Bad Mergentheim

In der Edelfinger Straße Sanatorium Dr. Holler hat Betrieb eingestellt / Geschäftsführer Joachim Magin will Einspruch einlegen / 16 Mitarbeiter betroffen

Insolvenz statt Millionen-Investitionen

Archivartikel

Millionen-Investition, Umbau und neue Klientel – die Pläne des Geschäftsführers für das Sanatorium Dr. Holler waren groß. Realisiert wurde davon jedoch: nichts. Dafür droht die Insolvenz.

Bad Mergentheim. „Das Amtsgericht Crailsheim hat ein Insolvenzverfahren gegen das Sanatorium Dr. Holler eröffnet, das 2017 von einer Investorengesellschaft mit Sitz in Badenweiler gekauft wurde“, teilte Insolvenzverwalterin Jutta Hafner auf Anfrage mit. 2018 sei es verstärkt zu Nichtzahlungen oder verzögerten Zahlungen an Arbeitnehmer, Krankenkassen und Lieferanten gekommen.

Geschäftsführer Joachim Magin erklärte, die Gesellschaft sehe das Insolvenzverfahren „als nicht berechtigt“ an. Am kommenden Montag wolle man Einspruch einlegen.

Große Pläne

Für die ehemalige Besitzerin des einstigen Familienbetriebes, Dr. Annette Holler-Ilse, ist das Verfahren „ein Riesenschock und eine schwere Enttäuschung“. Kein Wunder, hatte Magin doch große Pläne für das traditionsreiche Sanatorium. Er hatte 2017 als Vertreter der „Raphael Medical Group“ aus Großbritannien die Leitung übernommen.

Investitionsabsichten

Damals sprach er von der Absicht, einen siebenstelligen Betrag in den Standort zu investieren, mit einem Umbau wollte man noch im selben Jahr beginnen. „Die Konzeption des Ganzen ist noch nicht zu Ende gedacht“, meinte der Geschäftsführer jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung.

Magin habe vorgehabt, dem Sanatorium mit neuer Klientel Leben einzuhauchen. Auch daraus sei nichts geworden, lautet der Vorwurf der ehemaligen Inhaberin. Stattdessen hätten sich in den Wintermonaten teilweise nur zwei oder drei Patienten im Gebäude aufgehalten: „Ich hatte zwar seit Betriebsübernahme keinen Einblick mehr in die Finanzen. Ich weiß aber aus Erfahrung, dass es das Zehnfache benötigt, um eine schwarze Null zu schreiben.“

Die Auslastung des Betriebs sowie die finanzielle Ausstattung seien seit Übernahme unzureichend, bestätigt auch Insolvenzverwalterin Jutta Hafner. Darauf Magin: „Im Gegensatz zu Familie Holler haben wir uns entschieden, das Sanatorium in den Wintermonaten nicht zu schließen, um den Betrieb laufenzulassen.“ Weitere Aussagen wollte er jedoch – mit Blick auf das laufende Verfahren – nicht machen. Holler-Ilse wirft Joachim Magin außerdem vor, er sei zu wenig in Erscheinung getreten: „Zunächst wollte er einmal wöchentlich im Haus sein. Dann kam er nur monatlich. Und in der letzten Zeit habe ich – trotz etlicher E-Mails an ihn – gar nichts mehr gehört.“ Von der Insolvenz der Firma Sanatorium Dr. Holler seien 16 Arbeitnehmer betroffen, „deren Arbeitsplätze bedauerlicherweise nicht erhalten werden können“, erklärt die Anwältin Jutta Hafner. Die beiden Immobilien in der Edelfinger Straße 26 und Weinsteige 10 seien nicht vom Insolvenzverfahren umfasst.

Joachim Magin ist ebenfalls Geschäftsführer des Therapiezentrum Buckow (Märkische Schweiz) und der Psychosomatischen Fachklinik Sonneck (Sonneneck); außerdem der Psychosomatischen Reha-Klinik Sonneneck, die 2016 ihre Pforten schloss.