Bad Mergentheim

800 Jahre Deutscher Orden Dritter Teil der Serie über das Bad Mergentheimer Schloss / Reformation und Bauernkrieg entscheidend

Dominierendes Wahrzeichen der Stadt

Große historische Ereignisse führten dazu, dass aus der Wasserburg eine Residenz und aus Mergentheim eine vom Deutschen Orden geprägte Stadt wurde.

Bad Mergentheim. Heute wollen wir der Frage nachgehen, wie kam es eigentlich dazu, dass aus der unbedeutenden Hohenloher Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert eine weitläufige Residenz wurde, in der die Hoch- und Deutschmeister des Deutschen Ordens als Reichsfürsten ihren Regierungs- und Verwaltungssitz hatten? Es war die Geschichte mit ihren Umbrüchen und Verwerfungen, die hier die Regie führte.

Und es war der Orden, der „die Stadt zu dem gemacht hat, was sie heute vorstellt“, schreibt Emil Raupp in seiner Studie über die Bautätigkeit des Deutschen Ordens (1946) und fügt hinzu: „Allein die Schlossanlage des Ordens als wichtiges Kernstück der heutigen Gesamtbebauung wirkt in seiner geschlossenen Wucht von fern her schon als dominierendes Wahrzeichen der Stadt“.

Auch das städtische Bauwesen war eng mit dem Orden verknüpft gewesen. „Was uns heute im Mergentheimer Stadt- und Straßenbild anheimelt, ist der Baubestand der Ordenszeit“, schreibt Raupp.

Aber kehren wir zur Geschichte zurück. Als die Brüder Andreas, Heinrich und Gottfried von Hohenlohe 1219, also vor 800 Jahren, in den Deutschen Orden eintraten und ihm ihre Burg und umfangreichen Besitz in und um Mergentheim schenkten, schufen sie damit die territoriale Grundlage für die 1340 durch den Kaiser legitimierte Stadtherrschaft des Ordens. Dieser baute die Wasserburg zu einem bedeutenden Deutschordenshaus im Bereich des heutigen Inneren Schlosshofes aus, das dann aber den Ansprüchen der Hoch- und Deutschmeister, die nach dem Bauernkrieg hier Einzug hielten, nicht mehr genügte.

Am Morgen des 10. April 1525 legte der in Königsberg in Ostpreußen residierende Albrecht von Brandenburg sein Amt als Hochmeister des Deutschen Ordens nieder und erhielt, nachdem er im Zuge der Reformation protestantisch geworden war, das Ordensland Preußen als weltliches Lehen von der Krone Polens. Damit hatte der Orden seinen Staat und seinen Hochmeister verloren.

Wenige Tage später schlug der Bauernkrieg bei Gundelsheim zu und verwandelte die Burg Horneck, den Sitz des Deutschmeisters, in eine Ruine. Dietrich von Cleen musste fliehen, und der Deutsche Orden, der am Ende schien, musste im Reich eine neue Bleibe für seinen obersten Herrn finden. Jetzt schlug die historische Stunde für Mergentheim. Die Wahl der Komture, der Leiter der Niederlassungen des Ordens in Franken, fiel auf die Stadt an der Tauber, wo der Deutschmeister zunächst nur für acht Jahre sein Domizil beziehen sollte. Aber aus der Übergangslösung wurde eine dauerhafte Einrichtung. Aus der ehemaligen Wasserburg wurde eine fürstliche Residenz.

Ob dieser historische Einschnitt in der Geschichte Mergentheims einen Gewinn oder das Gegenteil für die Stadt bedeutete, ist eine Frage der Sichtweise. Wäre die Stadt an ihrer Unbedeutendheit kleben geblieben, wäre ihre Geschichte vielleicht friedlicher verlaufen. So aber wurde sie von den Gegnern der Deutschordensritter über die kriegerischen Jahrhunderte hinweg geradezu auf- und heimgesucht.

Das ist Geschichte. Was aber bleibt, ist das vom Deutschen Orden geprägte Stadtbild.