Bad Mergentheim

Leserbrief Zu diversen Beiträgen zum Thema „Abholzungen und Heckenrückschnitte im Taubertal und seinen Nebentälern“

Kein Ersatz für gefällte Obstbäume

Den Ausführungen in den Leserbriefen zu diesem Thema kann man nur zustimmen. Die Stellungnahme (Bericht FN/TZ vom 27. März) des Straßenbauamtes bzw. das Schweigen der Verantwortlichen sind ein Affront gegenüber dem Landschafts- und Naturschutz.

Naturbeobachter sind erschreckt über die seit ein paar Jahren alljährlich zunehmenden Rückschnitte bei Hecken und Gehölzen, die von Bauhöfen und Straßenmeistereien durchgeführt wurden. Auch die Deutsche Bahn trägt seit geraumer Zeit intensiv dazu bei.

Entlang den Bahngleisen wurden und werden kilometerweit Hecken entfernt. Speziell ist mir u. a. der Rückschnitt an der Bahnlinie Markelsheim – Elpersheim aufgefallen. Wo vor ein paar Jahren noch Heckenbrüter und hier vor allem die Nachtigall den Radler oder Wanderer mit ihrem Gesang begleiteten, herrscht heute Öde. Wer einmal zu Fuß oder mit dem Fahrrad bei Wind und Wetter an einer dichten Hecke entlang gegangen bzw. gefahren ist , weiß, welchen Schutz diese bieten kann. Das gilt insgesamt auch für Fauna und Flora. Seit Jahren kann man im Frühjahr am Bauhof in Weikersheim die riesigen angehäuften Hackschnitzelberge sehen. Die Naturfreunde fragen sich, wer hat eigentlich nun Interesse und den Nutzen an der so massiv betriebenen angeblichen „Landschaftspflege“, wenn laut Aussage des Pressesprechers vom Landratsamt kein Geld zu verdienen ist. Die genannten Einnahmen von 4279 Euro für das Jahr 2017 stehen in keinem Verhältnis zu dem Aufwand (Personal- und Maschinenkosten), der hier betrieben wird! Diese Ausgaben werden leider verschwiegen.

Es wäre interessant zu erfahren, unter welchem Titel die Hackschnitzelverkäufe bei den Kommunen verbucht werden?

Bauhöfe und Straßenmeistereien sind von Herbst bis zum Frühjahr eifrig damit beschäftigt, schützende und ökologisch wertvolle Hecken und Gehölze auszudünnen und zu entfernen.

Würde man mit dem gleichen Elan und Fleiß am Beseitigen von Schlaglöchern und unbefestigten Wegerändern herangehen, wäre es um Straßen und Verbindungswege besser bestellt!

Auch viele alte Obstbäume aus Streuobstwiesen und an Wegerändern sind in den vergangenen Jahren der Motorsäge zum Opfer gefallen, ohne dass Ersatzpflanzungen – wie es früher einmal Usus war – vorgenommen wurden. Die Mehrheit des Gemeinderates der Stadt Bad Mergentheim hat mit der Aufhebung der Baumschutzverordnung im Jahre 2010 wesentlich dazu beigetragen, dass der übermäßigen Abholzerei nicht Einhalt geboten wurde und sich dadurch für den Artenrückgang mitverantwortlich gemacht. Auch eine etwaige Landesgartenschau kann die Versäumnisse und Fehler der Vergangenheit und Gegenwart mit Neuanpflanzungen ggfs. nur kaschieren.

Wo bleiben die Naturschutzbehörden oder auch die Touristikgemeinschaft „Liebliches Taubertal“ mit ihrem Aufschrei? Hat man diesen Gremien eventuell einen Maulkorb verhängt?

Ist den Verantwortlichen überhaupt bewusst, welchen Schaden sie durch die Zerstörung von Lebensräumen für Vögel und Insekten angerichtet haben und noch weiterhin anrichten wollen?

Das Aufhängen von tausenden von Nistkästen ist nur eine Augenwischerei.

Viel besser und sinnvoller wäre ein sensibles Vorgehen und Handeln beim Rückschneiden von Hecken und Gehölzen. Der Gipfel der Unverfrorenheit ist die Aussage, dass man auch weiterhin die ausgeübte Pflegepraxis beibehalten will. Ja, geht es noch!

Oder braucht der Main-Tauber-Kreis wieder mal eine negative Schlagzeile in den überregionalen Medien? Die Naturfreunde appellieren daher eindringlich an die verantwortlichen Mandats- und Behördenvertreter diesem Raubbau ein Ende zu setzen.

Ansonsten wird es in naher Zukunft heißen: Es war einmal. . . ein Liebliches Taubertal!