Bad Mergentheim

Leserbrief Antwort auf den Leserbrief von Dr. Klaus Hofmann (12. März)

„Im Fall Ndow bleibt die Gerechtigkeit auf der Strecke“

Sehr geehrter Herr CDU-Stadtrat Dr. jur. Hofmann, zunächst möchten wir uns bei Ihnen für das Kompliment hinsichtlich unserer bewundernswerten Organisation bedanken – schön, dass Sie unsere Bemühungen sehen, obwohl dies nicht unser übliches Tagesgeschäft ist und wir so etwas zum ersten Mal gemacht haben.

Die Emotionalität in unserem Handeln mag zum einen damit zusammenhängen, dass wir alle im sozialen Bereich tätig sind und dieser Menschenschlag von Natur aus eher empathisch ist, zum anderen ist es doch auch nur allzu menschlich emotional zu reagieren, wenn einem ein Freund genommen wird. Genau das ist uns passiert, als Dame am 2. Februar abgeholt wurde!

Sie schreiben, dass „wesentliche Umstände verstellt wurden“. Es wurde von uns nie angezweifelt, dass das Vorgehen der Behörden geltendem Recht entspricht. Was wir in Frage stellen, ist jedoch die Sinnhaftigkeit des Ganzen. Ist dieses Recht angesichts der aktuellen Situation noch zeitgemäß? Ist es noch gerecht? Man muss kein studierter Jurist sein, um ein Gefühl für Recht und Gerechtigkeit zu besitzen.

Im Fall von Dame bleibt die Gerechtigkeit definitiv auf der Strecke. Sie sagen, dass Deutschland „eines der ausgefeiltesten Asylsysteme weltweit“ besitzt. Wir haben in den letzten Monaten mit Dame zusammen die Erfahrung machen dürfen, dass dieses System dermaßen ausgefeilt ist, dass sich kaum noch jemand damit auskennt. Dementsprechend langwierig ist auch die Bearbeitungszeit.

Es verstreichen Monate, manchmal sogar Jahre, bis eine Entscheidung steht. Dame hat sich entschieden die Wartezeit zu nutzen, offen auf Menschen zuzugehen, sich im Vereinsleben und in der Tafel zu engagieren, unsere Sprache zu lernen und sich eine Arbeit zu suchen – auf eigenen Beinen zu stehen. Dame hat alles dafür getan, sich zu integrieren und zu einem nützlichen Glied der Gesellschaft zu werden.

Aber wir müssen Ihnen auch recht geben. Dame ist tatsächlich mit falschen Ausweispapieren in die EU eingereist. Es wurde ihm fälschlicherweise geraten und ihm glauben gemacht, er habe überhaupt nur so eine Chance auf Asyl. In Deutschland angekommen hat Dame jedoch von Anfang an mit den Behörden kooperiert, seinen Pass wie gefordert abgegeben und sich darum gekümmert, seine Identität zu berichtigen. Hätte es Dame so manchem gleichgetan und seine Identität nicht Preis gegeben, könnte er nicht abgeschoben werden. Ist nicht DAS das falsche Signal nach „Arabien und Afrika“ wie Sie so schön schreiben? „Sagt nicht wo ihr herkommt und wer ihr seid, dann könnt ihr auf Dauer in Deutschland bleiben und werdet versorgt.“

Ja, in Gambia gibt es ein neues Parlament. Dame wurde von dem alten Regime verfolgt. Glauben Sie wirklich, dass durch den Wechsel an der Spitze, die Posten bei den Behörden ausgewechselt wurden?

Es ist uns durchaus bewusst, dass wir nicht alle Flüchtlinge aufnehmen und versorgen können. Was wir jedoch nicht verstehen, ist die Tatsache, dass die Politik seit Jahren nicht in der Lage ist, ein vernünftiges und längst überfälliges Einwanderungsgesetz zu schaffen. Unsere überalterte Gesellschaft ist auf die Zuwanderung angewiesen – wir kämpfen, wie die meisten Arbeitgeber seit geraumer Zeit jeden Tag an der Basis, um freie Stellen zu besetzen, Menschen für unsere Arbeit zu gewinnen und zu begeistern, damit auch in den kommenden Jahren eine Versorgung der uns anvertrauten Menschen sichergestellt ist.

Wir und damit meinen wir die Mitarbeiter der Haus Sonnenberg GmbH und auch Dame, haben unsere Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Wort genommen, als diese im Zuge der Flüchtlingswelle ihre „Wir schaffen das“- Philosophie propagierte und zu einer Integration der Flüchtlinge aufforderte. In unserer GmbH stehen mittlerweile neben Dame noch weitere vier Flüchtlinge in Lohn und Brot.

Wir, allen voran unsere Mitarbeiter, wissen, was es bedeutet Flüchtlinge zu integrieren, wie viel Zeit und Mühe dies kostet – aber auch, dass sich die Mühe lohnt, man wertvolle Menschen und Kollegen gewinnen kann. Leider müssen wir aber derzeit feststellen, dass wir hier wohl auf Sand gebaut hatten. Die Versprechungen der Politik – vergessen!

Zu den von Ihnen erwähnten malawischen Krankenschwestern sei noch gesagt: Am besten sollten wir alle ausländischen Pfleger wieder zurück in ihre Heimatländer schicken – wo diese sicherlich gut gebraucht werden. Dann sollten wir nur gleich unsere Krankenhäuser und Pflegeheime mitverlegen – da dann dort nämlich fast niemand mehr arbeitet!