Bad Mergentheim

Kinder und Kunst Ausstellungs-Führung und Mal-Anleitung / Grundschüler erhalten direkten Zugang zur gegenstandslosen Kunst

Gemeinsam die scheinbar verborgenen Details entdecken

Bad Mergentheim.Kinder und Kunst – das ist oft ein schwieriges Thema. Es geht aber auch anders, nämlich einfach. Der Bad Mergentheimer Künstler Bernd Schepermann erlebt dies zur Zeit mit Kindern der Grundschule Stadtmitte.

„Randerscheinungen“ lautet der Titel der Ausstellung von Bernd Sachepermann im Kulturforum. Der Eintritt ist frei, und wer immer es möchte, kann sich hier mit ausgesuchten Werken des Bad Mergentheimer Künstlers auseinandersetzen. Schepermann arbeitet seit vielen Jahren künstlerisch mit Kindern - der Kinderkulturkreis unARTig besteht nun seit zehn Jahren, auch wenn mittlerweile der Name in „Junge Kultur.unARTig“ wechselte.

Kindern Kunst nahezubringen ist Schepermann ein besonderes Aqnliegen, und so entstand auch das Projekt mit den Schülern der Grundschule Stadtmitte. Am Dienstagmorgen ist die Klasse 4c zu Gast im Ausstellungsraum – genauer gesagt, zwei Mal die halbe 4c. Und die elf Mädchen und Buben sind mit großem Interesse bei der Sache, so wie ihre Mitschüler, die schon zuvor hier waren. Klassenlehrerin Ute Wertsch – sie hat während ihrer Ausbildung auch Kunst studiert – lauscht mit den Kindern den Erklärungen Schepermanns, der dabei auch darlegt, wie seine Bilder entstehen. Die Werke sind Produkte aus aufgefangenen Eindrücken und Erinnerungen. „Diese Ideen habe ich im Kopf“, und im Atelier werden sie dann zu Bildern. Das können die Kinder gut nachvollziehen – auch sie haben Erinnerungen an verschiedene Erlebnisse. Und ganz zweifellos gehört auch diese besondere Schulstunde dazu, denn hier heißt es, auf den ersten Blick gegenstandslose Bilder ansehen, Inhalte suchen und entdecken und schließlich selbst malen.

Derweil zeigt Schepermann die Flammtechnik – er arbeitet dabei mit Stoff und Papier, die er mit einem kleinen Gasbrenner bearbeitet. Gegenstandslose Kunst bedeutet aber nicht, dass keine Gegenstände, Menschen oder Tiere zu erkennen wären – es kommt bisweilen nur auf den Blickwinkel an. „Und es braucht auch etwas Phantasie“, weiß der Künstler. Und so ist es dann auch, als Schepermann ein mit Löchern und verbrannten Rändern versehenes Stückchen Stoff präsentiert.

Zweiter oder dritter Blick

„Das ist ein Hase!“, sagt eine Schülerin. Ein Hase? Aber ja doch, sagt die Kleine, greift sich den Stoff, dreht ihn um und erklärt: „Das ist der Kopf, da sind die Ohren und hier die Augen.“ Wie sie das geschafft hat, ist nicht so einfach nachzuvollziehen, zumal sie das „Kunstwerk“ ja erst umdrehen musste, um ihre Erklärung darzulegen. Aber es stimmt – ganz klar ist ein Hase zu erkennen. Schepermann klärt auf: „Es ist kein Hase, aber es sieht aus wie ein Hase.“ Das verstehen die Kleinen – Kunst kann auch einfach erklärt werden. Schepermann zeigt weitere Bilder, und immer wieder ist auf den zweiten oder dritten Blick mehr zu erkennen als auf den ersten.

Die Kleinen lassen ihrer Fantasie freien Lauf, staunen und entdecken scheinbar verborgene Details, die gleichwohl regelrecht hervorspringen, wenn man das Bild auf sich wirken lässt.

Nun fordert Schepermann die Kinder auf, sich jeweils ein Bild auszusuchen und es abzumalen. Und da sind die Grundschüler ganz fix. Schnell haben die Buben und Mädchen „ihr“ Bild gefunden, und schon beginnen sie, auf dem mitgebrachten Block zu zeichnen und zu malen. Immer wieder stehen sie auf, betrachten die Details das Originals Bildes und gehen zurück an den Block, wo sie weiter zeichnen und malen. Natürlich wird das Bild in dieser „Schulstunde“ nicht fertig, „aber die Kinder werden es später im Unterricht noch mit verschiedenen Maltechniken vollenden“, erklärt die Lehrerin. Und dabei werden Erinnerung und Phantasie mitwirken.

„Es war richtig klasse mit euch“, sagt Schepermann zum Abschied. Da sind die Grundschüler noch ganz beeindruckt. Wie es denn war? „Toll“, sagt Leon, und Mira will am liebsten „hierbleiben und weitermalen“. Auch die Lehrerin ist sehr zufrieden mit dieser besonderen Schulstunde. Die Kinder „können so viel, wenn man sie lässt“, sagt Wertsch.

„Tolle Erfahrung“

Für Schepermann ist dieses Projekt „eine hervorragende Möglichkeit, Kindern einen Zugang zur gegenstandslosen Kunst zu verschaffen. Das ist eine tolle Erfahrung“. Und da er im Umgang mit kleinen Künstlern „immer etwas Neues dazulernt“, ist Schepermann schon gespannt darauf, wie es weitergeht mit den andereren Klassen.

Am Freitag waren die 4a und d zu Besuch, am Dienstag erwartet er die 3a und am Mittwoch die 3c und 3b. Auch diese Klassen sind aufgeteilt in Gruppen von zehn bis zwölf Schülern – „so bekommen alle die Aufmerksamkeit, die sie brauchen“, sagt der Künstler.