Bad Mergentheim

Literatur im Schloss Jan Wagner liest am Mittwoch, 11. April

Der „beste Lyriker seiner Generation“

Bad Mergentheim.Kaum ein Lyriker erreicht ein solch großes Publikum, kaum ein Autor versteht es so gut, den Formenreichtum des Gedichts in die Gegenwart zu holen: Jan Wagner „ist der beste Lyriker seiner Generation und eine der stärksten und originellsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“, schrieb Christopher Schmidt in der Süddeutschen Zeitung.

Nun wird der mit seinem Band „Regentonnenvariationen“ bereits zum Klassiker gewordene Jan Wagner bei „Literatur im Schloss“ zu Gast sein. Die Lesung am Mittwoch, 11. April, im Deutschordensmuseum, beginnt um 19.30 Uhr und wird moderiert von Beatrice Faßbender.

Die Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt hat im Herbst des vergangenen Jahres dem 46-jährigen Jan Wagner die höchste Literaturehrung des Landes verliehen: den Georg-Büchner-Preis. Die Begründung für diese Wahl war so konzis wie einleuchtend: In seinen Gedichten vereine Wagner „spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung“.

Er stehe im Dialog mit großen lyrischen Traditionen. Und doch seien seine Gedichte ganz und gar gegenwärtig. „In neugierigen, sensiblen Erkundungen des Kleinen und Einzelnen, mit einer wachen Aufmerksamkeit für die Phänomene der Lebens- wie der Zeitgeschichte schärft seine poetische Sprachkunst unser Denken und unsere Wahrnehmung der Welt.“

Und sein Laudator, kein geringerer als Aris Fioretos, der vor gut einem Jahr in Bad Mergentheim zu Gast war, fügte bei der Preisverleihung hinzu: „Großzügig streut er (…) präzise Beobachtungen, sorgsam balancierte Gefühle, zarte Einsichten, denen nicht selten ein diskreter Humor abgewonnen wird.“ Jan Wagner ist unter den Autoren seiner Generation ein Phänomen: Wenige Lyriker nämlich finden heraus aus der kleinen Szene Eingeweihter. Seine Gedichte aber wissen zu verzaubern. Sie sprechen zwar vom Kleinen, aber das auf bestechende Weise: sinnlich, ergreifend, mitreißend. Es war eine kleine Sensation, als Jan Wagner vor drei Jahren für seinen Band „Regentonnenvariationen“ mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet wurde - und damit zum bekanntesten Lyriker seiner Generation wurde.

Der in Hamburg geborene, in Berlin lebende Autor ist kein Traditionalist im strengen Sinn; aber er weiß um das Erbe, auf dem jede Literatur aufbaut. So verwundert es nicht, dass er vor kurzem zusammen mit Tristan Marquardt einen prächtigen Band mit Minnelyrik herausgegeben hat. Sein Blick schweift im übrigen nicht nur zurück, sondern auch über Grenzen hinweg: Seine Übersetzungen aus dem Englischen sind herrliche, einfühlsame Nachdichtungen. Und auch als Essayist zeigt sich die Kunst Jan Wagners: Zuletzt erschien 2017 „Der verschlossene Raum“ mit „beiläufiger Prosa“.