Bad Mergentheim

Einziger FDP-Stadtrat in Bad Mergentheim Artur Schmidt arbeitet eng mit der CDU-Fraktion zusammen / Spagat zwischen Job und Ehrenamt / Klare Ansichten

Junge Leute und Geschäftswelt im Fokus

2013 wurde Artur Schmidt FDP-Mitglied, 2014 bereits in den Gemeinderat gewählt. Über seine Erfahrungen und seine Ziele sprach der 28-Jährige mit der Redaktion.

Bad Mergentheim. Die Fremdenverkehrsabgabe, die Windenergie, die Asylpolitik und die Anliegen der jungen Leute sind nur einige der Themen, die Artur Schmidt regelmäßig beschäftigen. Er sitzt seit 2014 im Gemeinderat und versucht den schwierigen Spagat zwischen politischem Ehrenamt und seiner Tätigkeit als Geschäftsmann in der Dienstleistungsbranche.

2011, mit gerade einmal 22 Jahren machte sich Artur Schmidt in der Bad Mergentheimer Holzapfelgasse als Friseurmeister selbstständig. Der ehemalige FDP-Stadtverbandsvorsitzende Helmut Smid und der langjährige Kinobetreiber Fritz Ehrler sprachen ihn an und baten ihn als junge Stimme für die Liberalen in der Kurstadt tätig zu werden. „Ich habe daraufhin bei einigen Liberalen Stammtischen vorbeigeschaut, mich informiert, viele Gespräche geführt und mich schließlich entschieden, FDP-Mitglied zu werden und knapp ein Jahr später auch für den Gemeinderat zu kandidieren. Das ich sofort ins Gremium gewählt wurde, war auch für mich eine Überraschung. Es hat mich aber auch sehr gefreut“, blickt Artur Schmidt im Gespräch lächelnd zurück.

Jugend und Einzelhandel

„Mein allererstes Ziel war es, mich für die Ausbildungsplätze in der Region und für die Themen der jungen Leute einzusetzen. Die Bedürfnisse des Einzelhandels und der örtlichen Geschäftswelt standen natürlich ebenso von Beginn an auf meiner Agenda“, erzählt der 28-Jährige.

Bis heute beschäftigt ihn die Fremdenverkehrsabgabe der Kurstadt, die auch von den Geschäftsleuten abzuführen ist. Viele empfingen sie, so Schmidt, als Zusatzbelastung und unfair berechnet. Grund genug für ihn, der selbst Betroffener ist, sich für eine Überarbeitung und eine branchenbezogene Aufsplittung einzusetzen. Hinter den Kulissen werde daran bereits gearbeitet. An den Neuregelungen wirke er selbst nicht mit, aber er dränge sehr darauf, dass es hier vorwärts geht, so Schmidt auf Nachfrage.

Als einziger FDP-Stadtrat entschied er sich vor vier Jahren recht schnell für einen Anschluss an die Fraktion der CDU. Wie kam es dazu? Schmidt: „Nun ja, wenn man als FDPler ganz allein im Rat sitzt, muss man sich alle Informationen auch alleine beschaffen und als Einzelkämpfer ist es in der Politik nun einmal schwierig. Das fängt schon mit den Ausschüssen und vielen Terminen sowie Themen an. Eine Fraktion kann sich aufteilen und die Kollegen halten sich gegenseitig auf dem Laufenden. Für mich war daher schnell klar, dass ich Anschluss brauche. Drei von vier Ratsfraktionen boten mir die Zusammenarbeit aktiv an und aufgrund vieler Schnittmengen habe ich mich für die CDU entschieden. Ein ganz wichtiges Kriterium war damals die Position zur Windkraft. Denn: Ich bin absoluter Windrad-Gegner hier auf dem Land, ganz besonders in unseren Wäldern. Natürlich müssen wir in Sachen Energiewende etwas tun, aber doch nicht durch Zerstörung unserer Wälder und das Fällen alter Bäume. Dazu die große Belastung für die Anwohner. Dieser Preis ist mir zu hoch!

Große Windparks auf dem offenen Meer mögen vielleicht noch Sinn machen, viel besser wäre es aber den Energieverbrauch insgesamt stark zu senken. Wir erzeugen in Deutschland oftmals noch einen Energieüberschuss und verkaufen die Energie dann billig ins Ausland weiter – das kann es doch nicht sein!“

Weiter berichtet Schmidt: „Die Zusammenarbeit mit der CDU war in den vergangenen Jahren sehr gut. Es gibt keinen Fraktionszwang und ich kann jede Entscheidung nach eigenem Wissen und Gewissen fällen. Das finde ich sehr gut.“ Der Informationsfluss sei so stark, dass es für einen Geschäftsmann wie ihn manchmal fast nicht mehr leistbar sei alles im Blick zu behalten. „Ich bedanke mich ausdrücklich für die gute Kooperation mit den CDU-Kollegen.“

Wie gut lässt sich das politische Mandat überhaupt mit einer Selbstständigkeit verbinden? Artur Schmidt betont, dass es ab und zu schon sehr schwierig sei das Ehrenamt mit dem eigenen Geschäft unter einen Hut zu bringen: „Mein Unternehmen hat regelmäßig bis 19 Uhr geöffnet, die Ausschüsse und die Sitzungen des Gemeinderats beginnen aber meist um 17.30 Uhr. Zudem gibt es noch andere Termine unterm Tag. Ich muss schon Wochen im Voraus planen können, sonst wird es schwierig. Kurzfristiges ist wirklich ein Problem, denn ich bin nun einmal in der Dienstleistungsbranche, direkt am Kunden, tätig, da kann man sowieso nicht auf die Minute genau planen. Leider bin ich daher auch schon öfters etwas verspätet in die Sitzungen gekommen. Das wissen aber alle Stadträte und ich habe mich auch schon oft entschuldigt und aufgrund meines schlechten Gewissens einen Rücktritt erwogen, doch davon wurde mir von Ratskollegen abgeraten – es hieß, ich solle dabei bleiben.“

Aus den Reihen der FDP gebe es durchaus den Wunsch, räumt Schmidt ein, „dass ich öfters bei Terminen auftauche und die FDP noch mehr und offensiv vertrete, aber da sind wir wieder beim Zeitproblem mit meiner Arbeit“.

Im Gemeinderat selbst schätzt Schmidt die langjährige Erfahrung vieler Mitglieder und ist auch überzeugt, dass man mit guten Argumenten neue Sichtweisen und Richtungsänderungen bewirken kann. „Man muss in den Ausschüssen vorberaten, überzeugende Argumente liefern und dann ist auch die Chance da für Neues“, so der 28-Jährige, der gerne die Anliegen des Jugendgemeinderats unterstützt und die Landesgartenschau ebenso wie den Stadtstrand sehr begrüßen würde.

Barrieren überwinden

Die Integration von Flüchtlingen treibt ihn auch um. Schmidt ist der Meinung, dass die Bleibeberechtigten schnellstmöglich in Wohnungen inmitten der Bevölkerung untergebracht werden müssen, um Barrieren zu überwinden und gegenseitiges Verstehen und Vertrauen aufzubauen. Mit intensivem Sprachunterricht und Praktika müsse die Integration gefördert werden. Gleichzeitig meint der FDP-Mann aber auch, dass zum Beispiel bewusst herbeigeführte Feuer-Fehlalarme in den Übergangswohnheimen, die die Feuerwehr sehr belasten, Konsequenzen haben müssen und die Verursacher ermittelt und zur Kasse gebeten werden müssten.

Zur Verkehrspolitik sagt Schmidt, dass die Sanierung der Innenstadtgassen weiter vorangehen soll und zusätzliche städtische Mülleimer dringend nötig seien. Zur Zusammenarbeit mit der Verwaltung und dem Oberbürgermeister erklärt Schmidt: „Ich bin sehr zufrieden. Ich mag auch den OB. Er macht gute Arbeit für Bad Mergentheim. Er ist ein Gewinn für die Stadt!“

In knapp einem Jahr sind wieder Kommunalwahlen: „Ich überlege noch, ob ich wieder kandidiere“, verrät Schmidt: „Das wird auch von meinem Geschäft und den Entwicklungen hier abhängen. Wenn ich zu sehr eingespannt bin, muss man schauen. Ich weiß es noch nicht.“