Bad Mergentheim

Ganz einfach nur dankbar

Archivartikel

Zahnschmerzen sind eine der ganz großen Geißeln der Menschheit. Die sind so eine unerträgliche Mischung aus (fast) allem Schlechtem, was uns unser Körper zu bieten hat. Donnerndes Kopfbrummen, ein grauenhaftes Ziehen, ein penetrantes Pochen. Sie machen mit einem was sie wollen, gehorchen meist aber penibel einer strengen zeitlichen Regel: Nur am Wochenende, vorzugsweise am späten Sonntagnachmittag, laufen sie zu ihrer absoluten Höchstform auf. Dann, wenn es auch nicht mehr lohnt, jetzt noch den Notdienst anzurufen.

Das Schlimmste, was einem nach einer schweißgebadeten, durchwachten Nacht am nächsten Morgen passieren kann ist, dass der Zahnarzt erstmal keine Zeit hat. Doch so einen Zahnarzt habe ich zum Glück nicht. Meiner nimmt sich Zeit, wenn ich ihn wirklich brauche. Was mich zu dem Thema bringt, über das ich heute schreiben will: Dankbarkeit. Sie können sich nicht vorstellen – oder vielleicht doch? – mit welch großer Dankbarkeit ich die Zahnarztpraxis betrat. Das ohnehin dort immer ausnehmend freundliche Personal war diesmal ganz besonders mitfühlend und auch der Zahnarzt erkundigte sich teilnahmsvoll-besorgt nach meinem Befinden.

Und während ich ebenso fachkundig wie behutsam behandelt wurde, spürte ich es wieder ganz deutlich, dieses wohlig-warme Gefühl der Dankbarkeit, dass sich dann einstellt, wenn sich Menschen einem zuwenden wenn man sie am meisten braucht oder es am wenigsten erwartet. In der Dankbarkeit vereinigen sich so viele Empfindungen: Rührung, Befriedigung, Freude, Zufriedenheit, Anerkennung, Wohlbefinden, Geborgenheit.

Natürlich weiß ich, dass das Zahnarztteam „nur“ seinen Job macht. Menschen zu helfen, die Probleme mit ihren Zähnen haben. Das Wissen, dass sie dafür bezahlt werden, ändert an meiner Dankbarkeit aber rein gar nichts. Denn sie geben ja trotzdem, wenden sich mir tatsächlich zu. Ganz besonders dann, wenn sie es mit Freundlichkeit und Einfühlsamkeit tun. Während ich im Zahnarztstuhl lag, erinnerte ich mich an viele dieser Momente, in denen ich der Schwache war oder mich auch nur so fühlte. Krank, schmerzerfüllt, angeschlagen. So oft bin ich dann auf Menschen getroffen, die sich mir liebevoll zugewandt haben. Wie der Pfleger, der mir bei der Geburt meiner Tochter väterlich-tröstend die Hand hielt und mir versicherte: „Wir schaffen das schon“, die ältere Dame vom Besuchsdienst des Krankenhauses, die sich nach einer überstandenen Blinddarm-OP an mein Bett setzte und fürsorglich mit mir plauderte oder die Ärztin in der Notaufnahme des Krankenhauses, die im Vorübergehen einen Blick in meine schmerzerfüllten Augen warf und sich mir augenblicklich zuwandte.

Manche dieser Momente sind schon viele Jahre her, aber vergessen habe ich, glaube ich, nur die wenigsten von ihnen.