Bad Mergentheim

Zehn Jahre „junge Kultur unartig“ Viele Besucher beim Tag der offenen Tür / Große und kleine Künstler entdecken die Vielfalt / Oberbürgermeister lobt Projekte

„Farbtupfer der Kreativität“ in der Stadt

Ein buntes Programm, bei dem jeder Mitmachen konnte, bot der Verein „junge Kultur unartig“ bei einem Tag der offenen Tür zum zehnjährigen Bestehen.

Bad Mergentheim. Junge und alte Besucher zeichneten, töpferten, druckten, filzten und „specksteinerten“: Beim Tag der offenen Tür des „junge Kultur unartig“-Vereins im Atelier in der Wachbacher Straße herrschte großer Andrang, und die Verantwortlichen hatten alle Hände voll zu tun, das Angebot zu erläutern und die Besucher anzuleiten.

Bernd Schepermann verwies dabei auch auf die Anfänge des Vereins, der vor zehn Jahren als „Kinderkulturkreis unartig“ gegründet wurde und seit September seinen neuen Namen trägt. Das Atelier in der Wachbacher Straße gibt es seit Februar 2006; es wurde zunächst von Schepermann alleine genutzt. Zusammen mit Jan Albers und 23 weiteren Gründungsmitgliedern wurde der Verein dann im Dezember 2008 aus der Taufe gehoben.

Geistige Grundnahrung

„Kunst und Kultur sind geistige ,Grundnahrungsmittel’, steigern die Lebensfreude und damit auch die Lebensdauer“, sagte Schepermann. Und Kinder, die frühzeitig in Kontakt mit Kunst und Kultur kommen und „sie mit all ihren Sinnen erleben und erschließen können“, erhielten damit eine „tragende Basis“ für ihr weiteres Leben. „Damit werden auch die unvermeidlichen Ausflüge in die elektronische Welt weniger Schaden anrichten“, gab sich der Künstler überzeugt. Die selbstgestellte Aufgabe des Vereins „war, ist und bleibt, die außerschulische Förderung der Kultur für Kinder und Jugendliche durch unser Angebot zu erweitern“ und damit der Persönlichkeitsentwicklung einen besonderen Schub zu geben. Die „junge Kultur unartig“ tritt vielfältig in Erscheinung. Neben dem Angebot im Atelier sind das beispielsweise der „Triartlon“ oder auch regelmäßige Aktionen und Ausstellungen. Mit dem „Tages der offenen Tür“ anlässlich des zehnjährigen Bestehens wolle man allen Interessenten – Kindern, Erwachsenen und Senioren – die Gelegenheit geben, den Verein und sein Angebot selbst zu erleben. „unartig zu sein, ist dabei sicherlich hilfreich“, erklärte Schepermann.

Oberbürgermeister Udo Glatthaar betonte in seinem Grußwort den „Farbtupfer der Kreativität“, der der Stadt bei der Vereinsgründung „gerade noch gefehlt“ habe und sich seither „wunderbar eingefügt“ hat ins gemeinsame Ziel, die unterschiedlichsten Talente zu fördern. Die „junge Kultur“ sei zweifellos noch jung, sagte Glatthaar, aber sie „ist in diesen zehn Jahren schon so eindrücklich in Erscheinung getreten, dass wir sie nicht mehr missen wollen“. Der Oberbürgermeister nannte Aktionen wie den Triartlon, das „Orangia-Projekt“ und die verschiedensten Ausstellungen. Diese bereicherten und bereichern das kulturelle Leben in der Stadt. Er dankte allen Vorstandsmitgliedern, Beiräten sowie den Kursleitern für das „große Engagement zugunsten der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen“ und wünschte dem Verein weiterhin „viel Freude und Erfolg bei der Entdeckung der Kreativität und der Freude an der Kunst“.

Die Vereins-Geschäftsführerin Franziska Eben von Racknitz erläuterte den zahlreichen Besuchern nicht nur das Programm, sondern war als „Herrin der Töpfe“, zusammen mit Schatzmeister Sascha Kellermann, auch für die Bewirtung zuständig.

Gute Kultur spielte sich an diesem Tag bei den diversen, von Vereinsmitgliedern und „Profis“ geleiteten Kursangeboten und Workshops ab. Jung und Alt konnten sich im Atelier ausprobieren: Ob beim „freien realistischen“ Zeichnen, beim Töpfern, beim Druck verschiedenster Motive, mit „abstrakten“ Filzbildern oder auch bei der Bearbeitung von Speckstein konnten sich die Besucher selbst versuchen und bisher unerkannte Talente zutage fördern. Ein Zahnarzt, der mit seiner Tochter ins Atelier kam, war ganz begeistert: „Das Specksteinern erinnert mich an meine Studienzeit, als ich im Labor mit Keramik gearbeitet habe“, während seine Tochter von Station zu Station ging und „immer wieder was Neues“ entdeckte. Und eine Oma, die zusammen mit ihrem Enkel ganz angetan von den vielfältigen Möglichkeiten des Druckens war, entdeckte ihr Talent für diese künstlerisch-handwerkliche Tätigkeit. „Das ist toll, und meine Oma kann das auch!“, freute sich der Bub.

„Wir sind sehr froh, dass so viele Gäste kommen. Vor allem, weil die meisten bisher noch keinen Kontakt zu unserem Verein hatten. Das hatten wir uns so gewünscht“, sagte Schepermann. Vor allem die vielen „überaus neugierigen und wissensdurstigen“ Kinder und Jugendlichen nahmen das vielfältige Angebot mit großem Interesse und Begeisterung an, wie die Kursleiter betonten. Der „Tag der offenen Tür“ im Atelier bot auch die Gelegenheit, sich in der Galerie einen Eindruck über das von Kindern und Jugendlichen Geschaffene zum machen – Kunst und Kultur zum „Anfassen, Anschauen und Mitmachen“. Und das machte – neben viel Arbeit für die Vorbereitung und die Durchführung – allen Vereinsmitgliedern ebenso viel Spaß wie den Besuchern das Anschauen, Ausprobieren und Erleben von bildender Kunst. BS/jku