Bad Mergentheim

Vom Echolot zur Elastographie 40. Seminar am Caritas mit Vorträgen, Workshop und Festabend

Geschichte und Gegenwart der Sonografie nahegebracht

Archivartikel

Bad Mergentheim.Das 40. Sonografie-Seminar für Ärzte im Caritas-Krankenhaus stand ganz im Zeichen der rasanten medizintechnischen Entwicklungen, die seit Beginn der ersten Ultraschalluntersuchungen bis heute die Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie enorm erweitert und verfeinert haben. Bei den Fachvorträgen und dem Workshop am Nachmittag wurden modernste Verfahren wie die Elastographie diskutiert und an Probanden getestet. Bei der Festveranstaltung am Abend gab es einen Rückblick auf frühe Formen der Ultraschalltechnik.

Mehr als 60 Teilnehmer informierten sich in der Aula über das Verfahren der Elastographie, eine Weiterentwicklung der Sonografie, die unter anderem zum besseren Erkennen von Tumoren eingesetzt wird. Dabei wird die unterschiedliche Gewebeelastizität von gesundem und von Tumorgewebe ausgenutzt. Zunächst stellte Dr. André Ignee die technischen Grundlagen der Elastographie vor. Im Anschluss referierte Professor Dr. Christoph F. Dietrich, Chefarzt der Medizinischen Klinik 2, über die Elastographie bei Leberkarzinomen und bei Hepatitis C. Auf die Besonderheiten bei der Diagnostik von Kindern ging Dr. Dagmar Schreiber-Dietrich ein. Abschließend demonstrierte Dr. Ignee die Methode zur Untersuchung bei Pankreastumoren. Die Vorträge wurden ergänzt durch praktische Übungen an mehreren modernen Sonograpfiegeräten, bei denen die im Vortrag genannten Möglichkeiten anschaulich demonstriert und von den Teilnehmern unter Anleitung von erfahrenen Tutoren geübt werden konnten.

Abendveranstaltung

Anlässlich des Jubiläums fand die Abendveranstaltung in einem festlichen Rahmen im Roten Saal des Deutschordensschlosses statt. Unter den mehr als 70 Gästen, darunter viele ehemalige Kollegen, begrüßte Dr. Jochen Selbach besonders den früheren langjährigen Chefarzt und Begründer der Ultraschalldiagnostik am Caritas-Krankenhaus, Professor Dr. Hans-Dieter Bundschu. Dieser hatte im März 1980 das erste Sonografie-Seminar am Caritas-Krankenhaus initiiert und über viele Jahre hinweg geleitet. Bereits an der Universität Aachen hatte er ein erstes Ultraschalllabor eingeführt und die Untersuchungstechnik dort etabliert. Mit seinem Wechsel am 1. Dezember 1979 nach Bad Mergentheim überzeugte Bundschu den damaligen Verwaltungsdirektor, das zu dieser Zeit modernste auf dem Markt befindliche Ultraschallgerät RA-1 zu erwerben und damit diese neue Methode am Caritas-Krankenhaus einzuführen.

Weit über die Region hinaus entwickelte sich die Sonografie am Caritas-Krankenhaus zu einer führenden Disziplin und zu einem wertvollen Baustein der Diagnostik für die Patienten. Zugleich wurde das Sono-Seminar in den Folgejahren zu einem wichtigen Anziehungspunkt für zahlreiche Ärzte, die die neuen Untersuchungsmethoden und die ständigen Weiterentwicklungen erlernen und für sich und ihre Patienten nutzbar machen wollten.

Professor Dr. Bundschu verwies in seiner Ansprache auf das japanisch-chinesische Schriftzeichen für die Fledermaus, das mit dem für Glück fast identisch sei: „Alle, die mit Ultraschall zu tun haben, haben Glück; für mich jedenfalls hat dies zugetroffen.“ Für die Zukunft wünschte er den heutigen Organisatoren weiterhin viele Glück.

In dem anschließenden Vortrag gab Dr. Bernd Frentzel-Beyme, Vorsitzender des Museumsrats Ultraschallmuseum der Degum, einen spannenden Rückblick auf die Anfänge der Sonografie und die Entwicklungen bis heute. Erste Versuche zur medizinischen Diagnostik gab es demnach mit Echoloten, die ursprünglich zur Ortung von U-Booten im Ersten Weltkrieg entwickelt worden waren.

Revolution möglich

In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde mit Ultraschallgeräten experimentiert, die eigentlich in der Industrie zur zerstörungsfreien Prüfung von Materialien dienen sollten. Die Revolution in der Sonografie gelang mit dem ersten Echtzeit-Ultraschallgerät, das die Firma Siemens 1965 vorstellte. Den endgültigen Durchbruch als anerkannte Untersuchungsmethode in vielen Fachbereichen gelang der Sonografie schließlich seit Anfang der 80er Jahre mit zunehmend besserer Auflösung der Bilder.

Heute gehört die Ultraschalluntersuchung in nahezu allen Fachbereichen zum diagnostischen Standardrepertoire. Kontrastmittelsonographie, endoskopische Untersuchungsformen oder auch die Elastographie stehen für jüngste Entwicklungen, die auch am Caritas-Krankenhaus seit Jahren aktiv weiterentwickelt werden.

So ist Chefarzt Professor Dr. Dietrich seit Jahren international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Sonografie, Past-Präsident (2013 bis 2015) der Europäischen Ultraschallgesellschaft (Efsumb) und Vize-Präident der Weltultraschallgesellschaft (WFUMB).

Die Bad Mergentheimer Ultraschallexperten haben zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten und medizinische Standardlehrbücher zu dem Thema veröffentlicht. Für die Teilnehmer des Festabends war es beeindruckend zu sehen, welche enormen Fortschritte die Ultraschalldiagnostik in 40 Jahren zum Nutzen der Patienten vollzogen hat. ckbm