Bad Mergentheim

Evangelische Kirche Als Wachbacher Pfarrer verabschiedet – als Religionslehrer investiert / Matthias Widmayer wechselt seine Position

Jetzt ganz im Dienst für die junge Generation

Nach 13 Jahren als Gemeindepfarrer tauscht Matthias Widmayer die Kanzel mit dem Klassenzimmer. Er wechselt an die Gymnasien Bad Mergentheim und Weikersheim.

Wachbach. Die evangelische Kirche brauche Menschen, „die sich vom Geist Gottes beauftragt und für die Kommunikation des Evangeliums gestärkt wissen“. Schuldekan Hans-Jürgen Nonnenmann betonte das als Vertreter des Weikersheimer Kirchenbezirks im festlichen Gottesdienst in der Wachbacher Kirche. Mit der biblischen Geschichte vom „Kämmerer aus dem Morgenland“ illustrierte er seine Ansprache, die den Bogen schlug vom Abschied zum Neubeginn. Auch als Pfarrer der Wachbacher und zuletzt noch der Herbsthäuser Kirchengemeinde habe Matthias Widmayer Menschen begleitet – jetzt spezialisiere er sich auf die Arbeit mit den jungen Menschen in der Schule. Für die gehörten Glaube und Kirche „oft in die Abteilung Freizeitgestaltung“.

Doch wenn sie ins Fragen kämen, bräuchten sie Religionslehrer, die ihnen zuhörten und ihre Fragen ernst nähmen.

Der Religionsunterricht trage in besonderer Weise dazu bei, „sich inmitten eines Dschungels und Dickichts von Wahrheiten und Anschauungen zu orientieren und eine feste Meinung und dann seinen Glauben finden zu können“.

Nach der Verpflichtung von Matthias Widmayer auf die kirchlichen Ordnungen setzte der Schuldekan ihn ein zum Pfarrer für Religionsunterricht in der württembergischen Landeskirche. Dieser Unterricht, so stellte Pfarrer Karl Gerlinger als Zeuge fest, sei „in einer Zeit des Atheismus und religiösen Synkretismus eine zunehmend herausfordernde und anspruchsvolle Aufgabe“. Mit dem Segen Gottes solle Matthias Widmayer in der Schule „dafür sorgen, dass der Mensch Mensch wird und bleibt“.

Seine bisherigen Leistungen für den Kirchenbezirk würdigte Hans-Jürgen Nonnenmann. Mitglied im Kirchenbezirksausschuss sei Matthias Widmayer gewesen und Notfallseelsorger „in sehr vielen, oft dramatischen Einsätzen“. Unter den anderen Einsatzkräften habe er „für uns als Kirche Gesicht und Einsatz gezeigt“ und er sei Seelsorger in Augenblicken gewesen, wo dringend Pfarrer gefragt gewesen seien. Auch stellvertretender Dekan sei er gewesen, Kirchenmusikpfarrer und als Kämmerer für die Pfarrhäuser zuständig.

Für die „gefüllte Zeit in Wachbach mit unzähligen Eindrücken und Begegnungen“ dankte der scheidende Pfarrer in seiner Predigt. Seinen neuen Dienst verstehe er als „große Chance und große Herausforderung“. Gottes Geist sei „ein tragfähiges Fundament für das, was vor uns liegt“ – „nämlich gemeinsam Gutes zu tun und nicht müde zu werden“.

Hohes Lob und herzlichen Dank für die 13-jährige Dienstzeit von Matthias Widmayer in Wachbach sprach die Kirchengemeinderatsvorsitzende Inge Friedrich aus. Der scheidende Pfarrer habe immer ein offenes Ohr für seine Gemeinde gehabt und Menschen auch in schwierigen Situationen begleitet.

Viele Jahre lang habe er den Kirchenchor geleitet, stets die Ökumene im Blick gehabt und mancherlei Renovierungen in Kirche und Gemeindehaus verantwortet. Auch die nicht immer einfachen Gespräche bis zur Überführung des Kindergartens in das Kinderhaus Wachbach habe er gemeistert und sei dann Mitglied des Kinderhaus-Ausschusses gewesen. Sie, so Inge Friedrich, wünsche Matthias Widmayer eine fruchtbare Arbeit mit den jungen Menschen.

„Sichtbare Spuren hat Ihr Pfarrer hinterlassen in den Herzen der Menschen“, hob der katholische Pfarrer Bogdan Stolarczyk hervor. In Gottesdienst und Predigt habe er den Glauben weitergegeben und in seinem Amt gute ökumenische Zusammenarbeit gepflegt.

Sets habe Matthias Widmayer das Wohl der Gemeinde und der Kirche im Auge gehabt, ergänzte Anton Mühleck, der Vorsitzende des katholischen Kirchengemeinderats.

Den Dank des Kirchendistrikts Bad Mergentheim an den geschätzten Kollegen Matthias Widmayer sprach beim anschließenden Empfang im evangelischen Gemeindehaus Pfarrer Uwe Krauß, Igersheim, aus. Landessynodalin Prof. Martina Klärle betonte die Bedeutung des Pfarrdienstes sowohl in der Gemeinde als auch in der Schule. Ihre Hoffnung brachte sie für alle sichtbar zum Ausdruck, als sie dann mit Matthias Widmayer das Glas erhob auf „viele junge Theologen in der Region“. Dazu könne er ja im Gespräch mit den Abiturienten seinen Teil beitragen.

Der Wachbacher Vikar Bastian Hein dankte seinem Ausbildungspfarrer für „Vertrauen, Offenheit und Respekt“. Gemeinsam seien sie eine gute Seilschaft für Wachbach gewesen. Für die Kirchengemeinde Herbsthausen, die künftig zur Pfarrei Wachbach gehören wird, sprach der Kirchengemeinderatsvorsitzende Günter Gleiter.

Er dankte für die „kurze, aber intensive gemeinsame Zeit“, die neue Perspektiven für die Gemeindearbeit eröffnet habe. Was man jetzt begonnen habe, wolle man zukunftsweisend im Interesse der Menschen vor Ort weiterführen.

Für die bürgerliche Gemeinde sprachen die Ortsvorsteher Paul Brunner, Hachtel, und Hermann Dehner, Wachbach. Vieles, so betonten sie, habe man gemeinsam gestaltet. „Matthias Widmayer vertritt seinen Standpunkt, doch stets kompromissfördernd“, so Hermann Dehner.

Zehn Jahre und damit viel länger als ursprünglich beabsichtigt habe Matthias Widmayer den Kirchenchor geleitet, würdigte Jürgen Friedrich. Dabei habe er außerordentliche Musikalität bewiesen und den Chor deutlich weiterentwickelt. Die Früchte dieser Arbeit hatten die Gäste schon beim Abschieds- und Investitur-Gottesdienst hören können. Das Ensemble wurde da dirigiert von Matthias Döhler, der auch die Orgel spielte.

Auch die Mesnerinnen, das Team des „Gottesdienstes für Klein und Groß“ und die Kirchengemeinderäte verabschiedeten sich mit Dankesworten von ihrem Pfarrer. Das letzte Wort hatte dann Matthias Widmayer selbst. peka