Bad Mergentheim

Vorträge Prof. Dr. Werner Romen und Rechtsanwalt Werner Nied referierten / Patientenverfügung unter die Lupe genommen

Medizinische Behandlungsfehler: Was man als Patient tun kann

Bad Mergentheim.Zwei interessante Vorträge über „Medizinische Behandlungsfehler – Was ist zu tun? und „Gut versorgt: Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung“ präsentierte der DRK-und der VDK-Kreisverband. Als Gäste referierten Prof. Dr. Werner Romen und Rechtsanwalt Werner Nied.

„Die Ärzte haben mehr Menschenleben auf dem Gewissen als Generäle.“ Mit dem Zitat von Napoleon begann Romen seine Ausführungen zum Thema „Medizinische Behandlungsfehler – Was ist zu tun?“. Behandlungsfehler werden als vermeidbare „ Unerwünschte Ereignisse“ bezeichnet. Im Gegensatz dazu stehen nicht vermeidbare „Unerwünschte Ereignisse“ wie zum Beispiel ein Tod durch Herzinfarkt. Als Ursachen für Behandlungsfehler seien primär Unerfahrenheit und Unkenntnis, Außerachtlassung des medizinischen Standards sowie mangelnde Sorgfalt und Fahrlässigkeit zu nennen, so Romen.

Schwierig, so der Referent weiter, gestalte sich die Suche nach den konkreten Fehlerquellen, da neben dem verantwortlichen Arzt oftmals auch noch andere in der Verantwortung stünden. Ob und in welcher Form eine Behandlung fehlerhaft gewesen sei, könne von einem Patienten alleine kaum bewiesen werden. Umso wichtiger sei es, die vorhandenen Beratungsmöglichkeiten zu nutzen und rechtzeitig aktiv zu werden. Erste Anlaufstelle sei dabei die breit aufgestellte Ärztekammer.

Wichtig sei auch zu wissen, dass die Beweislast bei Diagnose- oder Therapiefehlern beim Patienten liege. Werden Fehler bei der Aufklärung und Einwilligung festgestellt, sei der Arzt in der Beweispflicht. Der Würzburger Rechtsanwalt Werner Nied brachte den Zuhörern in einem kurzweiligen und praxisbezogenen Vortrag den Sinn und Zweck von Vollmachten und Verfügungen nahe. So sei klar, dass wenn man seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln könne, und man keine Vorsorge getroffen habe, eine gesetzliche Betreuung erforderlich würde. Diese prüfe das Betreuungsgericht unter Beteiligung der Betreuungsbehörde und Einholung eines Sachverständigengutachtens. In diesem Zusammenhang würden auch die Fragen, wer zum Betreuer bestellt wird, der Umfang der Betreuung, die Pflichten des Betreuers und weitere Details geklärt. Um dieser, eher unpersönlichen Regelung entgegenzuwirken, kann man eine Vorsorgevollmacht erteilen. Problem dabei sei, so Nied, dass der Vorsorgefall nur über entsprechende Nachweise festgestellt werden könne. Dem gegenüber decke die weitergehende Generalvollmacht alle Bereiche ab und gelte nicht erst im Vorsorgefall. Um eine wirksame Patientenverfügung zum Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen aufzusetzen, muss sie dem sogenannten Bestimmtheitsgrundsatz entsprechen. Dies bedeute, so Nied, dass konkrete Behandlungssituationen und die genaue Bezeichnung der ärztlichen Maßnahmen genannt sein müssen. So kann festgeschrieben werden, dass im Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit etwa keine Blut-Transfusion vorgenommen werden darf.

Die Patientenverfügung muss, so Rechtsanwalt Nied, schriftlich verfasst und durch eine Signatur oder ein notariell beglaubigtes Handzeichen unterschrieben werden. Sie kann jederzeit formlos widerrufen werden. Darüber hinaus müssen mündliche Äußerungen bei der Feststellung des Patientenwillens beachtet werden. Eine Patientenverfügung solle so verwahrt werden, dass insbesondere Ärzte, Bevollmächtigte und Betreuer möglichst schnell und unkompliziert an die Verfügung gelangen. Dazu kann es sinnvoll sein, einen Hinweis bei sich zu tragen, wo die Patientenverfügung aufbewahrt ist. Zu den Fragen über aktive, passive und indirekte Sterbehilfe führte Nied aus, dass man von aktiver Sterbehilfe dann spreche, wenn ein Patient ausdrücklich nach der Tötung seiner selbst verlangt und diese durch Eingreifen von außen eintritt. In Deutschland sei, so Nied, die aktive Sterbehilfe strikt verboten und kann mit Haftstrafen geahndet werden. Bei der passiven Sterbehilfe wird auf Wunsch des Patienten eine bestimmte Behandlung unterlassen oder abgebrochen. Nachdem in diesen Fällen lange Zeit Unsicherheit hinsichtlich der Grenze zur aktiven Tötung herrschte, hat der Bundesgerichtshof zwischenzeitlich klargestellt, dass Ärzte etwaige Maßnahmen auch dann abbrechen dürfen, wenn der Patient noch nicht kurz vor dem Tod steht. Vor allem aber müssen sie dann lebenserhaltende Maßnahmen aussetzen, wenn der Patient dies so will. Insofern ist eine Patientenverfügung für die passive Sterbehilfe inzwischen von großer Bedeutung. Die indirekte Sterbehilfe wiederum bezeichnet einen Fall, in dem Medikamente verabreicht werden, die zur Linderung von Leiden führen aber gleichzeitig einen vorzeitigen Tod bewirken können. Ein Beispiel für diese Form ist die Verabreichung von Opium. Die indirekte Sterbehilfe sei, so Nied, in Deutschland nicht strafbar.