Bad Mergentheim

Im Kurpark Judasbaum, Taschentuchbaum und Maulbeerbaum blühen in diesem Jahr so prächtig wie selten

Exoten präsentieren ihre ganze Blütenpracht

Archivartikel

Bad Mergentheim.So intensiv wie nie blühen momentan im Schlossgarten und Kurpark in Bad Mergentheim frostempfindliche und wärmebedürftige pflanzliche Neubürger. Letztes Jahr vernichteten eiskalte Aprilnächte den Blütenflor. Jetzt zeigen Judasbaum, Taschentuchbaum und Maulbeerbaum ihre Blütenpracht.

Der Judasbaum ist einer der wenigen europäischen Laubgehölze mit Stammblütigkeit (Kauliflorie). Nicht nur aus dünnen Ästen, sondern seltsamerweise auch aus dicken Zweigen und sogar aus dem Stamm heraus wachsen die rosa Blüten. Diese botanische Besonderheit ist sonst nur bei tropischen Pflanzen wie etwa dem Kakaobaum zu beobachten.

Der Name Judasbaum rührt von Judas Iskariot her, der Christus für 30 Silberlinge an seine Häscher verraten hat. Die runden Blätter sehen wie Silbermünzen aus.

Angeblich soll Judas an so einem Baum seinem Leben ein Ende gesetzt haben. Weil der Baum mit Hilfe der Knöllchenbakterien an den Wurzeln Luftstickstoff gewinnt, ist er ein Pioniergehölz auf mageren und steinigen Böden. Im vergangenen Jahr konnte das Exemplar beim Schneckenbuckel dem Frost nicht trotzen und bildete keine Früchte. Dem Judasbaum vor dem Haus Schloss 10 reichte dagegen die Abwärme der umgebenden Gebäude, um der sibirischen Kälte zu widerstehen.

Neben dem überreichen Blütenansatz fallen die reifen Hülsenfrüchte des vergangenen Jahres ins Auge. Vor mehr als 100 Jahren machte sich der englische Pflanzenjäger Ernest Wilson auf die lange Reise, um Saatgut des Taschentuchbaumes, Davidia involucrata, nach Europa zu holen.

Sein erster Versuch bot reichlich Enttäuschung, denn nach langer Suche fand er endlich die Stelle, die ihm auf einer ungenauen Landkarte mit einem x gekennzeichnet worden war. Zu seinem großen Entsetzen entdeckte er dort nur ein neues Holzhaus, welches neben dem Stumpf einer abgehackten Davidia involucrata stand. Total frustriert schrieb er: „Ich bin 21 000 Kilometer umsonst gereist und konnte in der Nacht zum 25. April 1900 kein Auge zu tun“. Später führte er über eine Handelsgärtnerei diesen aus China stammende Baum nach Europa ein.

Wilson unternahm drei weitere Reisen nach China und zwei nach Japan. Er wurde der bedeutendste Sammler von Pflanzen aus dieser asiatischen Region. In den vergangenen Jahren waren die hiesigen Bewunderer des Taschentuchbaums enttäuscht, denn der Spätfrost machte die Blütenträume für den Exoten im Kurpark zunichte.

Jetzt, und dies nur wenige Tage, erfreuen den Kenner die kugelförmigen Blütenstände, die von weißlichen Hochblättern umgeben sind. Die anfangs blendend weißen Hochblätter sehen aus wie am Baum hängende Vögel oder Taschentücher. Daher rührt der deutsche Artname. Die späteren Früchte sind längliche, etwas bereifte Steinfrüchte.

Weil der frostempfindliche Baum nur in wärmeren Gebieten gepflanzt wird, ist er einer der zahlreichen botanischen Juwelen in den beiden Mergentheimer Parks. TZe