Bad Mergentheim

Schlosspark Hitze und Trockenheit setzen den Apfelbäumen zu / Früchte verfaulen am Boden

Massenweise Fallobst am Mondhäuschen

Archivartikel

Die von der Sonne verbrannte Wiese am Mondhäuschen ist mit Äpfeln und Birnen übersät. Trockenheit und Hitze sorgen für jede Menge Fallobst.

Bad Mergentheim. Normalerweise fallen die Äpfel im Hofgarten des Deutschordensschlosses erst im September von den Bäumen, wenn sie nicht vorher gepflückt werden. Aber in diesem Jahr, nach der wochenlangen Heiß-Zeit, liegen viele Früchte schon im August am Boden und faulen vor sich hin.

Für Tillmann Zeller, der als Hofgärtner Franz Joseph Hüller im historischen Kostüm Gästen den landeseigenen Schlosspark und seine Geschichte näher bringt, ist der viel zu frühe und auffallend reichliche Obst-Fall zwar ungewöhnlich, aber eben auch eine Konsequenz aus dem Rekordsommer.

Die Obstbaumblüte setzte vier Wochen vor dem Normalbeginn ein. Monatelange fast unerträgliche Hitze und Trockenheit setzten den Apfel- und Birnbäumen heftig zu. Und so war es kein Wunder, dass zum Teil wurmstichige Früchte von den Bäumen fielen, die sich aufgrund des Wassermangels „entlasten“, wie Zeller erklärt.

Zwar ist die von der Hitze und Trockenheit verbrannte Wiese am Mondhäuschen übersät mit den Farbtupfern des weitgehend nicht mehr genießbaren Fallobstes. Aber die Bäume selbst tragen noch reichlich Früchte, die zwar nach und nach weniger, aber hoffentlich noch ausreichen werden, um beim Naturerlebnistag der Naturschutzgruppe Taubergrund eine erfrischende Rolle zu spielen. Denn am Sonntag, 30. September ist es wieder soweit: Dann schütteln die jungen „Tauberhüpfer“ zusammen mit Gästen des Erlebnistages wieder die Bäume und sammeln die Früchte ein, die dann mit Hilfe einer Mostpresse zu schmackhaftem Saft gepresst werden, der gleich an Ort und Stelle probiert und gekauft werden kann.

Eine Obstwiese am Mondhäuschen gab es übrigens schon in der Zeit, als der Deutsche Orden in Mergentheim seine Machtzentrale hatte. Wo sich einst Schanzen und Wälle als Teil der Schlossbefestigung und Nutzgärten befunden hatten, ließ der Hochmeister Maximilian Franz, der jüngste Sohn der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, ab 1791 einen Park im englischen Stil anlegen, ganz nach dem Motto „Alles natur gemess ohn gekünstelt“. Und so entstand ein Landschaftsgarten mit verschlungenen Wegen, kleinen Seen und botanischen Schönheiten aus aller Herren Länder. Und da Früchte damals wie heute sehr begehrt waren, gab es auch eine Obstbaumwiese rund um das Mondhäuschen.

Mit dem Ende der Ordensherrschaft und der Besatzung Mergentheims durch die württembergische Krone im Jahre 1809 begann der Verfall des Hofgartens, der ab den 1990er Jahren vom Land Baden-Württemberg Schritt für Schritt wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden soll, wobei das umfangreiche Parkpflegewerk noch nicht abgeschlossen ist.

Auch die Obstbäume am Mondhäuschen wurden nach historischem Vorbild geometrisch geordnet in die Erde gesetzt und laden zum Schauen und Verweilen ein. Hin und wieder kommen Enten und andere zweibeinige Zeitgenossen vorbei und lassen sich einen Apfel schmecken.