Bad Mergentheim

Bürgerforum „Stadtbild“ „Mergentheimer Weindenkmale und Weinorte“ (Folge 9) / Ein Erlebnis nicht nur für Wallfahrer

Mit Ähren und Reben geschmückt

Archivartikel

Winfried Hoffmann hat seit 1993 mehrere Bildstöcke in der Region geschaffen. Unter anderem finden sich seine Werke auf dem Wallfahrtsweg nach Walldürn.

Bad Mergentheim. Als Lehrling für Fliesenlegen und Arbeiten in Naturwerkstein schaute er gebannt dem bedachtsamen Schlag der Steinmetzen zu. Und als er die meisterlichen gotischen und barocken Kopien des Würzburger Bildhauers Ernst Singer kennenlernte, weckte das die Lust am eigenen Gestalten. In den 1980er Jahren begann er in der Freizeit mit kleineren Arbeiten, zumeist Wappen. Schließlich wagte sich der 1945 geborne Winfried Hoffmann, von dem hier die Rede ist, an seinen ersten Bildstock. Mit Ähre und Rebe geschmückt, steht dieser jetzt in der Trillberghalde gegenüber dem Haus mit der Nummer 20. Aufgestellt wurde der Bildstock 1993 und das sprach sich herum. Gerhard Hemmerich, Führer der Mergentheimer Wallfahrer nach Walldürn regte daraufhin ein Denkmal für die Wallfahrt an, bei der auch Hoffmann mitpilgerte.

Private Skulpturen auf eigenem Grund oder für Freunde und Bekannte sind eine Sache, ein Denkmal an öffentlichem Ort eine andere, dachte der Künstler. Und so bestand Hoffmann auf einer Prüfung für Steinmetze bei der Handwerkskammer, obwohl er dort nach Vorlage etlicher Werkproben gehört hatte: „Sie brauchen doch keine Prüfung mehr.“

Mitte Oktober 1996 wurde an der Trillbergsteige in frischem Grün Hofmanns zweiter Bildstock, diesmal doppelseitig und anspruchsvoller gehauen, eingeweiht. Der achteckige Aufsatz zeigt vorn das Walldürner Blutbild mit umgestürztem Kelch, und auf der Rückseite ziehen die Waller den gewundenen Weg vom Mergentheimer Münster zur Wallfahrtsbasilika. Reben umschlingen den Schaft und schenkten der Stadt so ein Träubelesbild in zeitgemäßer Formgebung.

Groß war der Schreck, als das von Hoffmann dem Verein gestiftete Denkmal im Februar darauf umgefahren wurde und zehn Meter weiter in einer Hecke landete. Sockel und Bildaufsatz waren zum Glück heil geblieben, der Traubenstock musste aber neu gehauen werden.

Letzte Station entfällt

2009 kam Hemmerichs Nachfolger Alois Baumann zu Hoffmann. Er brauche unbedingt rasch einen weiteren Bildstock, diesmal als Ersatz fürs Walldürner Käppele, das künftig als letzte der sieben Kniefall-Stationen entfiele. Diesmal ziehe Weihbischof Thomas Maria Renz selbst mit und könne das fromme Mal einweihen. Um der immer gefährlicheren Landstraße am Ende des Wallweges auszuweichen, hatte Baumann zuvor nach einem Abstecher auf dieser Etappe gesucht. Ein verheißungsvoller Weg bei Waldstetten endete in einem bei Regen unpassierbar verschlammten Stück am Waldrand.

Es galt einer guten Sache, also bauten die Waldstettener den Weg bis zu ihrer Gemarkungsgrenze aus, und Markus Mackert gab den Platz für diesen Bildstock an der Alten Altheimer Straße unentgeltlich dazu. Der Aufsatz zeigt diesmal auf der einen Seite die Wallfahrtsbasilika mit dem Weg zur Mergentheimer Marienkirche und auf der andern Seite deren gotisches Gnadenbild. Als 600. Mitglied des Wallfahrervereins weihte Bischof Renz dann das Denkmal ein.

Winfried Hoffmann hat kürzlich den verschollenen gotisch schlanken Bildstock am Ketterberg nachgeschaffen und aufgerichtet sowie seinem Schwiegervater, dem unvergessenen Sepp Ehrler, auf dem Mergentheimer Friedhof den Grabstein gehauen – mit Wolfgangkapelle, Tauberbrücke und Pappel. bfs