Bad Mergentheim

„Teller statt Tonne“ Veranstaltung im evangelischen Gemeindezentrum macht mit Vier-Gänge-Menü auf Verschwendung aufmerksam

Die Zutaten wären fast im Müll gelandet

Bad Mergentheim.„Teller statt Tonne“ lautete das Thema eines Festmenüs der ganz speziellen Art und für einen guten Zweck im Evangelischen Gemeindezentrum in Bad Mergentheim. Zu dem Festessen, das seit 2012 heuer zum vierten Mal veranstaltet wurde, hatten die Naturschutzgruppe (NSG) Taubergrund und die Evangelische Kirchengemeinde unter Federführung des gemeindlichen Umweltteams „Grüner Gockel“ geladen.

Die Besonderheit war erneut, dass das Dinner im komplett ausverkauften Albert-Schweizer-Saal zu erheblichen Teilen mit Zutaten kreiert wurde, die zum Wegwerfen vorgesehen waren. Aus ihnen bereitete das Kochteam mit Vlado Simic, Sebastian Bauer und Tobias Fink von „Delikat Fine Catering“ aus dem Bad Mergentheimer Mittelstandszentrum ehrenamtlich ein vielfältiges und äußerst köstliches Vier-Gänge-Menü für die etwa 110 Gäste zu.

Unterstützt wurden die drei Profiköche von Helfern des Umweltteams und der evangelischen Kirchengemeinde. Bedient wurde die Gästeschar von zehn Konfirmanden. Zudem hatten Schüler der Beruflichen Schule für Ernährung, Pflege, Erziehung (EPE) für eine festliche Dekoration der Tischreihen gesorgt. Der Wein wurde auch in diesem Jahr wieder von den Weingärtnern Markelsheim gestiftet.

Der Erlös des Festmahls und des Getränkeverkaufs kommen wie in den Vorjahren der Mergentheimer Tafel zugute.

Kurzes Tischgebet

„Eigentlich sollten wir nur von Früchten leben, die da sind“, gab Gemeindepfarrerin Regina Korn in Anlehnung an das Thema des vormittäglichen Erntedank-Gottesdienstes sowie im Sinne des Abendmottos „Teller statt Tonne“ zu bedenken. Die Ernte sei zwar heuer wegen der langen Trockenheit erheblich geringer als in anderen Jahren, allerdings dennoch reichlich gewesen, meinte sie vor einem kurzen Tischgebet.

„Die Lebensmittel, die heute verwendet wurden, wären fast in der Tonne gelandet“, unterstrich Anne Rauscher, Vorsitzende des Fördervereins der Bad Mergentheimer Tafel. Aufgrund verbesserter Einkaufsmöglichkeiten und Logistik müssten die Händler zwar weniger Ware wegwerfen, allerdings habe dadurch die Anzahl der Lebensmittelspenden an die Tafel abgenommen. Auch an diesem Tag hätte es fast nicht gereicht. „Dass Sie dennoch vor vollen Tellern sitzen, verdanken wir ‘Delikat Fine Catering’, die die fehlenden Zutaten gestiftet haben“, berichtete Rauscher.

„Besonders seit ich nicht mehr zuhause wohne, ist mir bewusstgeworden, wie wertvoll es ist, gemeinsam an einer gedeckten Tafel sitzen und geschmackvolle Gerichte genießen zu können“, berichtete die Markelsheimer Weinkönigin Constanze Schmitt, die als Ehrengast zu den Speisen passende Weine ausgewählt hatte. „Alle Winzer sind dankbar für die erfolgreiche Ernte, die sie in diesem Jahr trotz der Trockenheit einbringen konnten“, betonte die Weinhoheit anlässlich des Erntedankfestes und der sich in der Zielgerade befindlichen Traubenlese.

„Wastecooking“ („Kochen statt Wegwerfen“) lautet der Titel eines Kino-Films von David Groß über die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Manfred Gaupp, Mitinitiator von „Teller statt Tonne“ und Akteur beim „Grünen Gockel, präsentierte aus diesem Film einen Kurzausschnitt.

Stürmischer Applaus

Im Anschluss daran wurden die drei Köche Vlado Simic, Sebastian Bauer und Tobias Fink für ihre Kreativität und ehrenamtliche Leistung sowie das Konfirmandenteam für sein Engagement mit stürmischem Applaus gewürdigt. „Ich sehe es als meine Pflicht, an der Speisung, an der Speisung der Menschen teilhaben zu dürfen“, nannte Bauer eines seiner Motive für das ehrenamtliche Engagement. Weitere Motive seien sein christlicher Glaube und die Nächstenliebe. „Es war anfangs ungewohnt und aufregend, hat jedoch viel Spaß gemacht“, erzählte der Konfirmand David Meyer über seinen ersten Ehrenamtsjob als „Kellner“ im Serviceteam. Die Aktion „Teller statt Tonne“ bezeichnete der 14-Jährige als eine „coole Idee, da sehr viele Lebensmittel weggeworfen werden“.

„Es ist sehr wichtig, dass etwas mit Herz und Gedanken wächst und genossen wird. Es kann nicht so weitergehen, sondern muss ein Umdenken erfolgen“, meinte der katholische Dekan Ulrich Skobowsky vor einem abschließenden Dankesgebet mit Blick auf die enormen Mengen an Nahrungsmitteln, die in den reichen Industrieländern statt auf Tellern in Mülltonnen landeten. pdw