Bad Mergentheim

Leserbrief Zu Artikeln über geplante Abschiebung von Dame Ndow

Eine echte Schande

Zunächst einmal möchte ich mich bei allen, die sich für Herrn Ndow eingesetzt haben und es noch immer tun, bedanken. Allen voran Frau Roswitha Hofstetter vom Igersheimer „Haus Sonnenberg“ als Arbeitgeberin von Herrn Ndow und dem Arbeitskreis „Asyl“ in Bad Mergentheim.

Ich bin sehr über die Abschiebepraxis von Asylbewerbern in Deutschland verärgert. Im Fall Ndow ist vieles schon gesagt. Dennoch ist es mir ein großes Bedürfnis, mich hier zu äußern und meinem Unmut Luft zu machen.

Die zuständigen Behörden gehen derart undifferenziert zu Werke. Mit einer unbarmherzigen Vehemenz wird hier gegen unbescholtene Menschen vorgegangen. Wahrscheinlich, um gefordertete Abschiebequoten zu erfüllen. Man geht hier den Weg des geringsten Widerstandes – es ist sehr einfach für die Exekutive, die Braven, die sich an Recht und Gesetz halten, dingfest zu machen. Einfach nur ins Klassenzimmer der Berufsschule einmarschieren und einen Schüler in Handschellen abführen – fertig.

In Anbetracht dessen, dass man im Fall Dame Ndow sicher von einem Musterbeispiel für gelungene Integration sprechen kann, ist das eine Schande. Andernorts lässt man ein enormes Gefährdungspotenzial, wie zum Beispiel den Berliner Attentäter Anis Amri, vollkommen unbehelligt einen Terroranschlag vorbereiten und durchführen. In diesen Fall waren die Behörden unfähig, eine Abschiebung durchzusetzen. Bis heute ist ungeklärt, warum die Abschiebung nicht vollstreckt wurde und man sich hier seitens der Verantwortlichen nicht an Recht und Gesetz gehalten hatte.

Im Bad Mergentheimer Stadtrat wurde der Fall Ndow kürzlich auch thematisiert. Die Stadtratsfraktion der SPD stellte einen Antrag auf Verabschiedung einer Resolution zugunsten von Ndow. Während auch die Grünen im Stadtrat einen solchen Beschluss befürworteten, lehnte Oberbürgermeister Glatthaar diesen kurzerhand aus „formalen“ Gründen ab. In ähnlicher Weise reagierte auch der Petitionsausschuss, für den das Ansinnen zu spät eingereicht wurde, um noch helfen zu können. Die Vorgehensweise scheint sich also von der Bundesebene bis hinunter in die Kommunen wie ein roter Faden durchzuziehen –man beruft sich auf Recht und Gesetz wie es gerade passt, ungeachtet dessen, ob es Sinn macht oder nicht. Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.