Bad Mergentheim

DRK-Kreisverband Die Landesregierung plant, Feuerwehr und Rettungsdienst neu zu ordnen und die Zahl der integrierten Rettungsleitstellen zu reduzieren

Geplantes Gesetz gefährdet Leitstelle

Archivartikel

Steht die nagelneue Rettungsleitstelle in Bad Mergentheim aufgrund eines neuen Gesetzes zur Disposition? Diese Sorge treibt die Verantwortlichen zurzeit um.

Bad Mergentheim. Für den Herbst plant die baden-württembergische Landesregierung ein Gesetz, das die Verteilung der Leitstellen für Feuerwehr und Rettungsdienst im Land neu ordnen soll, schreibt der DRK-Kreisverband in einer Pressemitteilung. Angedacht sei in dem neuen „Leitstellengesetz“ eine Verminderung der integrierten Leitstellen.

Dieses Vorhaben erfüllt den DRK-Kreisverband Bad Mergentheim als den Träger der integrierten Leitstelle des Main-Tauber-Kreises mit Sorge: nach der Polizei könnte dann vielleicht eine weitere bürgernahe, gut funktionierende und allgemein geschätzte Institution nach Heilbronn abwandern.

Erheblicher finanzieller Beitrag

Der Kreisverband hatte erst im letzten Jahr aus Eigenmitteln für 2,2 Millionen Euro ein Gebäude in der Rotkreuzstraße 30 errichtet, in das die auf den neuesten Stand gebrachte integrierte Leitstelle umgezogen ist. Für die Leitstellentechnik haben der Landkreis und die Krankenkassen 370 000 Euro ausgegeben. DRK, Landkreis und Krankenkassen hätten, so die Pressemitteilung weiter, somit einen erheblichen finanziellen Beitrag geleistet, um die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Leitstelle im Main-Tauber-Kreis auch in Zukunft erfolgreich betrieben werden könne. Sie bietet jetzt neben dem Dispositionsraum mit drei Arbeitsplätzen weitere Besprechungsräume, zusätzliche Abfrageplätze für Großschadensfälle und einen Serverraum, der das Kernstück einer rechnergesteuerten Leitstellentechnik bildet. Im Katastrophenfall könne die Einrichtung auch als Lagezentrum genutzt werden. In der Mergentheimer Leitstelle gehen jährlich 149 000 Telefonate aus dem gesamten Main-Tauber-Kreis ein, davon 24 593 Anrufe, die die Alarmierung des Notarztes oder des Rettungswagens auslösen.

Neben der Einsatzleitung und -steuerung der Rettungsfahrzeuge sind die Disponenten der Leitstelle auch für die Alarmierung der Feuerwehren und weiterer Organisationen wie DLRG, THW, Katastrophenschutz, Rettungshundestaffel, Helfer vor Ort-Gruppen und Notfallseelsorger für den Kreis zuständig.

Die Brandmeldeanlagen des gesamten Landkreises werden ebenfalls überwacht und gegebenenfalls die Alarmierungen an die zuständigen Feuerwehren weitergeleitet. Außerdem wird von der Leitstelle auch der Kassenärztliche Notfalldienst für den Main-Tauber-Kreis bearbeitet.

Bei einem Gesprächstermin mit dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion Professor Dr. Wolfgang Reinhart und dem engeren Vorstand des Kreisverbands, dem Präsidenten des DRK-Kreisverbands Professor Dr. Werner Romen, dem Vizepräsidenten Bürgermeister Klaus Kornberger und dem Schatzmeister Edmund Brenner, wurden die Sorgen des Vorstands angesprochen. Eine Verlagerung der integrierten Leitstelle in einen anderen Landkreis – etwa Heilbronn – würde nach Meinung von Professor Romen zweifellos Nachteile für die Bürger der Region mit sich bringen. Er unterstrich die Notwendigkeit der örtlichen Präsenz von Leitstellen für Feuerwehr und Rettungsdienst in den einzelnen Landkreisen.

Großes gewachsenes Wissen

Durch die derzeit in der Diskussion stehende Zentralisation von Leitstellen würde man das mühsam über Jahrzehnte angesammelte und gewachsene Wissen in den Leitstellen vor Ort zu Lasten der Bevölkerung, gerade in hiesigen Main-Tauber-Kreis, verlieren.

Prof Dr. Reinhart überzeugte sich anhand einer Einsatzsimulation am Einsatzleitrechner, dass es auch auf den entlegensten Ortschaften im Landkreis möglich ist, rechtzeitig rettungsdienstliche Hilfe zu leisten.

Der Leitstellendisponent entscheidet unter Zuhilfenahme der Alarmierungsvorschläge der Leitstellen-EDV über den Einsatz der Rettungsfahrzeuge. Bei aller Technik, so erklärt der Leitstellenleiter, Matthias Hofmann, können alle EDV-Programme nicht das Wissen und die Erfahrung des Disponenten, der die Besonderheiten vor Ort kennt und einzuschätzen vermag, ersetzen. Professor Reinhart versprach, alles in seiner Macht Stehende zu tun, damit die Leitstelle in der jetzigen Form bestehen bleibt.