Bad Mergentheim

150 Jahre Tauberbahn Die Mergentheimer Bahnwartstationen und der Haltepunkt Karlsbad / Zwei Stationen gehörten zur Königlich Württemberigen Staatseisenbahn

König Wilhelm II. weilte am Haltepunkt Karlsbad

Archivartikel

Auf den Gleisen rollten fleißig die Züge. Die Infrastruktur entwickelte sich weiter und weiter. Und immer mehr Menschen nutzten das Angebot. Prominentestes Beispiel: König Wilhelm II.

Bad Mergentheim. Auf der Gemarkung Mergentheim befanden sich drei Bahnwärterhäuser. Zwei Stationen gehörten zur Königlich Württembergischen Staateisenbahn und eines zur Großherzoglich Badischen Staatseisenbahn.

Lebenswelt der Eisenbahner

Das Wohngebäude für vier Bahnwärter der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahn wurde 1875 im Auftrag des Bezirksbahnmeisters Fuchs von der Bahninspektion Lauda für 22 970 Mark errichtet. Die dort lebenden Eisenbahner waren im Stellwerks- und im Schrankendienst eingesetzt. Das Dienstwohngebäude befand sich auf dem Gelände Hammerwerke/Metzler.

Das württembergische Bahnwärterhaus wurde 1869 beim Flürlesweg errichtet und war für den Wegübergang „km 59+650“ zuständig. In der Bauausschreibung für das Bahnwärterhaus Nummer 40 wurden für die Kosten zur Errichtung von der Königlich württembergischen Staatseisenbahn 2 644,76 Gulden veranschlagt Letzte Bewohner waren dort von 1932 bis 1957 die Familie Hillenbrand. Josef Hillenbrand war im Güterbahnhof Bad Mergentheim und am Drehkreuz des Postens eingesetzt. Ende der 1950er Jahre wurde das Gebäude von der Bundesbahn abgebrochen. Der zugehörige Bahnübergang wurde danach vom Stellwerk 2 des Bahnhof Bad Mergentheim fernbedient. Das dritte Bahnwärterhaus, der ebenfalls 1869 von der Königlich Württembergischen Staateisenbahn gebaute Posten 89, befand sich direkt gegenüber des von 1899 bis 1945 bestandenen Haltepunkts Karlsbad, der eigens für die Kurgäste angelegt wurde. Genauer: bei „km 57+831“ von wo der dortige Bahnübergang bediente. 1911 war dort der Bahnwärter Wörner Posteninhaber. Das Gebäude aus der Anfangszeit der Tauberbahn wurde bereits in den 1950er Jahren abgebrochen.

Von Prinzen und Königen

Der Haltepunkt Karlsbad wurde 1899 von der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn auf Kosten der Karlsbad Gesellschaft eingerichtet und nur in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September bedient. Ersten hohen Besuch hatte der Haltepunkt Karlsbad am 17. Mai 1907 als hier König Wilhelm II und Königin Charlotte von Württemberg zur Einweihung der Wilhelmsquelle anreisten. Auch beim Kaisermanöver im September 1909 spielte die Station eine wichtige Rolle. In den Folgejahren gab es hier ein hohes Aufkommen an Kurgästen. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 endete auch die Geschichte des Haltepunktes Karlsbad und die Reichsbahn stellte nach 46 Jahren den Betrieb ein. Fasching 1955 wurde von dort das Bad Mergentheimer Prinzenpaar mit seinem Gefolge mit einer Kleinlok mit Personenwagen zum Bahnhof Bad Mergentheim gefahren und das war gleichzeitig die letzte Nutzung des Haltepunktes Karlsbad. Am 19. Dezember 1898 stellte der Vorsitzende der Gesellschafter des Karlsbades in Mergentheim bei der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn in Stuttgart einen Antrag zur Errichtung einer Haltestelle am Karlsbad. Der Antrag wurde von Stuttgart an die Betriebsinspektion Crailsheim und das Bahnbetriebsamt in Weikersheim zur Überprüfung weitergeleitet. Die Badverwaltung teilte mit, dass die Kurgäste einen rund eineinhalb Kilometer langen Fußweg von der Bahnstation Mergentheim bis zum Kurhaus zurücklegen müssen und durch teilweise gesundheitliche Einschränkungen sehr belastet wären. Nach mehrmonatigen Verhandlungen genehmigte die Bahndirektion schließlich mit Auflagen den Bau des Haltepunktes genau gegenüber des Bahnwärterhauses Posten 89. Die Errichtung des 18 Quadratmeter großen Unterstandes erfolgte durch das Bahnbetriebsamt Weikersheim auf Kosten der Badgesellschaft. Von der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn wurde ein Bahnsteig mit Bahnsteigbeleuchtung angelegt. Anfang Mai 1899 war die Anlage fertiggestellt und konnte schließlich am 15. Mai 1899 dem Bahnbetrieb übergeben werden. Der Fahrkartenverkauf erfolgte über einen Angestellten der Badverwaltung. Die war auch für die Pflege und Instandhaltung der Haltestation zuständig.

Im ersten Jahr wurden dort 250 Fahrkarten verkauft – 1904 waren es bereits 330. In den Folgejahren stieg der Fahrtkartenverkauf ständig an, da hier nicht nur Kurgäste, sondern auch Passagiere der Tauberbahn ein- und ausstiegen. Die Fahrkarten des Haltepunktes wurden weiterhin von der Kurverwaltung verkauft – den Verkauf der Bahnsteigkarten hatte Bahnwärter Wörner vom Posten 89, der auch den Bahnsteigschaffnerdienst hatte, inne.

Durch den stets steigenden Verkehr musste der Bahnsteig verlängert werden und 1913 wurden erste Pläne zum Ausbau des Haltepunktes erstellt, die jedoch nie umgesetzt wurden.