Bad Mergentheim

Internationales Projektorchester Neujahrskonzert im Kursaal / Musiker übten nach individueller Vorbereitung nur eine Woche lang gemeinsam

Filigrane Sensibilität beeindruckt das Publikum

Bad Mergentheim.Ein anspruchsvolles und mitreißend stimmungsvolles Neujahrskonzert präsentierte ein Projektsinfonieorchester im gut besuchten Kursaal in Bad Mergentheim. Die rund 50 Musiker aus ganz Deutschland sowie vereinzelt aus dem europäischen Ausland hatten sich in einer einwöchigen Probenphase an der Musikakademie Schloss Weikersheim gemeinsam auf das Konzert vorbereitet. Die Musiker sind bis auf wenige Ausnahmen Amateure und treffen sich immer zum Jahresende, um unter Anleitung erfahrener Dozenten ein reizvolles Programm einzustudieren. Alle Mitwirkenden setzen sie sich bereits im Vorfeld mit den Werken auseinander. Die Kurswoche wird vom Internationalen Arbeitskreis für Musik seit über 25 Jahren jeweils neu aufgelegt. Der Verein mit Sitz im Osnabrücker Land bietet jährlich knapp 40 verschiedene Musik- oder Chorkurse an.Nach Stationen in Oberschwaben, im Odenwald und im Sauerland in den Vorjahren war der Werkstattkurs für das große Projektsinfonieorchester in dieser Saison erstmals in der Weikersheimer Musikakademie. Bei der Kursarbeit wurden die Orchesterproben wieder durch Einheiten in den einzelnen Instrumentengruppen sowie durch Zeitfenster für Kammermusik ergänzt. Die professionellen Dozenten waren Dietrich Schöller-Manno (hohe Streicher), Albrecht Grußendorf (tiefe Streicher), Christian Beemelmans (Blechbläser) und Corinna Nollenberger (Holzbläser).

Geleitet werden die Kurswoche und das Projektorchester seit etwa zehn Jahren von Michael Hönes, der seit 2001 Dirigent und Pianist am Opernhaus in Dortmund ist.

Im ersten Teil des Konzerts stand Antonin Dvoràks 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ auf dem Programm, das von dem tschechischen Komponisten während dessen dreijährigem Amerika-Aufenthaltes geschaffen wurde, wie Hönes in einer Einführung berichtete. Schon im ersten Satz (Adagio – Allegro molto)zeigte das Projektorchester ausgefeilte Dynamiken und Treffsicherheiten. Dies galt auch für den zweiten Satz (Largo) mit seinen zarten Passagen und Stimmungswechseln. Sehr präzise fielen unter anderem auch die Streichereinsätze zum Teil im Wechselspiel mit den Blasinstrumenten im dritten Satz aus. Zu besonderer Höchstform lief das Projektensemble gegen Ende des vierten Satzes (Allegro con fuoco) mit seiner mitreißenden Coda auf. Ebenso gelungen einstudiert und gekonnt dargeboten war der zweite Konzertteil mit George Gershwins orchestralen Erzählung „Ein Amerikaner in Paris“. Das Werk wurde von dem Sinfonieorchester je nach Sequenz teils mit filigraner Sensibilität, teils mit begeisternder Dynamik und dynamischer Klangfülle bis hin zum fulminanten Schlussakkord präsentiert. Allgemein war, was das Projektorchester in der nur knapp einwöchigen Kursphase eingeübt hatte, bemerkenswert. Dies belegte auch der stürmische Beifall des Publikums am Ende des Konzerts, das mit dem Hauptmotiv von „Ein Amerikaner in Paris“ als Zugabe äußerst stimmungsvoll abgeschlossen wurde. Wie Dirigent Hönes im Gespräch mit unserer Zeitung mitteilte, werde man aufgrund der sehr guten Rahmenbedingungen und attraktiven Atmosphäre sowie der positiven Resonanzen der Teilnehmer womöglich eine der nächsten Kurswochen des Projektorchesters wieder an der Musikakademie Schloss Weikersheim abhalten. Weitere Informationen über den Internationalen Arbeitskreis für Musik e.V. und dessen Angebote sind unter www.iam-ev.de zu finden.