Bad Mergentheim

Leerstände und Ladensterben Bilanz der Stadt ist positiv / Fußgängerzone ist Attraktivitätspunkt / 163 leerstehende Immobilien in Kernstadt und Ortsteilen

Mehr Dienstleister, weniger Läden

Archivartikel

Das Problem des Ladensterbens betrifft vor allem Klein- und Mittelstädte. In Bad Mergentheim ziehen viele Dienstleister in die freien Immobilien. Die Bilanz der Stadt ist positiv.

Bad Mergentheim. Wer heutzutage einen Laden eröffnen will, der hat einen schweren Stand. Vor allem der Online-Handel und die Einkaufsstraßen nahegelegener Großstädte stehen in starker Konkurrenz zum heimischen Elektro- oder Spielzeuggeschäft. Der Handelsverband Deutschland schlägt diesbezüglich Alarm. Laut ihm könnte bis 2025 jeder zehnte Laden seine Tore für immer schließen. Das entspräche einem Aus für fast 50 000 Geschäfte. In der Kurstadt zieht man jedoch eine vergleichsweise positive Bilanz.

„Das Thema Ladensterben ist ein bundesweites Phänomen und gerade für kleinere und mittlere Städte eine große Herausforderung. Die Leerstandsquote in Bad Mergentheim ist heute jedoch niedriger als noch vor einigen Jahren“, erklärt Carsten Müller, Pressesprecher der Stadt.

Man stelle aber fest, dass sich in vielen ehemaligen Läden heute Dienstleister – etwa Friseure oder Versicherungen – oder Gastronomiebetriebe befinden.

Den Zufluss der Kaufkraft habe man um 30 Prozent gesteigert: „Wir haben 2015 sogar über eine Studie des Instituts für internationales Handels- und Distributionsmanagement (IIHD) für das Magazin ’WirtschaftsWoche’ bescheinigt bekommen, dass wir in unserer Größenordnung zu den ’Top 25’ Städten in Deutschland gehören“, so Müller.

Auf die gesamte Innenstadt gesehen sei sowohl die Nachfrage beim inhabergeführten Einzelhandel als auch bei den Filialen rückläufig. Die Anfragen für Geschäftsräume in den Nebenlagen dito.

Anders sehe das Ganze bei einem Blick auf das Herz der Innenstadt aus. In der Burg- und Kirchstraße sowie auf dem Marktplatz – „also in der klassischen Fußgängerzone“ – konzentrierten sich die Anfragen, so Müller.

An diesen Hotspot wolle man anknüpfen: „Eine Attraktivierung des Gänsmarkts – wie wir sie derzeit mit breiter Bürgerbeteiligung vorbereiten – könnte eine Verlängerung der nachfragestarken Achse Burgstraße/Marktplatz/Kirchstraße bewirken, ohne dafür eine zusätzliche Fußgängerzone ausweisen zu müssen“, so Carsten Müller.

Auch die Stadt selbst habe noch die eine oder andere leerstehende Immobilie in ihrem Besitz. Beispielsweise das ehemalige Alten- und Pflegeheim in der Herrenmühlstraße, das demnächst zum Jugend und Familiengästehaus umgebaut wird. Oder das Gebäude Frommengasse 14, das man 2019 zum Verkauf ausgeschrieben habe, der demnächst auch vollzogen werde. Für das ehemalige Bali-Kino direkt neben dem Rathaus habe der Gemeinderat ein Nutzungskonzept beantragt, das derzeit erarbeitet werde.

Die aktuelle Leerstandserhebung Bad Mergentheims hat drei leerstehende Immobilien in der Kernstadt und 160 in den Stadtteilen erfasst. 163 Leerstände, das ist in der Summe gesehen zwar nicht ungewöhnlich. Ein Blick in die Ortsteile offenbart jedoch den einen oder anderen Ausreißer. So befinden sich beispielsweise in Wachbach 25 leerstehende Immobilien, in Markelsheim 20 und in Edelfingen sowie in Althausen jeweils 15.

Die Stadt bemühe sich durch eine gezielte Förderung, dem Verfall von Bausubstanz und Beeinträchtigungen des Ortsbildes entgegenzuwirken. Dies geschehe auch vor dem Hintergrund, dass Bad Mergentheim wachse und die Nachfrage nach Wohnraum groß sei.

„Gemäß dem Motto ‚Innenentwicklung vor Außenentwicklung‘ wollen wir auch den Flächenverbrauch für Neubaugebiete – die trotzdem benötigt werden – so gering wie möglich halten. Bei Gebäuden, die in der Leerstandserhebung enthalten sind, bemüht sich die Stadt um eine gezielte Förderung“, so Pressesprecher Carsten Müller. Umbau, Sanierung oder aber den Abbruch inklusive Ersatzneubau würden mit bis zu 15 000 Euro pro Objekt im Rahmen der entsprechenden Förderrichtlinien bezuschusst.

„Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit einer Förderung mit dem ‚Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum‘, kurz ELR, des Landes Baden-Württemberg. Dazu bietet unsere Wirtschaftsförderung umfangreiche Beratungsleistungen sowie die notwendige Unterstützung bei der Antragstellung an. Derzeit bereiten wir wieder eine Reihe von ELR-Anträgen vor, die im Herbst in Stuttgart eingereicht werden“, erklärt Müller.

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