Bad Mergentheim

Fackel übergeben Aktion des Bundesverbands Kinderhospiz macht Station am Caritas-Krankenhaus / Unterstützung von Familien mit unheilbar kranken Jugendlichen

Ein Lauf der Hoffnung quer durchs Land

Archivartikel

Mit dem Hundeschlitten oder auf dem Fahrrad reist eine Fackel quer durchs Land. Der Bundesverband Kinderhospiz macht damit auf seine Arbeit aufmerksam. Nun war Station in Bad Mergentheim.

Bad Mergentheim. Kindergartenkinder halten weiße Luftballons in die Höhe und singen das Lied von einer Fackel, die durchs Land getragen wird. Genauso eine Fackel stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der die Gruppe des evangelischen Kindergartens in der Propsteistraße gekommen war. Der „Kinder-Lebens-Lauf“, eine Aktion des Bundesverbands Kinderhospiz, machte im Caritas-Krankenhaus Station. Mit von den olympischen Spielen inspirierten Fackelübergaben will der Verband auf seine Arbeit aufmerksam machen. Die Helfer der Mitgliederorganisationen begleiten Familien mit Kindern und Jugendlichen, die an einer fortschreitenden und lebensverkürzenden Krankheit leiden.

Im Rahmen des Kinder-Lebens-Laufes tragen verschiedene Gruppen bereits seit dem 4. Juni eine spezielle Fackel durch Deutschland. „Fackel“ ist dabei eher symbolisch gemeint: der Aluminium-Stab in Form eines stilisierten Engels erinnert von der Form her zwar an eine Fackel, ist aber nicht brennbar: die Verletzungsgefahr für die teilnehmenden Kinder wäre zu groß.

Beim Transport der Fackel kommen unter anderem Kutschen, Fahrräder und sogar ein Hundeschlitten zum Einsatz, wie Anja Bieber, die beim Bundesverband Kinderhospiz für Pressearbeit zuständig ist, vor Ort erläutert. An mehr als 120 Stationen wird die Fackel jeweils von einer Gruppe an die nächste übergeben. Bis zur letzten Station, die am 13. Oktober in Berlin erreicht wird, hat die Fackel schließlich mehr als 6000 Kilometer zurückgelegt.

Die Fackel wurde extra für den Kinder-Lebens-Lauf angefertigt und hat sogar einen eigenen Namen: „Angel“, das englische Wort für „Engel“. Der Name erinnert an das Schicksal eines 17-jährigen Mädchens, das im Jahr 2013 an einem Hirntumor gestorben ist. Ihr Name lautete Angelina, ihr Spitzname war „Angel“. Die Engelsform, die für die Fackel genutzt wurde, hatte Angelinas Vater für den Grabstein seiner Tochter entworfen.

Inspiriert von der Idee

Der Kinder-Lebens-Lauf war die erste Veranstaltung dieser Art, aber inzwischen gibt es sie nicht nur in Deutschland, wie Bieber berichtet. „Wir haben 150 Fackeln anfertigen lassen und die meisten an Hospizverbände in anderen Ländern verteilt“, erzählt sie. Inspiriert von der deutschen Idee seien inzwischen unter anderem in Großbritannien und Frankreich ähnliche Aktionen geplant.

Die deutsche Fackel hat in Bad Mergentheim „Sonnenschein“ übernommen, der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser im Main-Tauber-Kreis.

Eine Gruppe Radfahrer aus Buchen hatte sie am Tag zuvor in die Kurstadt gebracht. Nun hat Bettina Frisch, Koordinatorin beim Ambulanten Kinderhospizdienst Neckar-Odenwald-Kreis, die Fackel an Bastian Haack weitergegeben. Der 14-Jährige aus Wermutshausen wird wegen einer schweren Herzerkrankung seit mehreren Jahren von den Mitarbeitern des Hospizdienstes betreut und im Caritas-Krankenhaus behandelt.

Reiner Buchhorn, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Caritas-Krankenhaus, lobte die gute, nun schon seit acht Jahren andauernde Zusammenarbeit zwischen Hospizdienst und Krankenhaus. Bürgermeisterstellvertreterin Manuela Zahn würdigte die Arbeit des Hospizdienstes: „Ich bin stolz, dass wir diese Einrichtung in Bad Mergentheim haben“, sagte sie. Leider wüssten viele Menschen nichts von der wichtigen Arbeit, die die Ehrenamtlichen vor Ort leisteten. Der Kinder-Lebens-Lauf könne hier helfen.

Nach der Station in der Kurstadt ist die Fackel gestern noch weiter nach Tauberbischofsheim und Wertheim gereist. Die Strecke von Bad Mergentheim nach Tauberbischofsheim haben Mitglieder der Fußball-D-Jugend des VfB Bad Mergentheim und ihre Trainerin Martina Schwab auf Fahrrädern zurückgelegt.

Mit Kabelbindern wurde die Fackel dafür am Lenker des elfjährigen Lucas Rusan befestigt, bevor sich die Gruppe in ihren blauen Jacken auf den Weg machte.

Auf der Strecke von Tauberbischofsheim nach Wertheim übernahm dann wieder Bastian Haack: Er durfte die Fackel als Beifahrer auf einem Motorrad tragen.