Bad Mergentheim

Aktion „One Billion Rising“ Getanzter Protest auf dem Marktplatz / Am Samstag, 9. Februar

Gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Archivartikel

„Frauen helfen Frauen“, der Förderverein für das Frauen- und Kinderschutzhaus, macht bei der Aktion „One Billion Rising“(Eine Milliarde erhebt sich) mit.

Bad Mergentheim. Auf Gewalt an Mädchen und Frauen wird am Samstag 9. Februar, auf dem Marktplatz in Bad Mergentheim aufmerksam gemacht. Zwischen 10 und 14 Uhr wird es zum Song „Break The Chain“ immer wieder kurze Tanzaktionen geben, zu der sich Frauen – und Männer – einzeln oder in Gruppen, eingeladen fühlen dürfen, mitzumachen.

Die Frauen des Fördervereins Main-Tauber und der Beratungsstelle von „Frauen helfen Frauen“ informieren über ihre Arbeit und stehen für Fragen zur Verfügung.

„Für viele Frauen ist das eigene Zuhause noch immer der gefährlichste Ort“, stellt Beraterin Sandra Klingert von „Frauen helfen Frauen“ fest. Die Beratungsarbeit widerlege die verbreitete Vorstellung, Gewalt gegen Frauen sei ein längst bewältigtes Problem und der ländliche Raum sei diesbezüglich eine heile Welt. Tatsache sei, dass jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Partnerschaftsgewalt erlebt habe.

Betroffen seien Frauen aller sozialen Schichten: Die Studie „Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“, die 2009 veröffentlicht wurde, belege, dass auch Frauen in mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten Opfer von Gewalt werden. Risikofaktoren seien neben Trennung oder Trennungsabsicht auch Gewalterfahrungen – von Tätern und Opfern – in Kindheit und Jugend. Um häusliche Gewalt wirksam zu bekämpfen, sei die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen in staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen erforderlich.

Im Main-Tauber-Kreis setzt sich der Verein „Frauen helfen Frauen“ seit mehr als 20 Jahren gegen häusliche Gewalt an Frauen und Mädchen ein. Die vereinseigene Beratungsstelle in Lauda wird vom Landkreis als Interventions- und Erstberatungsstelle finanziell unterstützt. Die Beratungsstelle von „Frauen helfen Frauen“ berät Frauen kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Frauen werden dabei in akuten Krisensituationen und bei der Aufarbeitung erlebter Gewalt unterstützt, bekommen Hilfe bei der Suche nach Therapeutinnen, Rechtsanwältinnen und Kliniken, werden auf Wunsch zu Polizei und Gericht begleitet.

Auch der Aufenthalt im Frauenhaus, das der Main-Tauber-Kreis zusammen mit dem Neckar-Odenwald Kreis betreibt und für betroffene Frauen eine hilfreiche Zwischenstation in ein Leben ohne den gewalttätigen Partner darstellt, wird auf Wunsch in die Wege geleitet.

Dass die Zahl der Übergriffe auf Frauen in den eigenen vier Wänden seit vielen Jahren konstant hoch ist, sei in der in der Beratungsstelle von „Frauen helfen Frauen“ deutlich zu spüren, obwohl sich mit der Reform des Sexualstrafrechts die Situation der betroffenen Frauen rechtlich verbessert habe.

Alleine im vergangenen Jahr 2018 nahmen 104 Frauen Kontakt mit der Beratungsstelle in Lauda auf. Davon 71 Deutsche und 33 mit Migrationshintergund: Aus Syrien und Russland und Rumänien kamen fünf, aus der Ukraine vier Frauen, aus Albanien, Serbien, Afghanistan und Polen jeweils zwei Frauen, eine Frau jeweils aus Tschetschenien, Iran und Kamerun, bei vier Frauen war die Herkunft unbekannt.

Von den ratsuchenden Frauen waren neun unter 25 Jahren, 37 Frauen unter 30, 33 Frauen waren 30 bis 50 Jahre alt, 14 Frauen waren zwischen 50 und 60 Jahren, sieben Frauen waren über 60 und bei vier Frauen blieb das Alter unbekannt.

Mit Polizei und Ordnungsämtern im Landkreis stehen Beratungsstelle und Förderverein von „Frauen helfen Frauen“ in gutem Kontakt.

„Wer schlägt, der geht!“ ist inzwischen zum Leitmotiv polizeilicher Intervention geworden und zwingt den Gewaltausübenden, die Wohnung zu verlassen und sich für eine bestimmte Zeit nicht wieder zu nähern. So wird den Opfern nicht länger zugemutet, den Verlust der vertrauten Wohnung und Umgebung in Kauf nehmen zu müssen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.fhf-tbb.de und unter Telefon 09343 / 5899491. pm