Bad Mergentheim

Vortrag Fair-Trade-Aktivistin sprach über exotische Gewürze und Hintergründe des fairen Handels / Organisationen unterstützen Produzenten vor Ort

Bildung als Schlüssel zu einer besseren Zukunft

Archivartikel

Bad Mergentheim.Bei einer Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung im Dekanat Mergentheim (keb) und des Weltladens Bad Mergentheim stellte Martina Leistl, Mitarbeiterin des Fairhandelshauses „el puente“, im Mariensaal des katholischen Gemeindehauses rund 40 Zuhörern Gewürze von deren unbekannter Seite vor. Leistl gab einen Überblick über die Geschichte von Gewürzen. Durch Alexander den Großen, der im vierten Jahrhundert das Persische Weltreich eroberte, gelangten erstmals Gewürze aus Indien nach Europa. Dann kamen sie auf dem Seeweg nach Venedig und Genua, von dort auf dem Landweg über die Alpen. Später brachten Niederländer und Portugiesen kostbare Gewürze nach Europa.

Nur aus Pflanzen

Gewürze werden ausschließlich aus Pflanzen gewonnen, von den Kräutern unterscheidet sie der Teil der Pflanzen, die dafür verwendet werden. Salz ist also genau genommen kein Gewürz. Denn Salz kommt aus dem Meer oder aus Stein. Trotzdem wird es oft zu den Gewürzen gezählt. Gewürze können Speisen haltbar machen. Und sie dienen der Gesundheit, indem sie den Stoffwechsel und die Aktivität einzelner Organe anregen. Unter den meistimportierten Gewürzen liegt der Pfeffer mit 27 000 Tonnen pro Jahr in Deutschland an erster Stelle, gefolgt von Paprika und Ingwer. Aber auch Gewürzmischungen wie das orientalische Za’atar bereichern heute die Küche. Dann sprach Leistl über fairen Handel. Als Beispiel griff sie „Fair Trade Lebanon“ heraus, eine Handelsorganisation, die die Handelsbedingungen für Produzenten im Libanon verbessern will. Der Libanon mit seinen rund 4,5 Millionen Einwohnern ist vielfach gespalten. Viele religiöse Gruppen stehen einander gegenüber. Hinter dem Land liegt ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg, nun hat es außerdem mit einer Flüchtlingswelle aus Syrien zu kämpfen. Hinzu kommen bürokratische und politische Hindernisse beim Export von Waren aus dem Libanon und bei deren Einfuhr nach Europa. „Fair Trade Lebanon“ engagiert sich für die Interessen libanesischer Produzenten.

Als Beispiel für die Produktion im Libanon beschrieb Leistl die Salzgewinnung. In Becken wird Meerwasser etwa zehn Zentimeter hoch auflaufen gelassen. Dann verdunstet das Wasser und es bildet sich eine Salzkruste. Weht der Wind vom Land, so bildet sich eine spezielle, feine Körnung, die als „Fleur de Sel“ angeboten wird. Weht er vom Meer her, so ist die Kruste grobkörnig, und das Salz ist für die Mühle geeignet.

Neue Perspektive

„Fair Trade Lebanon“ vertritt heute 22 Kooperativen und über 850 Produzenten, die durch den fairen Handel eine ganz neue Lebensperspektive in dem zerrissenen Land gewonnen haben. „Turqle Trading“, eine Fair-Handelsorganisation, die 1996 in Südafrika gegründet wurde, möchte dort Arbeitsplätze in der Produktion schaffen. Sie arbeitet mit lokalen Produzentengruppen zusammen. In kleinen Betrieben in Kapstadt und Umgebung werden beispielsweise Saucen, Dips, Salsas und Tapenaden hergestellt. Ziel ist es, Wertschöpfung, Produktentwicklung und Vernetzung der Produzenten gezielt zu stärken. Leistl nannte hierzu beeindruckende Zahlen: „Wenn wir einen Streuer, der vier Euro kostet, hier in Deutschland mit fair gehandelten Gewürzen befüllen, finden 3,63 Euro der Wertschöpfung bei uns statt und nur der Rest im Herkunftsland der Gewürze. Wird der Streuer in Südafrika hergestellt und befüllt, sind es nur noch 1,94 Euro.“

„Turqle Trading“ investiert seine Gewinne in Bildung. Die meisten Schulen in Südafrika sind laut Leistl sehr schlecht. Damit Eltern ihre Kinder auf bessere Schulen schicken können, müssen sie Schulgeld bezahlen. „Turqle Trading“ gibt Zuschüsse, übernimmt Schulgeld und gewährt Stipendien. Denn Bildung ist der Schlüssel zu einer besseren Zukunft. Nach dem Vortrag gab es noch eine Diskussion. Dann konnten die Besucher noch von Mitarbeiterinnen des Bad Mergentheimer Weltladens vorbereitete Köstlichkeiten mit exotischen Gewürzen aus fairem Handel probieren. WLV