alle drei leiden: So wurden im Blut des Fahrers Amphetamin und Methamphetamin, also „Speed“ und „Crystal Meth“, nachgewiesen. Von Bandendiebstahl – der mit sechs Monaten bis zu zehn Jahren Haft bestraft wird – so beharren alle drei, könne jedoch nicht die Rede sein, auch wenn die Polizei im Auto Diebesgut findet. Fragen dazu will keiner beantworten, wie sie von ihren Rechtsanwälten erklären lassen und sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berufen. Das macht die Verhandlung zu einer äußerst zähen Angelegenheit. Staatsanwaltschaft und Gericht reihen mühevoll Indiz an Indiz, die drei Verteidiger wiederum versuchen, die Aussagen der Zeugen und die vorgelegten Beweise in Zweifel zu ziehen.

Zehn Zeugen – vornehmlich Polizeibeamte – wurden am Montag gehört, am Freitag nächster Woche kommen dann noch einmal vier. Die Kernfrage, die sich am Schluss herauskristallisierte, ist die, ob die drei wirklich als Bande fungiert haben, die fortgesetzt Diebstähle oder Einbrüche begangen hat. Dabei spielt besonders der Einbruch in die Dörzbacher Firma eine Rolle: Zwar wurde in der Hosentasche des angeklagten Fluchtfahrzeug-Fahrers ein Schlüssel gefunden, der in das Schloss eines Stromschaltkastens der Firma HDS passte – und dort seit dem Einbruch vermisst wurde.

Doch: ist der die bei dem Angeklagten gefundene mit dem gestohlenen Schlüssel auch wirklich identisch? Diese Frage der Verteidiger bewog Richterin Friedl, hierzu nochmals drei Zeugen zu hören.

Außerdem will man mit Hilfe eines IT-Spezialisten die Sprachnachrichten auf den Handys der Angeklagten abhören. Darauf soll es laut des bearbeitenden Kripobeamten Hinweise auf die Bandenaktivität der Drei geben.