Bad Mergentheim

Kurpark Ausstellung eröffnet / 30 figurative und abstrakte Plastiken des Dresdner Künstlers Thomas Reichstein bis Oktober zu sehen

Garten- und Bronzekunst vermählen sich

Archivartikel

„Bronzekunst zu Gast im Kurpark“ lautet das Motto der Ausstellung mit Plastiken des Bildhauers Thomas Reichstein. Den Besuchern bietet sich eine Auswahl aus figurativen und abstrakten Werken.

Bad Mergentheim. Angenehme Temperaturen, Blüten, sattes Grün und mittendrin viel Kunst – ein besseres Arrangement hätten sich der Künstler, die Kurverwaltung und die Gäste für die Eröffnung der Ausstellung „Bronzekunst zu Gast im Kurpark“ nicht wünschen können.

„Natur ist schön, Kunst ist schön, beides gehört zusammen“, zitierte Kurdirektorin Katrin Löbbecke den österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser. Nun sind die Stilmittel und Werke des Österreichers und des im Kurpark ausstellenden Dresdner Bildhauers Thomas Reichwein durchaus verschieden, doch einen interessierten Blick lohnen die Werke beider Künstler.

Wegen der großen und guten Resonanz auf die Skulpturenausstellungen der vergangenen Jahre wollte man Kunst und Natur wieder zusammenbringen, betonte die Kurdirektorin. 30 figurative und abstrakte Bronze-Plastiken seien nun bis Oktober im Kurpark zu sehen. Es habe einen guten und produktiven Kontakt gegeben, und „wir sind sehr stolz, dass wir hier im Kurpark stehende, lagernde oder tanzende Kunstwerke präsentieren können“, sagte die Kurdirektorin.

Viel im Ausland aktiv

Wenn Aristoteles behaupte, Freude an der Arbeit lasse das Werk trefflich geraten, dann könne man sich hier von der Wahrheit des Philosophenwortes überzeugen. Löbbecke machte auch auf die Vita des Künstlers aufmerksam, der zunächst Landschaftsarchitektur studierte und dann auf die Dresdner Kunsthochschule wechselte, wo er 1990 sein Diplom erhielt. Auch in der sächsischen Steinmetzschule Demitz-Thumitz lehrte Reichsteien, und als freischaffender Bildhauer wirkte er zwischen 1992 und 1997 für jährlich drei Monate in Ghana bei den so genannten Gelbgießern der Ashanti. Zudem erlernte der Dresdner das Malanganschnitzen auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Neuirland. Seit 1999 ist Thomas Reichstein mehrere Monate im Jahr in Thailand. Dort entstehen in einer Gießerei, die ansonsten Buddha-Statuen produziert, seine figurativen und abstrakten Kunstwerke. Zudem war Reichstein, wie Löbbecke ausführte, 15 Jahre im Vorstand des Dresdner Künstlerbundes sowie von 2000 bis 2012 Vorsitzender des Sächsischen Künstlerbundes. Seit 2012 ist er Vorstandsvorsitzender des Neuen Sächsischen Kunstvereins.

Bernhard Gailing, Mitglied des Verwaltungsrates der Kurverwaltung, verwies auf das „weltweite“ Wirken des Künstlers. „Heute aber setzen Sie ihrem künstlerischen Schaffen ein weiteres Glanzlicht auf.“ Reichsteins Plastiken, ausgestellt in einem der attraktivsten Kurparks Deutschlands, „wo sich Garten- und Bronzekunst vermählen“, werde sicherlich viele Menschen „begeistern, ja beglücken“, sagte Gailing. Die Stadt Bad Mergentheim mit ihrer großen Historie gehe mit dieser Ausstellung einen weiteren Schritt hin zu einer „weltoffenen, der Kunst Raum bietenden Stadt und Zukunft“.

Bad Mergentheim sei „schön bunt, das war mein erster Eindruck“, sagte Thomas Reichwein. Mit seinem blauen indischen Gehrock – „wie die richtige Bezeichnung ist, weiß ich auch nicht“ – setzte der Künstler ebenfalls ein farbliches Zeichen für gelebte Vielfalt. Beim Rundgang erläuterte der Dresdner Bildhauer seine Kunst. Während die abstrakten Werke den Betrachter innehalten lassen, ziehen die menschlichen Figuren, allesamt sehr schlank und langbeinig oder, wie es einer der Eröffnungsgäste auf gut Märchedolerisch sagte: „dürr un mied lange Fieß“ – mit ihrer Anmut die Blicke auf sich. Und wer die Gesichter der Statuen genau studiert, entdeckt zum Teil auch den Ansatz asiatischer Gesichtszüge. „Mandeläugige Schöne“ ist zwar auf keinem der vor und neben jedem Ausstellungsstück angebrachten Schilder zu lesen, aber „Big Eva“ oder „Tip Toe Mondfrau“ lohnen – wie natürlich auch alle anderen, von Thomas Reichstein im Kurpark an ausgesuchten Orten platzierten Plastiken – das genaue Betrachten. Er sei bei Entwurf und Gestaltung auch inspiriert von seiner Frau, die ebenfalls sehr schlank sei, berichtete der Künstler. Und auch die Thais seien allesamt rank und schlank.

„Da, wo die Gießerei ist, gibt es keine Touristen. Da bin ich der einzige Ausländer.“ Interessant zu erfahren war auch, dass für jede Figur bis zum Guss fünf Arbeitsschritte nötig sind. Und der Künstler machte auch deutlich, dass beispielsweise ein Traum zum „Fliegenden Mann“ führte.

Wer sich selbst einen Eindruck von der Schaffenskraft des Dresdner Künstlers verschaffen will, sollte etwas Zeit mitbringen – der innere Dialog mit der Gefühls- und Kunstwelt Thomas Reichsteins funktioniert nicht im Schnelldurchgang. Bei allen ausgestellten Plastiken ist das Berühren ausdrücklich erlaubt.