Bad Mergentheim

Neues Buch präsentiert Der Verein Geschichtswerkstatt stellt Menschen vor, die im 19. Jahrhundert in Mergentheim gelebt und gewirkt haben

"Kleine Leute" im Scheinwerferlicht

Lebensgeschichten von Menschen, die in Mergentheim im 19. Jahrhundert gelebt und gewirkt haben, umfasst das neue Buch der Geschichtswerkstatt.

Bad Mergentheim. Der Verein Geschichtswerkstatt Bad Mergentheim möchte mit seinem neuen Buch einen Beitrag dazu leisten, dass die Stadt, in der man lebt, bewusster wahrgenommen und die Identifikation mit ihr verstärkt werde, so Stadtarchivarin und Schriftführerin des Vereins, Christine Schmidt. Sie stellte das Buch im Bürgersaal des Kulturforums vor, wo die Gäste von der Vorsitzenden des Vereins, Hannelore Müh-Mainos, willkommen geheißen wurden.

"Happy und stolz" könne der Verein sein, es wieder einmal fristgerecht geschafft zu haben, den neuen Band noch vor Weihnachten präsentieren zu können. Neben den Autoren dankte die Vorsitzende vor allem Stadtarchivarin Schmidt für ihr unermüdliches Engagement.

300 Seiten stark

Der 300 Seiten starke und reich bebilderte Band lässt anhand von 54 Lebensbildern aus der Zeit von 1809 bis 1914 "Geschichte(n) aus Bad Mergentheim" lebendig werden und soll neugierig auf die Stadt und ihre Ortsteile, ihre Vergangenheit und vor allem ihre Menschen machen, denn die Menschen seien es, welche die Stadt und die Dörfer gestalten, ist Christine Schmidt überzeugt. Dies betont auch Oberbürgermeister Udo Glatthaar in seinem Grußwort auf den ersten Seiten des Buches: "Bad Mergentheim wurde und wird geprägt von hochinteressanten Menschen. Was wir sind, das sind wir auf den Schultern derer, die vor uns da waren". Sie hätten es verdient, herausgestellt und gewürdigt zu werden.

Stadtgeschichte ist für die Archivarin Lebensgeschichte einzelner Bürgerinnen und Bürger.

Deshalb legte die Geschichtswerkstatt großen Wert darauf, neben bekannten Namen auch "kleine Leute" in das neue Buch aufzunehmen.

Hier einige Beispiele: Ehrenbürger Hermann von Mittnacht und Herzog Paul Wilhelm von Württemberg; Stadtschultheiß Karl Josef Bandel und Theodor Klotzbücher; Büchsenmacher Arneth, Maurermeister und Stadtbaumeister Diehm und die Schreinerfamilie Eichhorn; Johann Eberhart, Maler und Fotograf, sowie Eduard Mörike.

Der Geschichtswerkstatt war es auch wichtig, dass bei dem Buch-Vorhaben Frauen nicht zu kurz kommen. Schmidt bedauerte, dass nur wenige Frauen ermittelt werden konnten, bei denen genügend Material vorhanden ist, um wenigstens eine Kurz-Biografie schreiben zu können, zumal schon einige "Frauengestalten in Mergentheim" , so der Titel des Buches von Rosemarie Volz, vorgestellt wurden.

Im Buch der Geschichtswerkstatt wird auf das Leben und Wirken der Hebamme Katharina Aschfalk, der Erzieherin und Schriftstellerin Marie Bauer, der Wohltäterin Albertine von Berlichingen, der Türmerstochter Eva Franziska Koch und der Dichtersgattin Margarethe Mörike eingegangen.

Stadtarchivarin Schmidt, die neben Mitgliedern und Nichtmitgliedern der Geschichtswerkstatt einen beachtlichen Teil der Biografien beigesteuert hat, gab auch einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des nun dritten Bandes des Vereins, dem rund 30 Mitglieder angehören.

Kleines Monumentalwerk

Am Anfang wurde nach bekannten Persönlichkeiten der Stadtgeschichte aus allen Jahrhunderten gesucht. Die Stadtarchivarin nahm die Listen mit den Bürgermeistern und Ehrenbürgern zur Hand. Straßennamen wurden hinzugezogen. Künstler, Kaufleute, Handwerker tauchten in der Erinnerung der Geschichtswerkstattler auf.

Und weil die Zahl der Namen von, und das war dann der gemeinsame Nenner, "interessanten" Persönlichkeiten und Familien immer größer wurde, entschloss sich der Verein, das Lebensbilder-Projekt auf drei Bände zu verteilen. Und so entstand der erste Teil mit Lebensgeschichten ab dem Ende der Deutschordensherrschaft in Mergentheim (1809) bis zum Ersten Weltkrieg (1914). Band zwei soll dann Lebensbilder ab 1914 bis heute und Band drei Lebensgeschichten vor 1809 umfassen. Wenn man das hört, darf man schon von einem kleinen Monumentalwerk sprechen.

Immerhin werden dann insgesamt rund 150 Personen und Familien ins Licht der Öffentlichkeit gestellt.

"Nutzen Sie unser Buch wie ein Lexikon als Nachschlagewerk, aber auch als interessante Lektüre eines Teils der Stadtgeschichte", wandte sich Christine Schmidt am Ende ihres Vortrags direkt an die Gäste und wünschte ihnen noch "viel Spaß dabei".

Abschließend entführte noch Lydia Lauer anhand eines Lichtbildervortrags ins "Unbekannte Mergentheim".