Bad Mergentheim

Literatur im Schloss Hinrich Schmidt-Henkel und Frank Heibert inszenieren „Stilübungen“

Diabolisch hintersinniges Werk

Archivartikel

Bad Mergentheim.Performance, Stilkunde, Übersetzungskunst und Sprachfeuerwerk in einem: Die beiden renommierten Übersetzer Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel präsentieren am Mittwoch, 16. Mai, bei „Literatur im Schloss“ ihre Neuübertragung von Raymond Queneaus „Stilübungen“. Beginn im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim ist um 19.30 Uhr.

Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel zählen zu den bedeutendsten Übersetzern des Landes. Frank Heibert hat etwa Don DeLillo, Richard Ford, Amos Oz, William Faulkner und Boris Vian ins Deutsche gebracht; Hinrich Schmidt-Henkel so namhafte Autoren wie Michel Houellebecq, Jean Echenoz, Yasmina Reza, Jon Fosse und Henrik Ibsen. Die beiden bewegen sich leichtfüßig in verschiedenen Sprachen, und vor kurzem haben sie sich zusammengetan, um Raymond Queneaus legendäre „Stilübungen“ neu zu übersetzen. Der französische Schriftsteller Queneau (1903 – 1976), der mit „Zazie in der Metro“ berühmt wurde, hat mit den „Stilübungen“ ein faszinierendes Sprachexperiment geschaffen: In einem Pariser Bus der Linie S beschimpft ein junger Mann mit Hut einen älteren Herrn, setzt sich dann auf einen freien Platz und taucht zwei Stunden später an der Gare Saint-Lazare wieder auf, wo einer ihm sagt, sein Überzieher habe einen Knopf zu wenig.

Die Stilübungen bilden das Kunststück, diese Alltagsepisode in über hundert Varianten zu präsentieren – ob als Komödie, Sonett, Haiku, Traum, Amtsschreiben oder Verhör, in Alexandrinern oder Jugendstil, ob kulinarisch, mengenmathematisch, lautmalerisch, weiblich oder reaktionär. Raymond Queneaus populärer Klassiker ist ein fintenreiches Sprachspiel und ein überbordendes Lesevergnügen. Ein geradezu diabolisch hintersinniges Buch. Und genauso hintersinnig, lustig, unterhaltsam und klug ist die Performance der beiden Übersetzer und Vorleser Hinrich Schmidt-Henkel und Frank Heibert.

Das Besondere an diesem Abend: Man hat nicht nur das Vergnügen, die Inszenierung eines höchst vergnüglichen Stücks Literatur zu erleben.

Man erfährt auch einiges über die Kunst des Übersetzens, denn Schmidt-Henkel und Heibert werden ganz en passant ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Für die Übertragung der „Stilübungen“ wurden die beiden übrigens kürzlich mit dem Straelener Übersetzerpreis ausgezeichnet, einem der wichtigsten Preise für literarische Übersetzer.

Karten für die Lese-Performance mit Hinrich Schmidt-Henkel und Frank Heibert am Mittwoch, 16. Mai um 19.30 Uhr bei „Literatur im Schloss“ sind wie üblich (vergünstigt) im Vorverkauf bei der mitveranstaltenden Buchhandlung Moritz und Lux in Bad Mergentheim (Telefon 07931 / 51088) und Lauda sowie an der Kasse des Deutschordensmuseums erhältlich.