Bad Mergentheim

Liberales Forum Die Auswirkungen der Digitalisierung in der Steuerberatung

Beratung wird noch wichtiger

Archivartikel

Bad Mergentheim.Beim „liberalen Forum“ des FDP-Ortsverbandes im Landgasthaus Rummler in Neunkirchen lautete das Thema „Die Auswirkungen der Digitalisierung in der Steuerberatung“.

Der Referent des Abends war Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Fabian Bertsch aus Bad Mergentheim. Der Referent umriss zunächst die Bedeutung der Digitalisierung, die bei aller Zweischneidigkeit in der Zukunft nicht mehr wegzudenken sein werde.

Die Digitalisierung werde verschiedene Mega-Trends bewirken, nämlich die Algorithmisierung, das heißt mathematisch vernetzte Daten bestimmen, welche Informationen der einzelne Bürger bekommt. Die digitale Vernetzung werde Innovationen potenzieren und neue Möglichkeiten schaffen, die Welt nach dem menschlichen Willen zu gestalten – von der Selbstoptimierung bis zum Designerbaby, so der Referent.

Gleichzeitig werde die Welt fragmentiert, jeder finde alles, was er suche und blende gleichzeitig alles aus, was ihn nicht interessiere. Es bilden sich so genannte digitale Parallelgesellschaften. Als Gegentrend zur digitalen Welt sei, so Bertsch, eine Rückbesinnung auf die vertraute Region, auf „Heimat“ und regionale Produkte zu erkennen. Doch die Zukunft sei unausweichlich digital. Das bedeute: Alles, was sich digitalisieren lässt, wird digitalisiert. Alles, was digitalisiert ist, lässt sich vernetzen. Alles, was sich vernetzen lässt, lässt sich automatisieren.

In der Steuerberatung lässt sich beispielsweise der Prozess der Buchführung bereits heute vollständig digital abbilden. Es beginnt bei der elektronischen Erfassung und Bereitstellung der Daten und Belege im Unternehmen des Mandanten. Auch Banken und andere Zahlungsdienstleister stellen Konten- und Zahlungsbewegungen bereits überwiegend digital zur Verfügung.

Über Schnittstellen können diese in das Datenverarbeitungssystem des Steuerberaters übernommen werden. Über intelligente Systeme werden die Daten ausgelesen, anschließend von Fachkräften in der Kanzlei bearbeitet, interpretiert und bewertet. Die jeweiligen Ergebnisse bzw. Auswertungen werden wieder rein elektronisch den Mandaten, dem Finanzamt oder Banken und Behörden zur Verfügung gestellt. Zurzeit arbeiten alle Seiten daran, sich noch stärker miteinander zu vernetzen.

Die nächste Stufe zur kompletten Automatisierung des Buchführungsprozesses ist noch nicht ganz genommen, allerdings sei der Weg dahin nicht mehr weit, so der Redner. Die digitale Entwicklung verändert die Tätigkeit in der Steuerberatung rasant. Stellen bisher noch Routinetätigkeiten die überwiegenden Tätigkeiten in den Steuerkanzleien dar, wird zukünftig noch mehr die Beratung des Mandanten in den Mittelpunkt rücken. Der Bedarf an Interpretation- und Entscheidungshilfen sowie die operative und strategische Begleitung der Mandanten bei der Umsetzung von Geschäftsprozessen werde zunehmen. Auch werden Netzwerke innerhalb der Branche eine noch größere Bedeutung erhalten, um Mandanten optimal versorgen zu können. Der Referent sprach in diesem Zusammenhang vom „Hausarztmodell“, wobei die IT-gestützte Auswertung der Daten die schnelle Erkennung von Schwachstellen im Unternehmen ermöglicht und damit die eventuelle Einschaltung von „Fachspezialisten“ beziehungsweise die Ergreifung schnell wirkender Gegenmaßnahmen. Neue Herausforderungen in den Kanzleien zeichnen sich in den Bereichen Marketing, digitale Prozessoptimierung, Wissensmanagement und der Datensicherheit ab.

In der anschließenden Diskussion wurden zahlreiche Fragen vertieft.