Bad Mergentheim

CDU-Wirtschaftsrat, Sektion Main-Tauber Vortragsabend im Reinhold-Würth-Haus / Schutz vor Cyber-Angriffen / Hilfe für Unternehmer

Die absolute Sicherheit gibt es nicht

Bad Mergentheim.Sechs von zehn Unternehmen sehen ihre Betriebsabläufe durch Cyber-Angriffe gefährdet. Knapp 70 Prozent der Unternehmen und Institutionen in der Bundesrepublik Deutschland sind in den Jahren 2016/17 Opfer von Cyber-Angriffen geworden. In knapp der Hälfte der Fälle waren die Angreifer erfolgreich und konnten sich zum Beispiel Zugang zu IT-Systemen verschaffen, die Funktionsweise von IT-Systemen beeinflussen oder Internet-Auftritte von Firmen manipulieren.

Jeder zweite erfolgreiche Angriff führte dabei zu Produktions- beziehungsweise Betriebsausfällen. Hinzu kamen häufig noch die Kosten für die Aufklärung der Vorfälle und die Wiederherstellung der IT-Systeme sowie Reputationsschäden. Die geschätzten Kosten durch Cyberkriminalität alleine für die deutsche Wirtschaft lagen im Jahr 2015 bei über 53 Milliarden Euro. Dies geht aus der Cyber-Sicherheits-Umfrage 2017 hervor, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Rahmen der Allianz für Cyber-Sicherheit durchgeführt hat und an der etwa 900 Unternehmen und Institutionen teilnahmen.

Trojaner „Wanna Cry“

Die Wirtschaftskriminalität per Datenklau ist also ein wichtiges Thema für Produktionsbetriebe und Mittelständler: Nicht erst seit dem Trojaner „Wanna Cry“ stellt Cyberkriminalität die Bedrohung unserer zunehmend digitalisierten Welt dar und die Risiken eines Schadensfalls steigen kontinuierlich an. Doch wie können sich Unternehmen vor etwas schützen, das die Mitarbeiter gar nicht richtig verstehen? IT-Sicherheit sollte daher Chefsache sein, empfehlen die IT-Fachleute. Um den Betriebsinhabern der Region Main-Tauber eine Hilfestellung zugeben, wie sie sich vor lästigen E-Mail-Angriffen, Handlungsunfähigkeit, Datenklau, Erpressung oder Spionage schützen können, veranstaltete der Wirtschaftsrat der CDU, Sektion Main-Tauber, im Reinhold-Würth-Haus in Bad Mergentheim einen Informationsabend zum Thema „Cyber-Security: So schützen Sie sich effektiv vor Angriffen“.

Mit den beiden Datenschutzprofis Markus Klingspor und Götz Weinmann von der Thinking Objects GmbH aus Korntal, hatte der Wirtschaftsrat zwei kompetente Experten zum Vortragsabend nach Bad Mergentheim geholt, zu dem die Sektionssprecherin Petra Jouaux auch MdB Alois Gerig und den Hausherrn, Armin Rother von der Würth Industrie Service GmbH begrüßen konnte.

Wo liegen die Kronjuwelen?

Eine absolute Sicherheit vor Cyber-Angriffen gibt es nicht, wie die beiden Referenten ohne Umschweife einräumten. Wichtig sei es aber für den Betriebsinhaber, zu wissen, „wo seine Kronjuwelen sind und wie er sie beschützen will“, denn der Angreifer bewege sich im Verborgenen und sei mit rein technischen Mitteln nur schwer oder gar nicht auszuschalten. Wichtig sei auch die Erkenntnis, dass für die ganzheitliche Informationssicherheit der Faktor Mensch eine große Bedeutung habe. So empfehlen sie regelmäßige Schulungen zu den Fragen der Cyber-Sicherheit. Wirkungsvolle Maßnahmen sind auch die Segmentierung oder Minimierung von Netzübergängen, um die Netze abzusichern, oder Maßnahmen zur Abwehr von Schadprogrammen. Wer den Basisschutz umsetzt, kann nach Aussagen der beiden IT-Experten 80 Prozent aller Schadensvorfälle verhindern.

Folgende Punkte sollten dabei beachtet werden: Informationssicherheit muss zur Chefsache erklärt werden und mit den entsprechenden Richtlinien schriftlich dokumentiert sein. Anwender sollten regelmäßig geschult werden. Ein Überwachen (Monitoring) der Netzwerke und Systeme ist wichtig. Prozesse für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen sollten etabliert werden. Netzwerke sollten segmentiert werden, Zugangsberechtigungen überwacht und gesteuert werden. Vorgaben zur sicheren Konfiguration und Updates sollten getroffen, und ein Schutz vor Malware installiert werden. Die Nutzung von Wechseldatenträgern sollte überwacht werden. Außerdem ist es hilfreich, Strategien für sicheres mobiles Arbeiten und Heimarbeitsplätze zu entwickeln.