Bad Mergentheim

In der Wandelhalle Kulturverein feierte 70. Geburtstag / Ehrung für Wolfgang Kurz, den langjährigen Leiter des Kammerchors

Menschen Vielfalt der Kultur vermitteln

Archivartikel

Mit Mitgliedern, Freunden, Kooperationspartnern und Ehrengästen feierte der Kulturverein in der Wandelhalle seinen 70. Geburtstag. Auch dabei kam die Kultur natürlich nicht zu kurz.

Bad Mergentheim. Gut gefüllt war die Wandelhalle am Sonntagvormittag, und gefeiert wurde ein ganz besonderer Geburtstag: Der Kulturverein, 1948 gegründet und seither stets aktiv in Sachen Kultur, beging mit einem Festakt seinen 70. Geburtstag. Das Programm verband ideal Kultur und Fest.

Die Vorsitzende, Dr. Martina Knaut-Spaeth, freute sich, dass viele Mitglieder, Freunde, Kooperationspartner und Ehrengäste gekommen war. Zur Einstimmung intonierte das Kammerorchester ein Stück aus Händels „Wassermusik“.

Für den Kooperationspartner Kurverwaltung sprach Peter Dittgen. „Kultur beginnt im Herzen jedes einzelnen“, zitierte er Nestroy und tat das mit Verweis auf „viel Herzblut und ehrenamtlichen Einsatz“ der Kulturvereins-Mitglieder. Was den Verein auszeichne, sei „echter Teamgeist“. Kultur sei die „Gesamtheit der geistigen, künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen“. Gemeinhin werde Kultur verbunden mit Bildender Kunst, Musik und Literatur, Design und Architektur. Aber auch das „Begegnungsfest der Kulturen“ sei Kultur, ein Kind des Kulturvereins, das mit der Stadt und der Kurverwaltung seit 2004 veranstaltet werde und als „ein bunter, multikultureller“ Treffpunkt längst ein geschätztes Event sei.

Kultur als Gegengewicht

Die stellvertretende Bürgermeisterin Manuela Zahn sah es wie Ernst Schneider: „Es ist ungut, nur ständig im Sinne der Nützlichkeit zu denken.“ Vielmehr gehöre es zur geistigen Gesundheit, die Kultur als Gegengewicht einzubeziehen. Und da der Kulturverein die kulturelle Bildung als unverzichtbares Element der Menschenbildung erkannt habe, gehöre auch der Kammerchor und das Kammerorchester „zu Ihnen wie das Amen zur Kirche“.

Der Verein sei eine „lebende Institution mit viel Kompetenz und Sensibilität“ und versuche stets, „die Herzen der Menschen zu erreichen und sie zu begeistern mit allem, was Körper, Geist und Seele gut tut“. Zahn sprach den Dank der Stadt an den Kulturverein aus: „Es ist gut, dass es Sie gibt!“. Um einen „Rückblick“ bat Dr. Knaut-Spaeth dann Uta Obermeyer, Bernd Schepermann, Klaus Scheuermann und Monika Schumann sowie Patricia Gleinser-Löffler.

Für den Kammerchor sprach Uta Obermeyer. „Den Kulturverein gibt es jetzt seit 70, den Kammerchor seit 50 Jahren. Und seit 45 Jahren werden wir vom Kulturverein getragen.“

Obermeyer rief die 2004 stattgefundene Aufführung des Oratoriums „Der Sieg des Lichts“ des 1758 in Mergentheimer geborenen Komponisten Paul Anton Wineberger, „eine Welturaufführung“, in Erinnerung. Auch erwähnte sie das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Der Bass-Solist musste wegen einer Erkrankung absagen, doch es fand sich ein anderer Solist, der sich auf der Fahrt aus Gmünden am Main die Teile 4 bis 6 einprägte, die er zum Teil erst einmal gesungen hatte. Die Aufführung wurde um eine Stunde verschoben, „und wir begannen mit klopfenden Herzen!“. Weiter verwies Obermeyer auf die Aufführung einiger Kompositionen des langjährigen Chorleiters und Dirigenten Wolfgang Kurz.

Der ehemalige Kulturvereins-Vorsitzende Bernd Schepermann machte auf die Ergänzung des Vereinsschaffens aufmerksam: Vor gut sechs Jahren sei es gelungen, „neben dem Wohlklang der Kammermusik zusätzliche Farbklänge in die hiesige Kulturlandschaft zu bringen“. Gestartet habe man 2012 mit der Ausstellung „Zeitgenössische Kunst“ im Deutschordensmuseum. „Das war der Ausgangspunkt für die anhaltende Kooperation und das partnerschaftliche Zusammenspiel mit dem Museum“. Bei den folgenden Ausstellungen habe sich „ein völlig neues Schlosserlebnis“ entwickelt.

Auch zu den Heimattagen habe der Kulturverein einen Beitrag geleistet, als er zur Ausstellung „Grenzen Absurd“ mit Werken von Künstlern aus Nord-Württemberg einlud.

2013 wurde die „Ahnenreihe“ ins Leben gerufen – nicht nur deren Vernissage sei eine „kleine Familienfeier“ gewesen. Und neben den Werken von Vorfahren wurden auch Bilder aktueller Vereinsmitglieder der Öffentlichkeit präsentiert. Mit dem „Kinderkulturkreis unArtig“ wurde ein gleichgesinnter Partner gefunden. Gemeinsam richte man seit 2013 den „TriArtlon“ aus.

Ergänzend dazu gebe es seit 2015 das „Junge Quadrat“ – „etwas Einmaliges in der Region“. Auch deshalb hätten Kinderkulturkreis und Kulturverein beschlossen, dieses Projekt bis Ende 200 fortzuführen, sagte Schepermann.

Eine etwas andere Art des Rückblicks lieferten die Vertreter der Studiobühne, die erst seit kurzem unter dem Dach des Kulturvereins wirkt. Klaus Scheuermann und Monika Schumann gaben eine Theaterkostprobe und stellten so ihre Truppe sowie die bisher aufgeführten Stücke vor. Einen Vorgeschmack gab es auch auf die neueste Produktion, „Die Frauen von Troia“, ein Antikriegsstück, das am 24. November im Kursaal Premiere hat. Ach ja: Die Studiobühne sucht weitere Akteure, war zu hören, besonders Männer – ob sich da die Herren im Publikum angesprochen fühlten?

Die Vorsitzende des Kammerorchesters, Patricia Gleinser-Löffler, machte auf die „durchaus bewegte Geschichte“ dieses Klangkörpers aufmerksam. Nachdem sich Laienmusiker 1988 zum Kammerorchester Bad Mergentheim zusammengeschlossen hatten – die Gründungsmitglieder „waren die üblichen Verdächtigen“ – profitierte das Orchester nicht nur von seiner immensen Spielfreude, sondern auch von mittlerweile zehn Dirigenten, alle „mit einem eigenen Stil“, sagte Gleinser-Löffler.

Mehr Projektarbeit

Stets sei es das Anliegen des Orchesters gewesen, „ambitionierten Amateurmusikern eine orchestrale Spielmöglichkeit zu bieten“. Auch fortgeschrittene Schüler können hier Erfahrungen sammeln und bei Auftritten auch Solisten mit einbeziehen. Bei deren Auswahl würden ortsansässige Künstler und auch Ehemalige, die gern in der Heimat auftreten, einbezogen.

Da wöchentliche Proben nicht immer möglich seien, nutze man nun das Konzept der Projektarbeit. „Sie werden also künftig unter dem Namen Kammerorchester Bad Mergentheim und Grünwaldorchester Tauberbischofsheim immer wieder neue, junge Instrumentalisten sehen.“ Das Kammerorchester sei, trotz mancher Unkenrufe, „in seinem Kern nicht gestorben, sondern schaut mit Neugierde und Zuversicht in die Zukunft.“

Eine besondere Ehrung gab es zum Abschluss für den langjährigen Leiter und Dirigenten des Kammerchores, Wolfgang Kurz, den die Kulturvereins-Vorsitzende Dr. Martina Knaut-Spaeth für sein großes Engagement um die Chormusik und damit die Kultur in der Badestadt ehrte.

Gernot-Uwe Dziallas überreichte im Namen des Vereins ein Weinpräsent. Ein fröhliches Geburtstagsständchen spielten und sangen die Mitglieder des Kammerorchesters und des Kammerchores.

Wolfgang Kurz hatte eigens dafür Henry Purcells „Trumpet Voluntary“ bearbeitet und den passenden Text geschrieben: „Der Kulturverein wird heute 70 Jahr, drum feiert mächtig hier den Jubilar. Mit neuem Vorstand geht es auf die Reis’ ...“