Bad Mergentheim

Land und Leute Gerd Drescher betreibt seit über 23 Jahren die Bootsvermietung und Kanu-Touristik in Bad Mergentheim

Eine Oase der Ruhe und Entspannung

Archivartikel

Er hat einen Achtstundentag an fünf Tagen gegen einen Zwölf-Stundentag an sieben Tagen eingetauscht: Gerd „Ede“ Drescher leitet seit 23 Jahren die Bootsvermietung Bad Mergentheim.

Bad Mergentheim. Sie ist so etwas wie eine Bad Mergentheimer Institution: die Bootsvermietung zwischen Tauber und B 19 an der Brücke zum Kurgebiet gelegen, versteckt hinter Gebüsch und Bäumen. Fragt man alteingesessene Kurstädter danach, lautet die Antwort „die Bootsvermietung, die ist schon immer dort“. Und wenn sie mal nicht mehr dort wäre, würde man sie mit Sicherheit vermissen. Laut Stadtarchiv wird die Bootsvermietung übrigens seit dem Jahre 1917 erwähnt, allerdings nicht als gewerblicher Betrieb. Vielmehr betreute der damalige Bademeister des städtischen Freibades die Bootsvermietung mit. Es ist anzunehmen, dass erst viel später – Anfang der 50er Jahre – als das städtische Freibad wiedereröffnet wurde, die Bootsvermietung dann unabhängig davon gewerblich betrieben wurde. Für viele Zeitgenossen ist die Bootsvermietung an der Tauber eine kleine Oase der Ruhe und Entspannung, die dort kurz mal Halt machen und ihre Seele baumeln lassen, oder dem „Ede“ einfach bei der Arbeit zuschauen.

„Ede“, das ist der Inhaber der Bootsvermietung, die er vor 23 Jahren von Theresa Linnerud übernommen hat, die sich mit 83 Lenzen endlich zur Ruhe setzen wollte. In Wirklichkeit heißt der „Ede“ aber Gerd Drescher, doch seit dem Auftritt in einem Stück der Theater AG in der fünften Klasse blieb bei den Zuschauern nur noch die Rolle des „Ede“ in der Erinnerung, und Gerd Drescher hatte seinen Spitznamen weg. Auf die Frage, wie es eigentlich dazu kam, dass der gelernte KfZ- Mechaniker einen sicheren Arbeitsplatz aufgab, um in das unsichere Geschäft „Bootsvermietung“ in Bad Mergentheim einzusteigen, meint Ede, dass er schon immer etwas suchte, das ihn unabhängig macht, ihn mit Menschen zusammenbringt und nicht an einen Raum oder eine Halle gebunden ist. Denn der Ede hatte schon immer den Traum, etwas zu tun, bei dem er sich selbst verwirklichen kann, ohne Druck von oben, als eigener Herr, eben einen Job unter Gottes freier Natur und in eigener Verantwortung.

Diesen Job übt er seit über 23 Jahren aus, und er fühlt sich glücklich dabei, als Chef der „Bootsvermietung und Kanu-Touristik Drescher“. Er brauchte damals nicht lange zu überlegen, so Ede mit leuchtenden Augen, denn als die Gelegenheit da war, schlug er zu und wurde zum Unternehmer in Sachen Freizeit und Boot.

Dass er damit einen Achtstundentag an fünf Tagen gegen einen Zwölfstundentag an sieben Tagen eintauschte, spielte für ihn keine Rolle. Das gleiche die Freude an seinem Job mehr als aus, meint Ede lächelnd.

Bis zur Rente werde er es noch machen, so der 51-jährige Gerd Drescher, der des öfteren von Bekannten und Freunden unterstützt wird. Danach werde er sich nur noch seinem Hobby – dem „Deutschen Roten Kreuz“ – widmen, das er schon seit seiner frühesten Jugend mit Begeisterung betreibt.

Stark wetterabhängig

Jedes Jahr Anfang Mai öffnet Ede die Bootsvermietung und schließt sie wieder Anfang Oktober. Der betriebliche Erfolg ist sehr stark vom Wetter abhängig, da das Bootsfahren bei Regen nicht unbedingt Spaß macht. Deshalb muss sehr scharf kalkuliert werden, aber die Preisgestaltung dennoch sehr kundenfreundlich angelegt sein. Zum Glück, so Ede, hat er in der näheren Region keinen Mitbewerber mit identischem Angebot. Die bisherige Saison sei sehr gut gewesen, ob der überdurchschnittlich vielen warmen Sonnentagen, dennoch sieht Ede die allgemeine Wetterlage mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn die langanhaltende Trockenperiode ließ die Wasserpegel extrem sinken, so dass Bootstouren teils erst ab Dittigheim möglich sind.

Verändertes Freizeitverhalten

Sorge bereitet Ede Drescher auch das veränderte Freizeitverhalten. Kamen früher sehr oft Eltern mit ihren Kindern, um einfach Boot zu fahren, ist diese Form der Freizeitbeschäftigung sehr stark zurück gegangen. Das Geschäft hat sich hin zu Gruppenfahrten geändert, ob von Vereinen, Schulklassen oder Firmen genutzt.

Zugenommen hat auch der Vandalismus, der von Ede Drescher regelmäßig mehr als die routinemäßig geplanten Investitionen für reparaturbedürftige Boote verlangt. Aber der Ede ist ein Berufsoptimist, der sich nicht vorstellen könnte, etwas anderes zu machen. Und so wird sich der Herr über 32 Canadier, 36 Kayaks, Tret- und Ruderbote jeden Tag von April bis Oktober aufmachen zu seinem kleinen Reich, um auch künftig seinen großen und kleinen Bootskapitänen drei Finger breit Wasser unterm Kiel zu wünschen.

Infos zur Bootsvermietung Bad Mergentheim sind unter www.kanu-touristik-drescher.de und unter Telefon 0171/3547945 und 07931/477188 zu erhalten.