Bad Mergentheim

Deutschordensmuseum Sonderausstellung „Die Welt im Fokus“ mit Fotografien von Steve McCurry bis 13. Januar geöffnet / Künstler erklärt Vorgehen in Videos

Immer den Menschen im Blickfeld

Archivartikel

Großformatige Aufnahmen des US-amerikanischen Fotojournalisten Steve McCurry sind ab heute im Deutschordensmuseum zu sehen. Darunter ist auch ein weltberühmtes Porträt.

Bad Mergentheim. „Die Welt im Fokus“ lautet der Titel einer Sonderausstellung mit Fotografien von Steve McCurry, die ab dem heutigen Samstag bis einschließlich Sonntag, 13. Januar im Deutschordensmuseum (DOM) in Bad Mergentheim präsentiert wird.

In der Sonderausstellung werden rund 85 „Ikonen“ des renommierten amerikanischen Fotografen und Fotojournalisten Steve McCurry gezeigt.

Seit 1986 ist er Mitglied der Agentur Magnum, der viele der besten Fotografen der Welt angehören. Zahlreiche bekannte Magazine und Zeitungen drucken seine Fotografien und Monografien und befassen sich mit seinen Arbeiten, weltweit präsentieren Museen und Sammlungen seine Werke. Bei der Wahl zum Pressefoto des Jahres gewann McCurry 1985 vier erste Preise in vier Disziplinen und 1992 zwei weitere erste Preise. Er wurde mehrmals zum „Photographer of the Year“ gewählt und ist seit 2005 Ehrenmitglied der „Royal Photographic Society of Great Britain“.

1950 geboren

Im Deutschordensmuseum sind bewegende Aufnahmen des 1950 in Philadelphia geborenen Fotografen im Großformat zu sehen. Seine Bilder erzählen einerseits von Krieg und Katastrophen, andererseits von Schönheit und Poesie. McCurry berichtet seit rund 40 Jahren von zahlreichen Krisenherden weltweit. Zum Beispiel begab er sich 1979, während der sowjetischen Invasion in Afghanistan in diese Krisenregion, um dort das Zeitgeschehen mit seiner Kamera zu dokumentieren. Für seine Fotoreportage über Afghanistan, die McCurry im „Time Magazine“ veröffentlichte, wurde er 1980 mit der „Robert Capa Gold Medal“ ausgezeichnet, die der „Overseas Press Club“ seit 1955 jährlich zu Ehren des ein Jahr zuvor in Vietnam durch eine Mine getöteten Kriegsfotografen Robert Capa verleiht. Steve McCurry bekam die Auszeichnung für „die beste Fotoreportage aus dem Ausland, die besonderen Mut und Unternehmensgeist erfordert.“

Indien und Afrika

Seine Fotodokumentationen führten ihn zudem nach Beirut, Indien, Afrika, Kambodscha, Saudi-Arabien, Sri Lanka, Thailand und in viele weitere Länder. Er fotografierte im Iran-Irak-Konflikt, im Golfkrieg und dokumentierte den Jugoslawien-Krieg.

McCurry widmete seine fotografische Aufmerksamkeit nicht nur Krisenregionen, sondern auch Kulturen und Traditionen, die sich im Untergang befinden, sowie der Gegenwartskultur. In diesem Zusammenhang nimmt er immer wieder Kinder in den Fokus, in deren Augen der Reflex auf die sie umgebende Welt liegt.

Besonders aussagekräftig sind McCurrys Porträts. Sein bekanntestes Foto ist das weltberühmte Bild des „Afghanischen Mädchens“. In dem Flüchtlingslager Nasir Bagh gelang ihm 1984 das Porträt eines jungen Mädchens mit intensiv grünen Augen. Die plakative Wirkung dieses Fotos ist so enorm, dass es im Juni 1985 auf den Titelseiten des „National Geographic“ erschien und seitdem weltweit unzählige Male abgedruckt wurde.

Zudem sind wilde Landschaften und weitere spannende Bilder von Reisereportagen Teil der Ausstellung im DOM, die Motive aus verschiedenen Teilen der Welt – von Afghanistan bis Tibet – präsentiert. Entsprechende Themenschwerpunkte der Ausstellung sind „Kriege und andere Katastrophen“ sowie Afghanistan, Indien und der Buddhismus. Videos, in denen der Fotokünstler sein Vorgehen und sein Schaffen erläutert, ergänzen die Schau.

Die Idee zu der Bad Mergentheimer Ausstellung hatte DOM-Direktorin Maike Trentin-Meyer, als sie in Palermo durch ein Plakat auf eine dortige Fotoausstellung McCurrys aufmerksam wurde. Daraufhin habe sie sich ein Jahr später in der Toskana mit der Kuratorin getroffen, um Details für eine Sonderausstellung im DOM mit den besten und bekanntesten Bildern McCurrys zu besprechen und festzulegen.

Keine klassischen Reportagen

„Es sind keine Aufnahmen im Stil eines klassischen Fotoreporters, sondern McCurry hat bei seinen Fotografien immer den Menschen im zentralen Blickfeld und baut dabei einen engen Kontakt auf, der sich auf den Betrachter überträgt, so dass man McCurry auch als ‘Kontaktkünstler’ bezeichnen kann“, hob Trentin-Meyer hervor.

Darüber hinaus komponiere er seine Bilder auch nach anderen, immer wiederkehrenden Kriterien. Zum Beispiel fotografiere McCurry bevorzugt bei Morgen- oder Abendlicht, wobei er mit schier unendlicher Geduld sowohl ein passendes Objekt als auch den richtigen Moment für seine Bildaufnahmen abwarte.