Bad Mergentheim

„Kreative Köpfe“ Schüler erfanden intelligente Bewässerungssysteme, multifunktionale Rucksäcke oder rutschfeste Zirkel fürs Tablet

Junge Erfinder lassen Experten staunen

Ganz schön raffiniert, was sich manch ein Schüler beim Erfinder-Wettbewerb „Kreative Köpfe“ hat einfallen lassen.

Bad Mergentheim. Sie sind echte „Käpsale“, die insgesamt 37 Schüler aus neun Schulen, die bei der Preisverleihung des Jugend-Erfinderwettbewerbs „Kreative Köpfe“ ihre Projekte vor großem Publikum in der Wandelhalle präsentierten. Über 100 Teams und Einzelkämpfer hatten sich bis zum 22. November mit ihren Erfinderideen um die Teilnahme beworben. 19 Vorschläge ließ die Jury zu. Kontakte zu möglichen Kooperationspartnern hatten die jungen Tüftler bei der Auftaktveranstaltung im Januar geknüpft und sich dann knapp drei Monate lang in die Arbeit gestürzt.

Anfang April tagte die Jury. Ganz schön kompliziert sei es gewesen, Rangfolgen zu ermitteln, berichtete Norbert Schön vom Stadtwerk Tauberfranken, das die Veranstaltung ausrichtete.

Bundesweites Interesse

Bundesweit werde inzwischen auf diesen Wettbewerb geschaut, sagte Oberbürgermeister Udo Glatthaar stolz. Kommunen, Unternehmen, Sponsoren und nicht zuletzt die von Manfred Wittenstein 2005 ins Leben gerufene Stiftung „Junge Kreative Köpfe“ ermöglichen die jährliche Durchführung des Wettbewerbs, der sich zwischenzeitlich auch in Tauberbischofsheim, Wertheim und Neckarsulm etablierte. In Planung ist der Start auch in Öhringen. Dirk Haft, Vorstandsmitglied der Wittenstein SE, appellierte: „Wir müssen weiter mit guten Ideen und exzellenten Umsetzungen Punkte sammeln.“

Reihenweise gute Ideen

Gute Ideen und zwar gleich reihenweise hatten die Teilnehmer, lobte Organisatorin Iris Lange-Schmalz. Die Vielfalt ist enorm: Die Jungerfinder stellten ein ganzes Bündel praxistauglicher Prototypen vor. Neben drei Gesamtpreisen vergab die Jury Preise und Anerkennungen für Innovation und Kreativität, Schonung von Ressourcen, technische Realisierung und Marktfähigkeit. Ganz oben aufs Siegertreppchen schafften es Elisabeth Kuhn und Sarah Schieser. Die beiden 13-Jährigen fahren oft mit dem Rad zur Schule. Dass die Abstellplätze oft für Räder mit Fahrradkorb einfach zu schmal sind, nervte sie. So entwickelten sie ihren eigenen „Flexi-Korb“: Der ist nicht nur stabil und abnehmbar, sondern auch zusammenklappbar und schwenkbar. Über gleich zwei zweite Preise in der Gesamtwertung freute sich die Gewerbliche Schul. Der 17-jährige begeisterte Sportschütze Markus Müning entwickelte einen automatisch verstellbaren Gewehrschaft, der Sportschützen hellauf begeistern dürfte. Und Leon Fleischmann und Tom Laukemann, beide 18 Jahre alt, entwickelten den Prototyp einer Spezialheizung für Bienenkörbe, die Varroamilben den Garaus macht.

In der Kategorie „Innovation und Kreativität“ überzeugte die 15-jährige Weikersheimer Gymnasiastin Vicky Festerling mit dem um einen Ordnerhalter ergänzten Schulrucksack. Mit seiner Idee, den Wanderrucksack um Rückenheizung und stabile Sitzgelegenheit zu erweitern, belegte der elfjährige DOG-Schüler Julius Nitschke den zweiten Platz in dieser Kategorie. Zwei dritte Plätze vergab die Jury an reine Mädchen-Teams: Die Lorenz-Fries-Schülerinnen Milena Feldhoff, Lara Volkert und Isabella Girev entwickelten eine Handtasche mit Innenbeleuchtung; Paula Schmieg und Vanessa Karner (Kaufmännische Schule) lassen sich dank ihres Anhängers mit Alarmsignal künftig nicht mehr erschrecken: Ihr modisch aufpeppbares Accessoire dürfte düstere Gestalten in die Flucht schlagen. Die mit einer Anerkennung bedachte transportable Aufstehhilfe, die Bastian Kassulke und Robert Becker (Kopernikus-Realschule) entwickelten, dürfte bei Senioren Anklang finden.

Sehr aufwendig ist das in der Kategorie „Ressourcenschonung“ prämierte unterirdische und intelligente Rasenbewässerungssystem, das mit Sensoren für die punktgenaue und damit wassersparende Bodenfeuchte sorgt. Die drei 12-jährigen Erfinder besuchen das DOG. Aus der Kopernikus-Realschule steuerten Linus Metzger und Jannik Nörpel (13 Jahre, 2. Platz) die Fixierende Brotdose bei, und die von Paulo-Faris Göller (12 Jahre, Gemeinschaftsschule Weikersheim) entwickelte selbstaufrichtende Gehhilfe dürfte nicht nur Senioren, sondern wohl auch jungen Unfallopfern manch Unbill ersparen. Rick Wonn – der 15-jährige Kopernikus-Realschüler ist „Wiederholungstäter“ im Wettbewerb – freute sich über den ersten Preis in der Kategorie „Technische Realisierung“. Seine sichere Smartphone-Halterung fürs Mountainbike macht jede Strecke mit. Zwei Weikersheimer Gymnasiasten-Teams teilten sich mit dem direkt an die Leitung anschließbarem Haustiertrinknapf mit Füllstandsensor (Benedikt Striffler und Jannis Schultze) und der höhenverstellbaren Tortenplatte (Cedric Weber und Bastian Bamberger) die Zweitplatzierung, und auch den dritten Platz in dieser Kategorie vergab die Jury doppelt: Paul Kilian und Felix Müller (16 Jahre, Kaufmännische Schule mit WG) machen Tischtennisspielern durch ihre Ball-Sammelhilfe das Leben leichter, und wie die drei 13-jährigen Weikersheimer Gymnasiastinnen ihr Fahrrad aufrüsteten, lässt die Herzen von Biketechnikfans höher schlagen: Auf dem Gepäckträger sorgt eine solarbetriebene Powerbank für Blinklichtstrom, elektronische Sounds machen aus der Klingel bei Bedarf Hupe und Sirene, und über die stabile Smartphone-Halterung kann das Kommunikationswunder auch noch permanent aufgeladen werden. Chapeau!

In Sachen „Marktfähigkeit“ überzeugten Gesar Jörg, Dennis Seifert, Jessica Ettlinger und Robin Leiser die Jury (Kaufmännische Schule mit WG). Die 16-Jährigen entwickelten ein rutschfestes Geodreieck und einen rutschfesten Zirkel fürs Tablet.

Bremslicht „MaJa“ überzeugte

Das bestens sichtbare Bremslicht „MaJa“, das der 13-jährige Kopernikus-Realschüler Jannik Lenz entwickelte, ist ein echter Beitrag zur Fahrradsicherheit. Das gilt auch fürs „Leuchtende Fahrrad“, das die 11-jährigen Eduard-Mörike-Schüler entwickelten: Ein Akku versorgt die Farbwechsel-LED-Strips mit Energie und macht das Rad so nicht nur sicher sichtbar, sondern sorgt auch für einen echten Hingucker-Effekt. Der Schulpreis ging heuer ans Gymnasium Weikersheim. Erneut ein besonderes Extra für drei Erfinderteams steuerte die Duale Hochschule bei: Bei Coaching-Workschops mit DHBW-Studenten dürften die Flexi-Korb-Erfinderinnen Elisabeth Kuhn und Sarah Schieser, die Bienenvolk-Retter Leon Fleischmann und Tom Laukemann und das Tüftlerquartett Gesar Jörg, Dennis Seifert, Jessica Ettlinger und Robin Leiser (rutschfestes Büromaterial für Tablets) der Marktreife ein paar Schritte näher kommen.