Bad Mergentheim

Historische Führung Seit 29 Jahren ermöglicht Ulrich Dallmann kenntnisreich Einblicke in die vergangene Welt von Burg Neuhaus

Hexenwahn und Bauernkrieg erlebt

Archivartikel

Wer sich auf Burg Neuhaus mit Ulrich Dallmann auf historische Spurensuche begibt, der wird reich belohnt.

Igersheim. Über große geschichtliche Zeiträume hinweg war Burg Neuhaus ein seit dem 13. Jahrhundert weithin sichtbares Zeichen der Macht der Herren von Hohenlohe-Brauneck und später dann vor allem des Deutschen Ordens, der dort oben, über Igersheim, hinter mächtigen Mauern Schätze und Waffen hortete und einen ausgedehnten Gutshof betrieb.

Zudem war die Burg Verwaltungssitz des Ordens und fürstliche Sommerresidenz. Von all der Wehrhaftigkeit und Macht ist heute nicht mehr viel zu sehen.

Neuhaus lockt als romantische Burgruine natürlich viele Besucher an, die sich aber kaum vorstellen können, welche Ausmaße die Burganlage, die immer wieder zerstört, aufgebaut und erweitert wurde, in früheren Zeiten hatte.

Abhilfe schafft hier seit 29 Jahren der Heimathistoriker und Autor des Igersheimer Heimatbuches, Ulrich Dallmann, der mehrmals im Jahr kostenlose Führungen anbietet, bei denen er die Zusammenhänge zwischen der örtlichen und der deutschen, ja europäischen Historie, man denke nur an den 30-jährigen Krieg, anschaulich anhand der wechselvollen Geschichte von Burg Neuhaus erklärt. Ulrich Dallmann kennt die Burg wie seine Westentasche. Er ist sozusagen das wandelnde Lexikon dieser Überreste vergangener Jahrhunderte.

Steine erzählen Geschichte

Dass Steine nicht nur stumme Zeugen der Vergangenheit sind, sondern Geschichte erzählen können, das bewies der Lokalhistoriker wieder am letzten Samstag bei seiner interessanten Führung durch die Welt der Ritterburg, die Bauernkrieg und Hexenwahn erlebte und heute eine landwirtschaftliche Staatsdomäne beherbergt. Nach einer kleinen Einführung in die Geschichte der Burg lernen die Teilnehmer Neuhaus aus nächster Nähe kennen, wobei auch Räume des alten Gemäuers gezeigt werden, die normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Das Besondere an seiner Führung besteht auch darin, dass Dallmann Zerstörtes und Verschwundenes wieder in der Vorstellung zum Auftauchen bringt. So lässt er beispielsweise anhand alter Grundrisse jene Gebäudeteile wieder „sichtbar“ werden, die vernichtet oder abgetragen wurden. Auf diese Weise können sich die Gäste ein Bild machen von der ehemals imposanten Burganlage.

Und natürlich darf auch ein wenig Burgromantik nicht fehlen, wenn im Fackelschein der Pulverturm besichtigt wird. Ob der Burgbrunnen früher wirklich 120 Meter tief war und bis zur Talsohle gereicht hat, darüber muss trotz der kenntnisreichen Dallmannschen Führung weiter spekuliert werden. Gelegenheit dazu gab es im Anschluss an den zweieinhalbstündigen Rundgang, wobei Most und Schmalzbrot nach Bergfried, Wehrgang, Kellergewölbe, Burggraben und vielen historischen Details für eine willkommene Erfrischung sorgten.