Bad Mergentheim

Leserbrief Zum Leserbrief „Bürgerlicher Anstrich“ (4. April)

Keine „monokulturelle“ Geschichte

Archivartikel

Sehr geehrte Frau Dr. Baum! Auf einen Großteil Ihrer Worte möchte ich hier nicht eingehen. Opferhaltung nervt mich jedoch, wenn sie neben realitätsfernem, menschenverachtendem Rassismus auftritt.

Ganz nebenbei verwenden Sie und Ihre politischen Freunde den Begriff „monoethnisch“ mit großer Selbstverständlichkeit. Ich bin mit Gastarbeiterkindern aufgewachsen und habe mit ihnen studiert. In meinem bundesrepublikanischen Geschichtsunterricht habe ich von Völkerwanderungen aller Art in allen Jahrhunderten aus unterschiedlichen Beweggründen gehört.

Die Geschichte unserer Bundesrepublik ist kein e „monokulturelle“ und war sie noch nie. Das Neue Testament ist Basis für unsere christliche Haltung, dass jeder Mensch vor Gott gleich ist, gleichgültig welcher Ethnie, sexuellen Präferenz, welchen geistigen oder körperlichen Behinderungsgrades oder sonstiger Kriterien. Niemand werfe den ersten Stein! Welchem Ideal, welchem theoretischen Konstrukt von „Monoethnie“ und „Monokultur“ trauern Sie hinterher? Es gibt sowas nicht, außer in irgendwelchen unentdeckten Dschungelgebieten vielleicht. . .

In welcher gedanklichen Welt leben Sie? Und warum? Wenn Sie und Ihre politischen Freunde Angst schürend suggerieren, dass wir „wie Kaninchen in Experimenten“ zur multiethnischen Gesellschaft gezüchtet werden, wollen Sie dann das Gegenteil? Wollen Sie das fürchterliche Gedankengut des Nationalsozialismus wieder entzünden, die „reine arische Rasse“ zurück? Die gab es nie. Das sollten Sie mit Ihrer Schul- und Universitätsbildung wissen!

Sollten wir unsere Energien und Fähigkeiten nicht dafür verwenden, das Bestmögliche für unsere Erde und alle Bürger zu entwickeln, statt uns zu gefährlichem monoethnisch-elitärem Denken zurückzuentwickeln? Eine liebenswürdige 16-jährige Greta Thunberg mit Asperger-Syndrom weiß besser als Sie, dass wir global denken müssen.