Bad Mergentheim

Begegnungsfest der Kulturen 14 Länder präsentierten sich in der Wandelhalle / Genussreise um die Welt

Kunterbunt ist immer besser als einfarbig

Archivartikel

Das zehnte Begegnungsfest der Kulturen erwies sich wieder einmal als Publikumsmagnet. Die Besucher bekamen viel geboten: Kulinarische Genüsse und kulturelle Beiträge sorgten für Kurzweil.

Bad Mergentheim. „Leider hatten wir einige Absagen“, sagt Ulrich Doerner kurz vor dem offiziellen Beginn des Begegnungsfestes der Kulturen am Samstagnachmittag in der Wandelhalle.

Doch gleich hellt sich die Mine des Kulturvereins-Organisators auf, denn „wir haben auch einige ,Neue’ mit dabei“. Für Kroatien, Peru und den Libanon fanden sich Vertreter Ägyptens, des Irak und Italiens. So wurde das Begegnungsfest auch zu einer kleinen Premiere. „Neue Länder sind immer willkommen“, betonte Doerner, der stolz war, 14 Länder in der Wandelhalle versammelt zu sehen. Nach der Begrüßung durch die Kulturvereins-Vorsitzende Dr. Martina Knaut-Spaeth hieß Kurdirektorin Katrin Löbbecke die Teilnehmer und Besucher in der Wandelhalle willkommen. „Bunt, lebensfroh, vielfältig und aufgeschlossen“ sei dieses Fest, und „kunterbunt ist immer besser als einfarbig“.

Katrin Löbbecke zitierte die US-Sängerin Taylor Swift: „Wir müssen nicht alle der gleichen Meinung sein, aber wir müssen einander respektieren.“ Unterschiede bereichern und bestärken die Gesellschaft, das gegenseitige Kennenlernen und der Austausch fördere das Verständnis. Die Kurdirektorin wünschte allen Besuchern eine erfolgreiche „Genussreise in fremde Küchen“ – die Teilnehmer hätten „mit großem Fleiß und viel Begeisterung“ gearbeitet. Mit dem Dalai Lama-Wort „eine Voraussetzung für den Frieden ist der Respekt vor dem Anderssein und vor der Vielfältigkeit des Lebens“ rief Löbbecke zum „gemeinsamen Feiern“ auf.

Prof. Kim verwies auf die Bedeutung der Integration für alle Menschen mit Migrationshintergrund. Und er machte deutlich, dass viele –wie beispielsweise er selbst – ja schon in Deutschland aufgewachsen seien. „Wenn ich gefragt werde, woher ich komme, sage ich immer: Ich bin aus Essen!“ Der Leiter des DH-Campus Bad Mergentheim ist ein echter Ruhrpott-Junge. Seine Eltern kamen aus aus Korea in die Bundesrepublik. Kim betonte die Bedeutung der deutschen Sprache für eine erfolgreiche Integration.

Moderator Ralf Glenk machte seinen Job mehr als gut. Nach einer kurzen Erklärrunde leitete er über zu den Programmpunkten, denn zum Begegnungsfest gehört natürlich auch immer die Kultur. Auf der Bühne der Wandelhalle wechselten in flotter Folge Tänze, Gesang und Musik, und das alles war mindestens ebenso vielfältig wie das kulinarische Angebot. Und, egal wohin die Besucher blickten, es sah auch alles überaus wohlschmeckend aus, was die Teilnehmer präsentierten. Da dampften die Töpfe und Pfannen, und auf den Tabletts türmten sich Süßigkeiten, Salate und Häppchen ebenso wie Reisgerichte und verschieden Beilagen. Natürlich gab es neben den üblichen Getränken auch spezielle Weine, Säfte sowie Tee und Kaffee. Junge Männer aus dem Zweistromland (Irak) hatten eifrig (unter anderem) Baklava gebacken – gleich nebenan gab es auf dem Stand Venezuelas lateinamerikanische Cocktails. Feines aus dem Topf und dem Backofen boten auch die Türken und ebenso die Vertreter Kurdistans. Die Frauen trugen hier farbenfrohe Gewänder – und traten spontan auch mit einem Tanz auf. Auch der Iran war dabei, und hier gab es unter anderem Kebab Kubida – Hackfleischspieße vom Grill. Ägypten war erstmals mit dabei, und die Backwaren hinterließen einen bleibenden Eindruck. „Eine Geschmacksexplosion auf der Zunge“, sagte ein Besucher über die „traumhaften“ Süßigkeiten. Deftig-traditionelles aus Russland und Kasachstan boten die Russlanddeutschen – sie präsentierten die Küche ihrer alten Heimat, die deutsche Elemente mit russischen und asiatischen Einflüssen verbindet. Das große Angebot verlockte zum mehrfachen Genießen und zum Verweilen in einer Nische, die wie eine Jurte eingerichtet war.

Daneben, auf dem Stand von Ghana und Togo, gab es würzige Speisen vom schwarzen Kontinent. Und in „Italien“ zauberte der Koch mit Töpfen und Pfannen – frisch zubereitete Pasta ist immer ein Genuss. Das Grundrezept der Organisatoren – „kleine Preise, kleine Portionen“ – erwies sich wieder einmal als goldrichtig, denn die kulinarische Weltreise fiel den Besuchern leicht. Sätze wie „Hast du das schon probiert?“ oder „Da musst du auf jeden Fall hin!“ waren häufig zu hören. Vielfältig wie die Küche waren die Beiträge auf der Bühne: Die Trommler und Tänzer um Sana Kpante (Mother of all nations) mit ihren bunten afrikanischen Kleidern waren ebenso ein Hingucker und Hinhörer wie der Russlanddeutsche Chor und Auftritte der von Marina Lang geleiteten Erwachsenen- und Kindertanzgruppen. Auch die Kleinsten waren mit dabei, der integrative Kindergarten St. Pius brachte nicht nur die Kinder auf die Bühne, sondern bot zudem Kuchen, Häppchen und Getränke auf seinem Stand – auch hier ein Spiegelbild der Nationen, aus denen die Kinder oder ihre Eltern stammen. Jürgen Schulz (Schäfer Gehrig) und seine Alphornbläser beeindruckten ebenso wie die Green Skippers, die Power Girls oder der Merenge-Tanz, zu dem Regina Hohenstein das Publikum auf die Bühne lockte. Ein sehenswerter Beitrag waren auch die iranischen Volkstänze, und das Duo Sajul präsentierte moderne Songs. Ralf Glenk war nicht nur Moderator, sondern auch als Folksänger aktiv, und ihm folgte die spontane Tanzeinlage der kurdischen Frauen. Aura Dürr lehrte Salsa-Tanz. Zum Abschluss spielte das Kurorchester.

Typisch die Reaktion eines Pärchens: „Wir waren heute das erste Mal da, aber wir kommen auf jeden Fall das nächste Mal wieder.“